|o|Im letzten Beitrag über die „Basics“ des Bahai-Glaubens wurden die ersten fünf seiner elf Prinzipien erklärt. Jetzt kommt der zweite Teil dieser Prinzipien.

|o|Das sechste Prinzip Bahai Prinzipien lehrt die grundsätzliche Gleichwertigkeit aller Menschen. Nach den Bahai Lehren sind alle Menschen mit der gleichen Würde, den gleichen Rechten und der gleichen Freiheit ausgestattet.

O Menschenkinder!

Wisst ihr, warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen?
Damit sich keiner über den anderen erhebe.
Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid.
(Baha’u’llah, Die verborgenen Worte)

Dies heißt, dass jedem Menschen auch gewisse Daseins- und grundlegende Existenzrechte zugesprochen werden. Es hängt sehr stark mit dem siebenten Prinzip der Offenbarung Baha’u’llahs zusammen: der Forderung nach sozialer Gerechtigkeit.
Abdu’l Baha lehrt:

Jedes menschliche Wesen hat das Recht zu leben, alle haben ein Anrecht
auf Ruhe und auf ein gewisses Maß von Wohlstand.
Wenn ein Reicher auf seinem Schloß in Üppigkeit und größter Behaglichkeit zu leben vermag, so sollte auch der Arme so viel erhalten können, daß er leben kann.
Niemand dürfte Hungers sterben, jeder müsste ausreichende Kleidung haben.
Es dürfte keiner im Übermaß leben, während andere keine Daseinsmöglichkeit besitzen.
(Abdu’l Baha, Ansprachen in Paris)

Weiterhin ruft Abdu’l Baha dazu auf, dabei mitzuwirken, gegen Zustände wie die extreme Armut in der Welt zu kämpfen. Die Extreme von übermäßigem Reichtum sowie grausamer Armut sollten beseitigt werden und dabei mitgeholfen werden, dass jeder ein gewisses Maß an Lebensstandard erhält, während derjenige, der Leistung erbringt, trotzdem noch belohnt wird.

|o|Im achten Grundsatz des Bahai Glaubens dreht sich alles um den Weltfrieden und die Erreichung dessen. Nach Bahai Ansicht ist „Weltfrieden […] nicht nur möglich, sondern unausweichlich. Er ist die nächste Stufe in der Evolution dieses Planeten.“ (Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Die Verheißung des Weltfriedens).

Doch wie kann Weltfrieden erreicht werden? Ist diese Frage nicht viel zu komplex, nicht viel zu groß? Wird die Welt nicht weiterhin in Kriege verfallen? Bahai sagen: Die Menschheit steht vor der Aufgabe, die Wahl zu treffen. Weltfrieden wird eintreten, daran glauben die Bahai. Aber [o]b der Friede erst nach unvorstellbaren Schrecken erreichbar ist, heraufbeschworen durch stures Beharren der Menschheit auf veralteten Verhaltensmustern, oder ob er heute durch einen konsultativen Willensakt, das ist die Wahl, vor die alle Erdenbewohner gestellt sind. (Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Die Verheißung des Weltfriedens).

Dies ist auch der Grund, weshalb einzelne Bahai und Bahai Gemeinden oft in Friedensprojekten, im Interreligiösen Dialog sowie in anderen Projekten, Organisationen und Vereinigungen mitarbeiten, die sich für die Erreichung solcher Ziele einsetzen.
Die Bahai International Community BIC ist seit 1948 als Nichtregierungsorganisation bei den Vereinten Nationen anerkannt. Sie hat zudem Beraterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen ECOSOC (seit 1970) und bei UNICEF (seit 1976), dem Kinderhilfswerk der UN. Die BIC arbeitet ebenfalls mit der Weltgesundsheitsorganisation WHO, dem UN-Entwicklungsprogramm UNDP, dem UN-Umweltprogramm UNEP sowie dem Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen UNIFEM zusammen.

 

|o|Ein weiteres Prinzip der Bahai Religion ist die Betonung einer umfangreichen Erziehung und Bildung.

Betrachte den Menschen als ein Bergwerk,
reich an Edelsteinen von
unschätzbarem Wert.
Nur die Erziehung kann bewirken, dass es seine Schätze

enthüllt und die Menschheit daraus Nutzen zu ziehen vermag.
(Baha’u’llah, Ährenlese)

Laut den Bahai Lehren bilden Erziehung und Bildung von Kindern als verdienstreiche Aufgabe.

In den Augen Gottes ist der beste Weg, Ihn zu verherrlichen, die Erziehung der Kinder
und ihre Bildung in allen Vollkommenheiten der Menschheit. Keine edlere Tat ist denkbar.

(‘Abdu’l-Bahá, Briefe und Botschaften)

Dabei ist jedoch nie von einer rein religiösen Erziehung und Bildung die Rede, sondern immer von einer umfassenden.

Die Gemeinschaft sollte sich vielmehr Tag und Nacht bemühen und mit äußerster Anstrengung und Begeisterung danach streben, die Erziehung der Menschen durchzuführen und sie zu veranlassen, Tag für Tag Fortschritte zu machen, Erkenntnis und Wissenschaft zu mehren,
Tugenden zu erlangen, sich gute Sitten anzueignen […]
(Abdu‘l Baha, Beantwortete Fragen)

|o|Das zehnte Ideal der Bahai Religion ist die Gleichberechtigung von Mann & Frau.

Im Angesicht Gottes waren Frauen und Männer von jeher gleich und werden es immer sein.
(Baha’u’llah)

Die Entwicklung der Menschheit wird dabei abhängig von der Gleichberechtigung der Frau gemacht.

Die Menschenwelt hat zwei Flügel:
Den einen bilden die Frauen, den anderen die Männer.
Erst wenn beide Flügel gleichmäßig entwickelt sind, kann der Vogel fliegen.
Bleibt ein Flügel schwächlich, so ist kein Flug möglich.
(Abdu’l Baha, Briefe und Botschaften)

|o|Das elfte Prinzip des Bahai Glaubens ist, dass Religion und Politik getrennt sein sollten. Die Aufgabe der Religion wird dabei in einer spirituellen, geistigen, moralisch-ethischen Wirkung auf das Leben des Menschen wahrgenommen, während die Politik sich um die Belange der Öffentlichkeit und der materiellen Welt kümmern sollte.

Die Religion befaßt sich mit geistigen Fragen, die Politik mit weltlichen Angelegenheiten.
Die Religion hat es mit der Gedankenwelt zu tun,
während das Gebiet der Politik zum Bereich der äußeren Gegebenheiten gehört.
(Abdu’l Baha, Ansprachen in Paris)

|o| Dies sind grundlegende Prinzipien des Bahai Glaubens. Wie ich schon geschrieben habe, gibt es innerhalb des Bahai Glaubens keine Geistigkeit, weshalb Ausführungen, Erläuterungen und Texte wie diese hier immer nur eine persönliche Deutung darstellen. Lediglich die Offenbarungstexte Baha’u’llah sind für alle Bahai gültig sowie die Erläuterungen Abdu’l Bahas, Seines Sohnes und nach Seinem Hinscheiden durch Ihn bevollmächtigten Erklärers der Heiligen Texte, sind gültig und bindend.