|Sammle Momente, keine Dinge.

Ein interessanter Satz, der den Abschluss meines ersten Interviews bildet. Wie schon angekündigt, beginne ich damit, einige Menschen vorzustellen, die für mich einige Fragen in einem Interview beantwortet haben. Die Fragen beschäftigen sich mit unterschiedlichen Themen. Ich hoffe, dass einige ihrer Antworten vielleicht die Leser anregen oder der ein oder andere schöne Gedanke für euch dabei ist.

|Das erste Interview stammt von A.*. Sie hat vergangenes Jahr ihr BWL-Studium abgeschlossen und arbeitet jetzt als Vertriebsmitarbeiterin bei einem Automobilzulieferer.

|Was magst du an deinem Job? Was gefällt dir weniger?

Ich mag den Kontakt mit den Kunden. Das viele Sitzen und die vielen Überstunden gefallen mir aber weniger.

|Was machst du am liebsten in deiner Freizeit?

Ich bin gerne in der Natur und mache Sport.

|Was wünschst du dir für dein Leben?

Dazu zitiere ich Reinhold Niebuhr:

“Ich wünsche mir die Gelassenheit, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Sachen anzunehmen, die ich nicht ändern kann und die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden.”

|Wo/wann kannst du am besten entspannen?

Bei einem Spaziergang im Wald.

|Was wünschst du dir für die Welt?

Ich wünsche mir ein besseres Miteinander – obwohl schon das “normale Miteinander” immer schwieriger und problematiscer zu werden scheint. Ich denke dabei nur an den Korea-Konflikt.

|Was machst du, um dabei zu helfen oder das zu erreichen, was du dir für die Welt wünschst?

Ich habe seit 4 Jahren keinen Fernseher mehr. Seitdem habe ich viel mehr Zeit, mich mit sinnvollen Dingen zu beschäftigen – lesen, mich an Demos zu beteiligen und interessante Menschen zu treffen. Ich glaube, dadurch ist es mir gelungen, viele Menschen und ihre Ansichten besser zu verstehen.

|Hattest du einen Moment im Leben, der alles geändert hat für dich? Was hat sich geändert?

Einen Moment…hmmm. Eigentlich ein ganzes Jahr. Nach dem Abi habe ich mir ein “Off-Jahr” in Neuseeland gegönnt – das war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Seitdem sehe ich gewisse Dinge anders. Ich denke, seitdem kann ich mich schon irgendwie als “open-minded person” bezeichnen.

|Was glaubst du, geschieht nach dem Sterben mit dir?

Ich glaube, wenn ich tot bin, wird mir mein ganzes Leben noch einmal als Film vorgespielt. Ich sehe alle Dinge, die ich gut gemacht habe bzw. die gut gelaufen sind und ich sehe alle Dinge, die ich falsch gemacht habe bzw. die nicht so gut gelaufen sind. Was danach passiert…weiß nur das Schicksal.

|Was ist dir im Leben besonders wichtig?

Besonders wichtig ist mir, immer zu versuchen, im JETZT zu leben und glücklich zu sein – da man sowieso nie weiß, ob es das Nachher, das Morgen oder die nächsten Monate für einen überhaupt noch gibt. Alles, was wirklich und real ist, ist der Augenblick, den man gerade lebt.

|Möchtest du noch was mitteilen?

Collect moments – not things!

|Danke dir für das Gespräch und deine Offenheit!

 

*Sie möchte gerne anonym bleiben.

|Ein seltsamer Titel für einen Weblogartikel. Aber ich denke, gegen Endes Artikels werdet ihr wissen, wieso ich ihn gewählt habe.

