Juni 2012


|Jüngster Tag. Wiederkunft Christi. Tausendjähriges Reich des Friedens. Für Baha’i ist das Ende der Welt schon gekommen, Christus ist wiedergekommen und das Reich des Friedens hat längst begonnen. Häh?

Wie schon in meinem letzten Thread behandele ich in diesem Beitrag die Prophezeiungen einer weiteren Hochreligion über das Kommen einer großen Persönlichkeit: ich beschreibe heute die Bahai-Sicht über das Wiederkommen Jesus Christi. Natürlich wird dies ebenfalls nur ein Text, der oberflächlich dieses Thema bearbeitet.

Jesus sprach zu Seinen Jüngern von einem Geist der Wahrheit, der kommen wird und den Menschen jenes erklären und lehren werde, was sie zur Zeit Christi noch nicht tragen konnten:

Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.
(
Neues Testament, Johannes 16:12-14)

In Seinem „Sendbrief an die Christen (Lawh-i-Aqdas)“ wendet Sich Baha’u’llah direkt an alle Christen und schreibt unter anderem:

Künde den Priestern: Sehet! Er, der Herrscher, ist da. Tritt hinter dem Schleier hervor im Namen deines Herrn, der allen Menschen den Nacken beugt. Künde sodann der ganzen Menschheit die frohen Botschaften dieser machtvollen, dieser ruhmreichen Offenbarung. Wahrlich, Er, der Geist der Wahrheit, ist gekommen, euch in alle Wahrheit zu leiten. Er spricht nicht, wie es Ihm Sein eigenes Ich eingibt, sondern wie es Ihm der Allwissende, der Allweise, gebietet.

Sprich: Dies ist Der, Welcher den Sohn [d.h. Jesus Christus] verherrlicht und Seine Sache erhöht. Werfet von euch, o Völker der Erde, was ihr besitzet, und haltet euch fest an das, was euch geboten ward von dem Allmachtvollen, Der Träger der Wahrheit Gottes ist. Reinigt eure Ohren und richtet eure Herzen auf Ihn, damit ihr den wundersamen Ruf höret, der vom Sinai, der Wohnstatt eures Herrn, des Herrlichsten, erhoben wird. Das wird euch wahrlich der Stätte nahebringen, wo ihr den Glanz vom Lichte Seines Antlitzes über diesem leuchtenden Horizont strahlen seht.
(
Botschaften aus ‘Akká 2:12f.)

Baha’u‘llah beansprucht also Selbst, dieser Geist der Wahrheit zu sein. Jesus Christus sagte, dass dieser Geist der Wahrheit Ihn verherrlichen werde (Joh 16:14). Baha’u’llah schrieb über Jesus in einer Seiner Tafeln:

Wisse, daß die ganze Schöpfung in großer Trauer weinte, als der Menschensohn [Jesus Christus; vgl. Mt 9,6; Mt 20,28 in der Bibel] Seinen Geist zu Gott aufgab. Doch indem Er sich selbst opferte, wurde allem Erschaffenen eine neue Fähigkeit eingehaucht. Die Beweise dafür sind in allen Völkern kund und heute vor dir offenbar. Die tiefste Weisheit, welche die Weisen zum Ausdruck bringen, die gründlichste Gelehrsamkeit, die Menschengeist entfaltet, die Künste, welche die fähigsten Hände gestalten, der Einfluß, den die mächtigsten Herrscher üben, sind nur Offenbarungen der belebenden Macht, die Sein überragender, Sein alldurchdringender und strahlender Geist entfesselt hat.

Wir bezeugen, daß Er, als Er in die Welt trat, den Glanz Seiner Herrlichkeit über alles Erschaffene ergoß. Durch Ihn wurde der Aussätzige vom Aussatz der Verderbtheit und Unwissenheit befreit. Durch Ihn wurden der Unkeusche und der Widersetzliche geheilt. Durch Seine Macht, aus dem allmächtigen Gott geboren, wurden die Augen des Blinden geöffnet und die Seele des Sünders geheiligt.
(Baha’u’llah, Ährenlese 36:1f.)

|Jesus wies Seine Jünger und damit alle Seine Anhänger daraufhin, dass sie wachsam sein sollten, denn Er werde ‚in der Herrlichkeit des Vaters‘ wiederkommen (Matthäus 16:27), aber zugleich wie ein Dieb in der Nacht erscheinen:

Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.
Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
(
Neues Testament, Matthäus 24:42-44; ebenso Lukas 12,39-40)

|Im 19. Jahrhundert war die Erwartungshaltung vieler Christlicher Kirchen, Gemeinschaften und Sekten auf die Wiederkunft Christi besonders hoch. Besonders um das Jahr 1844 erwarteten viele das Wiederkommen Christi (‚Dieb in der Nacht‘, William Sears), doch als das Jahr verging und die erhoffte Wiederkunft Jesu ausblieb, wurde Unmut groß und die Christen hörten zunehmend auf, auf Jesu‘ Wiederkunft zu warten. Dabei lehrte Jesu doch Selbst, dass Er wie ‚Dieb in der Nacht‘ wiederkommen werden. Ein Dieb in der Nacht kommt unerwartet (zeitlich als auch örtlich) und mehr oder weniger heimlich. Nur, wer genau darauf achtet, bemerkt ihn.

Im Jahre 1844 verkündete der Báb Seine Offenbarung und zugleich das Kommen eines noch größeren Offenbarers. Er verkündete im damaligen Persischen Reich das Kommen eines Größeren als Er Selbst und betitelte sich deshalb als ‚das Tor‘ (arabisch ‏الباب‎ al-Bāb) und wies damit hin, dass Er trotz der Größe Seiner Offenbarung nur Vorbereitung Dessen ist, Den Gott offenbaren wird. Dieser Große sollte Baha’u’llah sein.

Der Báb wurde für Seine Lehren, die Er mit 25 Jahren verkündete, im Alter von 31 Jahren hingerichtet. Er ist teilweise vergleichbar mit Johannes dem Täufer, da Er eine Funktion als Vorbote für Baha’u’llah innehatte. Gleichzeitig war Er, im Gegensatz zu Johannes dem Täufer, Träger einer eigenständigen Offenbarung. Der Báb und Baha’u’llah werden deswegen als die Zwillingsoffenbarer bezeichnet. Dies bestärkt die Bedeutung der beiden Offenbarungen und das religionshistorisch einmalige sehr zeitnahe Auftreten zweier sich gegenseitig anerkennender Offenbarer und Ihrer sich ergänzender Offenbarungen.

|Jesu Wiederkunft soll laut Bibel einhergehen mit dem Jüngsten Tag sowie der Errichtung des Tausendjährigen Reiches des Friedens unter Jesu Herrschaft. Für Baha’i ist klar, dass der Jüngste Tag schon gekommen ist und das Reich des Friedens schon da ist. Dies erscheint für viele jedoch unlogisch, da die Welt doch immer noch existiert und Kriege immer noch von statten gehen.

Doch für Baha’i bedeutet der Jüngste Tag nicht das wörtliche Ende der Welt, sondern das Ende eines Zeitalters und der Beginn eines neuen Zeitalters. Die Menschheit tritt in das Alter der Reife ein, was für Baha’i durch die vielen Entwicklungen und Veränderungen im technischen, wissenschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und in anderen Bereichen in den letzten zwei Jahrhunderten versinnbildlich wird. Die Alte Welt ist sozusagen untergegangen bzw. ist noch dabei, unterzugehen, während die Neue Welt mit neuen Denkweisen, neuen Erkenntnissen und neuen Lösungswegen dabei ist, zu entstehen. Gleichzeitig sieht man überall noch die Reste der Alten Weltordnung, die sich bspw. in Dingen wie Vorurteilen, Fanatismus, Kriegen, sozialer Ungerechtigkeit äußert.

