|o| Zwei Lieder haben es mir gerade angetan, ein Deutsches und ein Amerikanisches. Das eine heißt „Is Anybody Out there?“ und wird gesungen von K’Naan & Nelly Furtado, das andere ist „Das Lied von den Vergessenen“ von Rosenstolz. Auf den ersten Moment sind es nur Poplieder, doch ich finde, dass sie etwas ganz deutlich machen: Wir sind kollektiv allein.

|o|Wie komme ich darauf? Na ja, in beiden Liedern geht es um Menschen, die sich einsam fühlen. Bei Rosenstolz ist es ein Junge, der von der Familie nicht verstanden und von den Jugendlichen in der Nachbarschaft drangsaliert wird. Er läuft durch die Gegend und fühlt sich von niemandem verstanden. Dabei begegnen ihm andere Menschen, die gerade ein Problem haben und nur mit sich beschäftigt sind.

|o| In dem anderen Musikvideo werden verschiedene Jugendliche gezeigt: die Coole, der ‚Mitläufer‘, die Außenseiterin, der Zocker. Jeder hat eigenen Probleme, die kurz thematisiert werden. Die Coole und der Mitläufer machen sich über andere lustig, um sich besser zu fühlen und von ihren Problemen abzulenken, die Außenseiterin läuft einsam umher.

|o| Aber was hat das mit uns zu tun? Solche Musikvideos sind doch nur gespielt. Hmm, das könnte man tatsächlich denken. Aber ist es nicht eigentlich wirklich so? Sind nicht viele von uns wirklich einsam? Sucht nicht jeder jemanden, der einen in dieser komplizierten Welt versteht, Halt gibt und Liebe zeigt?

Obwohl jeder danach sucht, machen wir es aber wie die Darsteller in den Musikvideos: Wir beschäftigen uns mit den eigenen Problemen und leben dabei das „Wenn jeder an sich denkt, ist doch an alle gedacht“. Aber ist damit wirklich an jeden gedacht? Bleibt dabei niemand zurück?

|o|Ich laufe oft umher und sehe Leute, die stark erscheinen,bei näherem Hinsehen aber einsam sind, sich schwach fühlen und nach einer Hand schreien, die die ihre ergreift. Da sind die, die ständig auf der Suche nach der großen Liebe sind. Da sind die, die Party ohne Ende machen und so viele Freunde wie möglich haben wollen. Da sind die, die hoffen, ein Baby kann ihre Einsamkeit beenden. Andere stürzen sich in die Arbeit und lenken sich ab. Andere lenken von sich ab, indem sie auf die Probleme und Schwächen anderer hinweisen und sich lustig machen.

|o| Muss es so sein? Müssen wir alle mit uns selbst beschäftigt sein? Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir in unserem Streben nach persönlichem Glück und Individualität vergessen, dass der Mensch (biologisch gesehen) ein Herdentier, (psychologisch betrachtet) ein Sozialwesen und (philosophisch & theologisch gesehen) dazu da ist, Glück mit anderen zu teilen und es durch das Wirken mit anderen zu bekommen.