Vor einiger Zeit habe ich mich etwas mit Plastikflaschen beschäftigt. Ausschlaggebend war ein Beitrag in den Nachrichten auf n24. Darin wurde kurz erklärt, dass ein Großteil der PET-Flaschen, für die man je Flasche 25 Cent Pfand zahlt, am Ende nicht recycled wird, sondern meist nur geschreddert und vernichtet wird. Das hat mich etwas nachdenklich gemacht, da ich dachte, dass Plastik schon ein ziemlich schwieriger Stoff angeht, wenn es um die Verrottbarkeit und dergleichen geht.

|Dabei stieß ich auf die sogenannten “Müllinseln“, die angeblich irgendwo in den Ozeanen der Welt umher schwammen. Es erschien mir etwas seltsam, da ich es für ein Gerücht hielt, ähnlich dem der Katze, die in einer Mikrowelle explodierte anstatt zu trocknen. Glücklicherweise stieß ich auf einen Beitrag der arte-Sendung “Mit offenen Karten”, in der es sich um dieses Thema handelte. Dabei stellte sich heraus, dass der US-Amerikanische Skipper Charles Moore 1997 von einer Müllinsel im Pazifik berichtete, deren Größe mit ca. 1,5 bis 3,o Millionen km² Fläche doppelt so groß war wie die Fläche des US-Staates Texas. Er selbst sagte darüber:

Jedes mal, wenn ich an Deck kam, um den Horizont zu begutachten, sah ich eine Seifenflasche, einen Flaschenverschluss oder eine scherbe Plastikmüll vorbei treiben.  Ich war hier in der Mitte des Ozeans and nirgends war es möglich, dem Plastik zu entkommen.||Charles Moore

Schon bald wurde bekannt, dass es sich nicht nur um eine, sondern um zwei Flaschen handelt. Jährlich kommen etwa 26 Mio. Tonnen Müll ins Meer. Dieser stammt von Stränden, Flüssen und anderen Gewässern und wird durch Meeresströmungen, Schiffbewegungen und Wetter in die Ozeane gezogen. Ebenso im Indik als auch im Atlantik sollen sich laut Experten solche Müllinseln befinden. Der Plastikmüll wird jedoch im Meer nicht schneller zersetzt. Eine einfache Plastiktüte, die man bei Lidl oder Netto zum Einkauf dazu bekommt, wird etwa erst nach 20 Jahren zersetzt, eine Plastikflasche benötigt etwa 450 Jahre.

|Diese Ansammlung von Müll wirkt sich auch stark auf das Tierleben aus. In einem Trailer für einen Dokumentarfilm namens Midway wird von einer (natürlichen) Insel voller Vögel berichtet, die mehrere Tausende Kilometer entfernt liegt von jeglicher Zivilisation. Auf dieser sterben trotzallem Vogelküken an Müllvergiftungen, da sie durch ihre Eltern mit Feuerzeugen, Verschlusskappen oder Ähnlichem gefüttert werden.

|Ebenso stieß ich bei meinen “Recherchen” auf Berichte über Stoffe in Plastik, die sich auf unsere Entwicklung und unsere Gesundheit auswirken. So wurde in einigen Studien herausgefunden, dass es Stoffe im Plastik gibt, die sich auf unseren Hormonhaushalt auswirken. Die Universität Frankfut als auch die Uni Würzburg haben festgestellt, dass Plastikflaschen bspw. zu Impotenz bei Männern führen können. Aber ebenso können, unabhängig vom Geschlecht, erhöhte Krankheitsrisiken wie eine erhöhte Anfälligkeit für Diabetes durch Plastik ausgelöst werden. Die Stoffe in der Plastikflasche werden durch das in ihr gelagerte Wasser ausgespült und gelangen über das Wasser in den menschlichen Körper. Je mehr eine Plastikflasche gewaschen wird, desto stärker tritt dieser Effekt auf.

|Wie kann ich aber daran etwas ändern? Ich habe schon gemerkt, dass ich es nicht mit tragen kann, dass Tiere leiden, weil ich bei dm, Aldi oder REWE eine Plastiktüte für einen Trageweg von vielleicht 10min bekomme. Zum Glück nutzen wir in unserer WG schon sämtliche Plastiktüten als Müllbeutel, um hier die Mülltüten zu sparen. Aber ich dachte mir, dass ich da noch etwas mehr tun könnte. Ein Glück habe ich von zwei guten Freunden Stoffbeutel bekommen, die nicht nur gut aussehen und praktisch sind, sondern nebenbei auch immer wieder benutzt werden können. Wenn sie mir nicht mehr gefallen, dann schmeiße ich sie weg und sie verrotten einfach.

