|o|Jetzt ist es wieder so weit, Ostern steht vor der Tür (oder besser gesagt, steht es schon wieder im Flur und zieht sich die Schuhe an). Jetzt ist Ostersonntag, Nachmittag genauer gesagt. Die Eier wurden schon gesucht, wenn es auch etwas mager dieses Jahr aussah. Aber ist das eigentlich so wild? – Bezugspunkt Ostern

|o|Was ist eigentlich Ostern? Wo kommt es her? Warum feiern wir es?

Ostern ist das Fest der Auferstehung Christi, eines der wichtigsten Feste im Christlichen Feiertagskalender. Aber was hatte Jesus mit Eiern und Hasen zu tun? War Er nicht eher der Prediger und Wanderlehrer? Hmm, schon seltsam, wie man da auf Eier und Hasen gekommen ist. Und von Schokolade ganz zu schweigen…

Ich kann mich noch an eine Stunde im Geschichtsunterricht irgendwann anfang der Mittelschule erinnern. Wir behandelten die germanischen Götter und die germanische Mythologie. Dort verehrte man eine Göttin namens ‚Ostara‘, der Göttin des Frühlings.  Den Namen des Festes hat die Kirche vermutlich davon übernommen.

Aber wie kommt man zu Hasen und Eiern? Hasen waren die Schutztiere dieser Gottheit. Sie stehen für Fruchbarkeit und Fortpflanzung. Hmm, passt ja. Im Frühling verlieben sich ja letztlich alle. Aber warum die Eier? Ein Dank geht an dieser Stelle an meine damalige Religionslehrerin, die mit uns über die Bedeutung von Eiern sprach. Sie galten als Symbol des Lebens und in einigen Kulturkreisen als Bild der Wiedergeburt.

Also ist Ostern ein Fest der Fruchtbarkeit, der Wiedergeburt und der Auferstehung? Man kann es so verstehen.

|o|Wie kann man aber nun als Nicht-Christ Ostern feiern? Mal abgesehen davon, dass Karfreitag (der Tag, an dem Jesus gekreuzigt wurde), Ostersonn- und Ostermontag gesetzliche Feiertage sind, hat sich ja auch eine Schenk- und Versteck-Tradition entwickelt. Die nimmt mich aber als fast erwachsenen 22-Jährigen nicht wirklich mit. Sie macht mir eher Stress, wenn ich mal wieder vergessen habe, kleine Präsente für Family und Co. zu kaufen. Auch ist mir das Christliche Fest als Bahai nicht unbedingt so nahe wie es vielleicht einem Christen ist.

Doch wie kann ich dann Ostern gebührend feiern? Wie kann ich zeigen, dass ich meinen Christlichen Verwandten und Lieben Respekt zeige und dass ich auch Jesus schätze &  achte? Und wie kann ich die Zeit des leider schon zu sehr auf Konsum ausgerichteten Festes sinnvoll gestalten?

|o|Frühling…vielleicht ist das das Stichwort. Der Frühling ist der Anfang des Jahres, alles beginnt zu blühen, alles erwacht zu neuem Leben. Auch andere Religionen und Kulturen feiern Frühlingsfeste. Ende April finden im Erzgebirge und soweit ich weiß auch im restlichen Sachsen Hexenfeuer statt, die das endgültige Ende des Winters anzeigen sollen. Die Bahai feiern im März Naw-Ruz, in Schottland und anderen ehemaligen Keltischen Regionen wird Beltane gefeiert.

Vielleicht kann man Ostern oder generell den Frühling nutzen, um neue Kraft zu tanken? Warum nicht? Es markiert den Beginn des neuen Jahres besser als es eine Silvester-Party mit Knallern, Feuerwerk und Sekt tun kann.

Aber hatte Ostern nicht auch etwas mit Suchen & Finden zu tun? Hmm, was sollte man den suchen? In meiner Familie wird Ostern kaum gefeiert, zumindest nicht mehr so stark wie in meiner Kindheit. Kleinigkeiten wie Schoko-Osterhasen (sind wir wieder bei den Hasen ;] ) werden meist direkt überreicht oder sehr einfach versteckt. Wo also suchen?

Hmm, die Frage habe ich mir auch gestellt. Dann laß ich folgenden Text Abdu’l Bahas:
Man darf in jedem menschlichen Wesen nur das sehen, was des Lobes würdig ist.

Aber das ist leider nicht so einfach zu finden. Ich meine, in unserer Gesellschaft, wo es überall auf Arbeit, in der Uni, der Schule, ja sogar innerhalb von Familien und Ehebetten hauptsächlich um Leistung geht, finden sich die Fehler des anderen doch viel leichter. Versagen ist viel eifnach aufzufinden als Erfolge.

Dann ist es das was ich suchen sollte. Hmm, einfach mal schauen, ob man eine positive Eigenschaft in seinem Gegenüber findet. Das gestaltet sich schwieriger, als gedacht. Der Nachbar, der immer am Sonntag Rasen mäht, die ständig lästernde Kollegin oder der unfreundliche Verkäufer im Supermarkt um die Ecke. Warum soll ich denn da auf das Gute schauen? So ein Schwachsinn…

Am Karfreitag besuchte ich meinen Stiefopa mit meinen Eltern. Leider bin ich die Nacht vorher zu spät schlafen gegangen und war dadurch sehr müde. Doch meinen Opa störte das nicht. Er war froh, dass wir da waren und hatte volles Verständnis dafür. Er freute sich, dass wir da waren.

|o|Und dann fällt mir ein, dass ich ja selbst nicht perfekt bin. Warum sollte ich eigentlich dann erwarten, dass andere es sind? Hmm, das sollte ich mal überdenken.

Um auch etwas zum Christlichen Gedanken des Festes beizutragen, bringe ich vielleicht eine Geschichte aus dem Neuen Testament: Eine Frau wurde des Ehebruchs bezichtigt, man hatte sie auf frischer Tat ertappt, in flagranti sozusagen. Ihrer Mitbürger forderten die Steinigung dieser Frau. Doch Jesus hielt sie davon ab mit den Worten:
Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.
(Joh 8, 7)

Jesus hielt die Menschen also davon ab, diese Frau für ihr wirklich schweres Verbrechen zu steinigen. Hmm, Steinigungen gibt es vielleicht heute nicht mehr, zumindest nicht wörtlich. Aber sind Lästereien, Vorverurteilungen oder gar Ausgrenzungen aufgrund gewisser Schwächen nicht auch eine Art Steinigung? Ich denke, sie können genauso schmerzen und auch zu eime Tod führen, zum sozialen Tod.

Ich meine, jeder von uns hat seine Schwächen. Das heißt ja aber nicht, dass der andere gleich ein Arschloch ist. Vielleicht sollte ich mehr darauf achten, meine Fehler auszubessern, als an anderen herumzunörgeln? Wenn ich beim Autofahren auf den Fahrer neben mir achte, fahre ich sicher gegen den Baum.

|o|Oh, jetzt fehlt der Teil über die Schokolade…eh, ja. Die kommt hier:

Na, findet ihr den Fehler im Bild?

Natürlich ist der Weihnachtsmann der Fehler, aber ist es nicht gerade dieser Tick, der das Bild ‚besonders‘ macht? Denk mal d’rüber nach…

 

Frohe Ostern noch!