Aber wie komme ich von diesen Plastikfalschen los? Die verrotten ja erst nach über 400 Jahren und sind nicht gerade sehr gesund für meinen Hormonhaushalt. OK, ein kurzer Gang zum nächsten Getränkemarkt (in meinem Falle die Getränkeabteilung von REWE :D ) und gekauft war die Brauseflasche aus Glas mit Schnappverschluss. Jetzt wird umgestiegen auf Tee (gesünder als Limonade), Leitungswasser (sowieso viel günstiger als Mineralwasser in Plastikflaschen) und vielleicht ein paar Säfte.

Das ist zwar nur eine kleine Veränderung, aber ich bin ja erst am Anfang des Themas angekommen. Vielleicht kommen mir noch ein paar neue Ideen, der Umwelt, der Tierwelt und meiner Gesundheit etwas Gutes zu tun. Denn diese drei Dinge hängen unmittelbar oder mittelbar miteinander zusammen. Es gibt nur diese eine Welt und wenn ewas einem Teil geschieht, wirkt es sich auf alle aus – egal über wie viele Umwege. Und das war die Story. So wurde ich zum Flaschenkind und Beuteltier ;)

Haben wir den Mut, der Realität unserer Zeit in die Augen zu blicken? Erlauben wir es uns selbst, zu füllen, dass sie uns und unsere Zukunft tief verändert?||Chris Jordan

|Viel liebe Grüße an alle Blogleser (, deren Zahl ziemlich gering sein sollte, da ich in den letzten Monaten ein echt schlechter Blogger war)!

Ich bin wieder da mit einer neuen Idee für meinen Blog. Ich habe in meinen wenigen Artikeln viel über Dinge geschrieben, die für mich eine Art Bezugspunkte darstellen.

Doch die Welt ist bunt und vielfältig. Darum werde ich in der nächsten Zeit immer wieder Blogs online stellen, in denen ich Menschen ganz verschiedene Fragen gestellt habe und ihre Antworten dazu notiert habe. Damit möchte ich verschiedene “Bezugspunkte” anderer Menschen vorstellen.

Wer also Interesse hat, der sollte sich einfach meinen Blog in den nächsten Tagen ab und an durchlesen.

|Wie beginnt man einen geeigneten Nachruf für einen Menschen, der vielen als Vorbild gilt, und einem selbst viel bedeutet? Da ich keine Antwort gefunden habe, beginne ich einfach so:

Am 28. Nov 2012 gedachten die Bahai und ihre Freunde weltweit dem Hinscheiden ‘Abdu’l-Bahas. ‘Abdu’l-Bahá war der Sohn Bahá’u'lláhs, des Religionsstifters der Bahá’í. Er galt und und gilt für die Bahá’í als Vorbild, da Er die Lehren Seines Vaters über Menschenliebe, Frieden und Tugendhaftigkeit auf einfache, nachvollziehbare und menschliche Art und Weise vorlebte. Der eigentlich hohe Standard, den Bahá’u'lláh den Bahá’í in Seinen Geboten anbot, wurde und wird duch Geschichten über ‘Abdu’l-Bahá greifbar.

|Doch was war so besonders an ‘Abdu’l-Bahá? Nun, es ist schwierig, das in einem einzigen Blogbeitrag zu erklären. Selbst Menschen, die sich seit Jahren mit Ihm und Seinem Leben beschäftigt haben, werden Ihm nicht gerecht. Ebenso ist es schwierig, Ihm gebührend Ehre und Respekt zu erweisen, ohne den Eindruck zu erwecken, Bahá’í würden Ihn als Offenbarer oder Prophet Gottes oder sogar als gottgleich verehren. Denn trotz ‘Abdu’l-Bahás hoher und reiner Stufe ist Er trotz allem nur ein Mensch. Nur deshalb wird es uns überhaupt erst möglich, Ihn als Vorbild zu sehen.

Nun gut, ich möchte nun kurz etwas über Sein Leben erzählen:

|‘Abdu’l-Bahá wurde 1844 in Iran geboren. Sein bürgerlicher Name lautet Abbas Effendi. Er ging nie zur Schule und erlebte seit Seinem 8. Lebensjahr die Gefangenschaft Seines Vaters mit; so wurde Er gemeinsam mit Seiner Familie und den Anhängern Bahá’u'lláhs durch den gesamten Orient verbannt. Er verbracht die meiste Zeit Seines Lebens in Gefangenschaft. Erst im Alter von 64 Jahren erlangte Er in Akko (im heutigen Israel) im Zuge der jungtürkischen Revolution 1908 die Freiheit. Er selbst gab sich den Namen ‘Abdu’l-Bahá, was so viel bedeutet wie “Diener der Herrlichkeit” oder “Diener Gottes”. Sein ganzes Leben stellte Er in den Dienst Gottes, indem Er danach strebte, allen Menschen einen Dienst zu  erweisen, die Seinen Weg kreuzten.

‘Abdu’l-Bahá || 1868

‘Abdu’l-Bahá || 1868

Daraufhin begann Er 1910 mit Seinen Reisen durch Ägypten, Europa (inklusive Deutschland) und Nordamerika. 1913 kehrte Er schließlich nach Akko und Haifa zurück. Er verfasste viele Erläuterungen, Briefe und Abhandlungen über die Lehren Seines Vaters. Diese erleichtern den Bahá’í heute noch das Verständnis der oft inhaltsschweren Lehren Bahá’u'lláhs.

|Doch vor allem aufgrund Seines Lebens, Seiner Handlungen und Haltungen und der Erfahrungen, die frühe Gläubige und auch Nichtbahá’í, darunter viele Juden, Christen und Muslime, mit Ihm hatten, gilt Er den Bahá’í als Beispiel für die Umsetzung der Bahá’í-Lehren. Viele davon wurden als Geschichten überliefert. Eine dieser Begebenheiten würde ich gern kurz erzählen. ‘Abdu’l-Bahá lehrte bspw.:

Hütet euch, hütet euch, daß ihr nicht ein Herz beleidigt! Hütet euch, hütet euch, daß ihr nicht eine Seele verletzt! Hütet euch, hütet euch, daß ihr gegen niemanden unfreundlich handelt! Hütet euch, hütet euch, daß ihr nicht für ein Geschöpf zur Ursache der Hoffnungslosigkeit werdet!

Eine kurze Begebenheit über die Umsetzung dieses Gebotes schildert Lady Blomfield, die die “Save the Children”-Kinderrechtsorganisation unterstützte und auf deren Wirken hin der Völkerbund 1924 die Genfer Erklärung der Kinderrechte annahm, schildert:

Als ‘Abdu’l-Bahá in London weilte, wollte eines Tages eine Frau Ihn besuchen. Die Person, die sie in der Empfangshalle um Erlaubnis bat, Ihn sehen zu dürfen, fragte: “Haben Sie denn eine Verabredung?” Die Frau war aber nicht angemeldet. “Dann tut es mir leid”, erhielt sie zur Antwort, “aber Er ist sehr beschäftigt mit wichtigen Persönlichkeiten; man kann Ihn jetzt nicht stören.”

Die Frau wandte sich ab, denn sie war zu bescheiden, um wegen eines späteren Treffens zu fragen. Doch sie war sehr enttäuscht. Sie ging die Treppe hinunter und wollte gerade das Haus verlassen, als ein Bote ‘Abdu’l-Bahás herbeieilte: “‘Abdu’l-Bahá will Sie sprechen!”, sagte er, “Sie müssen mit mir zurückkommen. Er hat mich beauftragt, Sie zu Ihm zu bringen.”

Jeder hatte die Stimme ‘Abdu’l-Bahás vorher im Haus vernommen, die rief: “Ein Herz ist verletzt worden. Schnell, schnell, bringt die Frau zu mir!”

|Während Seiner Reisen wurde oft über Ihn berichtet. Ein Ausschnitt aus der New York Times vom 21. Apr 1912:

Ausschnitt

Ausschnitt “The New York Times” || 1912

|Während Seiner Reisen hielt Er Vorträge in Synagogen, Kirchen, Universitäten, Privathäusern und bei anderen Gelegenheiten. Viele der Zeitungen von damals nannten Ihn “Prophet des Friedens”. Doch auch vor Seinen Reisen hatte Er im damaligen Palästina ebenfalls für die dortigen Bewohner gedient. Im I. Weltkrieg organisierte Er Lebensmittel, die die dort lebenden Bahá’í vorher auf ‘Abdu’l-Bahás Bitte hin angebaut und gesammelt hatten, für die Bevölkerung um Akko und Haifa. Aufgrund dessen überlebten viele Tausende Menschen, die ansonsten aufgrund des Krieges den Hungertod gestorben wären. Für diesen Dienst wurde Er 1920 von der Britischen Krone zum Ritter geschlagen.

‘Abdu’l-Bahá wird zum Ritter geschlagen || 1920

‘Abdu’l-Bahá wird zum Ritter geschlagen || 1920

| Am 28. November 1921 verschied ‘Abdu’l-Bahá schließlich. Sein Begräbnis wurde die bis dato größte Trauerbekundung von Anhängern verschiedenster Religionen: Juden, Christen, Muslime und Bahá’í trauerten gemeinsam um Ihren Freund und Meister, der Sein Leben in den Dienst für die Menschheit gestellt hatte.

Beisetzung ‘Abdu’l-Bahás am Berg Karmel in Haifa || 1921

Beisetzung ‘Abdu’l-Bahás am Berg Karmel in Haifa || 1921

| Ich habe erst vor einiger Zeit bamit begonnen, mich mit dem Leben ‘Abdu’l-Bahás zu beschäftigen. Vorher las ich nur Seine Schriften, die schon eine große Bereicherung und Inspiration für mich darstellten. Doch Geschichten zu lesen, in denen Er die oft schweren Gebote Bahá’u'lláhs auf einfache und menschliche Art umsetzt, dabei trotzdem so viel Geduld, Humor und Demut zeigt, begeistern mich. Ich hoffe, dass ich durch Sein Beispiel lernen kann und begreifen kann, wie auch ich einen Teil zum Dienst an der Menschheit beitragen kann.

|Der Tod. Ein großes Thema. Jeder kam schon mal irgendwie damit in Berührung. Aber hat jeder sich auch schon eingehend mit dem Sterben beschäftigt? Sokrates schrieb in der Antike:

Niemand kennt den Tod, es weiß auch keiner, ob er nicht das größte Geschenk für den Menschen ist. Dennoch wird er gefürchtet, als wäre es gewiß, daß er das schlimmste aller Übel sei.

|Gestern begann auf ARD die diesjährige Themenwoche. Das Motto dieses mal lautet “Leben mit dem Tod“. Vielleicht bietet sich hier eine Gelegenheit für den einen oder die andere, um sich auf unterschiedliche Art & Weise mit dem Tod, dem Sterben und allen Fragen um dieses Thema zu beschäftigen. Auch ʿAbdul-Baha’ sagte:

Als erstes musst du nach Geistigkeit dürsten; dann lebe das Leben! Lebe das Leben! Lebe das Leben! Um diesen Durst zu bekommen, denke über das Leben nach dem Tode nach.

|Die Themenwoche endet nächsten Samstag und bietet verschiedene Beiträge, wie Dokumentationen, Reportagen und Filme. Selbst der ‘Tatort’. Online findet man auch viele Informationen, Foren und andere Möglichkeiten des Austausches und der Gedankenanregung.

| Es war einer dieser normalen Dienstage…nur, dass ich mich abends mit einigen Freunden zu einer netten Runde traf, um über verschiedene Dinge zu reden. Während des Gespräches sind wir auf das Thema Wahrhaftigkeit gekommen. Ein Kumpel fragte mich, was ich denn unter Wahrhaftigkeit verstehe. Nach einigem Überlegen meinte ich, dass es für mich unter anderem bedeutet, dass man unter allen Umständen ehrlich sein sollte – ehrlich zu Freunden, dem Partner, der Familie, der Verkäuferin an der Ecke und vor allem ehrlich zu sich selbst.

 

|Ich kenne einige Menschen, die oft nicht ehrlich zu sich selbst sind und darum dann auch nicht ehrlich zu anderen. Sie geben vor, etwas oder jemand zu sein, was sie nicht sind. Sie lachen künstlich über Witze anderer, ohne es ehrlich zu meinen. Sie benehmen sich in der Gegenwart anderer Personen grundlegend anders. Warum tut man so was? Will man damit besser dastehen? Glaubt man damit, besser Freunde zu finden? Oder will man damit cool wirken?

 

|Ich habe keine wirkliche Antwort darauf gefunden. Vielleicht hatten sie in ihrem Leben schlechte Erfahrungen gemacht, wenn sie ihr wahres Ich zeigten? Solch schmerzhafte Erfahrungen, dass sie sich nicht trauen, ihr wahres Selbst zu zeigen. Vielleicht haben sie auch Angst, etwas falsch zu machen. Aber ist es nicht besser, etwas falsch zu machen und dann daraus zu lernen und zu wachsen, als sich zu verstellen und damit gleich am Anfang einen großen Fehler zu machen und nichts zu lernen? Kann es vielleicht auch sein, dass man sich vor seinem eigenen Selbst fürchtet? Wie kann so etwas geschehen? Keiner von uns ist in seinem Inneren zu fürchten. Wir tragen doch alle Edelsteine in uns, die müssen nur ans Licht befördert werden. Und dazu muss man jedoch ehrlich sein mit sich selbst.

 

|Hoffentlich fahren die Leute sich damit nicht irgendwann gegen den Baum. Nichts ist schlimmer als sich selbst zu belügen, denn dann belügt man auch andere. Ich hoffe, dass es vielleicht irgendwann eine Zeit gibt, wo sich niemand mehr verstecken oder belügen muss. Und hoffentlich treffen jene, die aus Angst oder wegen negativer Erfahrungen sich und andere belügen, in ihrem Leben Menschen, die sie so nehmen, wie sie sind und ihnen helfen, nicht mehr unehrlich sein zu müssen.

| Heute ist es mal wieder so weit. Seit einer gefühlten Ewigkeit habe ich hier nichts mehr geschrieben. Aber jetzt muss es mal wieder sein…

|Zur Zeit bin ich in Israel unterwegs, insgesamt zwei Wochen. Im Moment schlafen wir bei einer Bekannte in Gilo, einem Stadtteil Westjerusalems. Kurz entschlossen ging es heute nach Yad vaShem, der Israelischen Nationalgedenkstätte für die Opfer der Shoa הַשּׁוֹאָה (=hebr. für “Holocaust”). Yad vaShem ist hebräisch und bedeutet “Denkmal” (Yad) und “Name” (Shem); es basiert auf dem Thora-Vers Jesaja 56:5. In diesem Komplex wird auf die gesamte Geschichte der Judenfeindlichkeit, die schon im frühen Mittelalter begann, eingegangen und schließlich die Shoa schrittweise erklärt. Nach etwa 4 Stunden waren wir immer noch nicht durch das gesamte Hauptgebäude gegangen, waren aber leider nicht mehr aufnahmefähig.

|Während des Besuch habe ich das Gefühl gehabt, dass mir eine unglaubliche Last auf den Schultern liegt. Ich fühlte mich unwohl und war irgendwo schwankend zwischen Trauer, Verständnislosigkeit und Mitgefühl. Ich fühlte mich verantwortlich und schuldig dafür. Doch irgendwie fühlte ich mich nicht als Deutscher schuldig, sondern als Mensch. Die ganze Zeit fragte ich mich, wozu Menschen fähig sind. Ich konnte und kann es immer noch nicht verstehen und ich werde es sicher auch nie verstehen können. Das kann sicherlich niemand. Zu sehen, wie die Juden in Ghettos gesperrt wurden…das Bild der Massengräber von Hinrichtungen….die Deutschen, Polen, Ukrainer und anderen, die dabei zusahen…Bilder von Menschen mit Behinderung, die lächelnd und zugleich völlig verzweifelt hinter Zäunen stehen und abgemagert, schwach, beinahe tot sind…das Bild eines Soldaten, der eine Frau von hinten erschießt, obwohl sie ihr kleines Kind schützend in Händen hält…

|Im ersten Moment war ich verärgert, als meine Freundin Bella nach vier Stunden gehen wollte. Doch länger hätte ich es nicht verarbeiten und aufnehmen können. Wir waren spät, da wir noch Bethlehem in Palästina wollten. Nach einer holprigen und langen Busfahrt ohne Sitzmöglicheit und einem großen Hungergefühl  im Bauch kam wir schließlich an. Sofort ging es zum Markt, um leckere Palästinensische Falafel, Stars & Bucks-Kaffee und einem Souvenir wollten wir den ‘langen’ Weg (etwa eine dreiviertel Stunde) zurück nach Gilo, Jerusalem, zu Fuß antreten. Kurz vor dem Grenzübergang kamen wir an die Mauer, die Israel und Palästina trennt: Geschätzte 10 Meter hoch, Beton, mit Stacheldraht als Bedeckung. Seltsam an eine Mauer zu kommen, die mitten in einer Stadt steht und so hoch ist, dass man glaubt, im Gefängnis zu sein… Überall waren Graffitis zu sehen, die die Palästinenser an diese Mauer gemacht haben. So bunt und verschieden sie auch waren, sie hatten alle die gleiche Botschaft: Wir wollen Frieden und Freiheit!

|Kurz vor dem Checkpoint nach Jerusalem, Israel, waren Plakate an die Wand gehangen, die Geschichten aus Bethlehem erzählten. Eine davon war mir besondersn im Kopf geblieben:

Ein kleiner Junge aus Bethlehem wurde mit etwa 13 Jahren verhaftet, da er ohne Erlaubnis auf das Gelände gegangen war, dass früher seinen Eltern gehört hatte und nun Israelisch war. Während seiner Haftzeit bastelte er eine Miniatur des Felsendomes, eines der größten Heiligtümer des Islam. Sein größter Wunsch war es, einmal dort beten zu dürfen. Leider haben er und seine Familie jedoch keine Jerusalemer ID-Card, weswegen er nicht nach Westjerusalem und in die Altstadt kann, wo der Felsendom steht…

|Am Checkpoint angekommen, wurde uns das Ausmaß des Ganzen klar: Insgesamt drei Kontrollen und etwa 500 Meter Sicherheitsschleußen mussten wir passieren. Als Deutsche reichte es, unsere Reisepässe zu zeigen und wir konnten passieren. Palästinensern ohne Jerusalem-Pass wird es leider nicht so einfach gemacht. Sie können nicht dorthin. Und die mit Jerusalem-ID-Card müssen lange warten, um all die Kontrollen über sich ergehen zu lassen. Alles nur, um Freunde besuchen, einkaufen oder beten gehen zu können…

|Ich musste in Palästina oft an die Ghettos im III.Reich denken…Ich kann es nicht erklären und verstehen, auch kann ich nicht Richter sein und jemandem mehr oder weniger Schuld geben. Ich hoffe und wünsche jedoch, dass es Frieden und Freiheit für beide Völker gibt, denn die Welt ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger

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