Baha’i glauben auch nicht daran, dass das Tausendjährige Reich des Friedens mit einem Fingerschnipp sozusagen erscheint und uns Menschen auf einem goldenen Tablett serviert wird. Viel eher sendet uns das Göttliche die Werkzeuge, um selbst dieses Reich des Friedens aufzubauen. Nur, wenn wir als Menschen diese Werkzeuge nutzen, können wir dieses Reich errichten. Würde das Friedensreich errichtet, ohne dass wir als Menschen dafür tun müssten, würde dies unser Recht auf freien Willen untermauern. Friede kann nicht errichtet werden, wenn nicht alle ihn wollen. Da Gott den Menschen mit einem freien Willen ausgestattet hat und diesen anerkennt, würde Er nichts tun, was uns diesennehmen könnte. Deshalb ist es jedem Menschen selbst überlassen, die Werkzeuge und Ratschläge zur Errichtung des Weltfriedens zu ergreifen und zu nutzen.

|Das Universale Haus der Gerechtigkeit, das höchste gewählte Gremium der Bahai-Gemeinschaft, schrieb so in „Die Verheißung des Weltfriedens“:

Weltfrieden ist nicht nur möglich, sondern unausweichlich. Er ist die nächste Stufe in der Evolution dieses Planeten. […]
Ob der Frieden erst nach unvorstellbaren Schrecken erreichbar ist, heraufbeschworen durch stures Beharren der Menschheit auf veralteten Verhaltensmustern, oder ob er heute durch einen konsultativen Willensakt herbeigeführt wird, das ist die Wahl, vor die alle Erdenbewohner gestellt sind.
(Die Verheißung des Weltfriedens)

Dies ist der Grund, weshalb sich die Bahai in vielen Gremien, Projekten und Organisationen für Frieden, gegen Vorurteile sowie für soziale und ökologische Belange einsetzen und hoffen, dadurch die zweite Möglichkeit zur Errichtung dieses Friedens zu erreichen.

Bereits im 19. Jahrhundert forderte Baha’u’llah:

Die Zeit muß kommen, da die gebieterische Notwendigkeit für die Abhaltung einer ausgedehnten, allumfassenden Versammlung der Menschen weltweit erkannt wird. Die Herrscher und Könige der Erde müssen ihr unbedingt beiwohnen, an ihren Beratungen teilnehmen und solche Mittel und Wege erörtern, die den Grund zum Größten Weltfrieden unter den Menschen legen.
(Baha’u’llah, Botschaften aus Akká 11:8)

|Für Baha’i, unter denen auch eine große Zahl ehemaliger Christen ist, ist das Kommen Baha’u’llahs gleichzusetzen mit der Wiederkunft Christi (auch wenn nicht von einer leiblichen Wiederkunft, sondern einer geistigen Wiederkunft gesprochen werden sollte) und die Bahai-Offenbarung wird gesehen als die Erfüllung des Christentums.

Demzufolge wenden sich Christen, die Baha’i werden, nicht von Jesus Christus ab, sondern sie wenden sich Ihm viel eher neu zu. Auch Baha’i, die aus einem Jüdischen, einem Buddhistischen oder einem Atheistischen Hintergrund kommen, anerkennen Jesus Christus als Gottesoffenbarer und Seine Lehren als heilig, indem sie Baha’u’llah als Offenbarer für dieses Zeitalter anerkennen.

George Townshend, Domherr der St.-Patricks-Kathedrale in Dublin, schrieb folgende Worte in das Vorwort in seinem Werk ‚Christus und Baha’u’llah‚:

Das Kommen des Königreiches Gottes auf Erden ist in allen geoffenbarten Weltreligionen gleichbedeutend mit dem Erscheinen des höchsten Welterlösers, des Herrn der Heerscharen, die wiedergekehrten Christus, des Qá’im, des Neuen Buddha. „Eine Herde und ein Hirte“ sollen an die Stelle der vielen sich widerstreitenden und voneinander getrennten Menschengruppen treten. Diese außerordentliche Verheißung, die ursprünglich vor vielen tausend Jahren ausgesprochen wurde, hat keiner der großen Propheten aufgegriffen, bis im neunzehnten Jahrhundert Bahá’u’lláh, der Begründer des Bahá’í-Glaubens, den Machthabern und religiösen Führern der Welt verkündete, dass Er dieser Erlöser und Träger der göttlichen Botschaft an den modernen Menschen sei.

George Townshend war der erste geweihte Christliche Priester, der sein Gelübde brach, um Baha’i zu werden.

| Natürlich muss jeder Mensch selbst prüfen, ob Baha’u’llah die Wiederkunft Christi in der Herrlichkeit des Vaters ist. In der Bibel wird vor falschen Propheten gewarnt, die wie Wölfe im Schafspelz sind. Jesus lehrt:

Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie (harmlose) Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen? Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten.  Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.
(
Neues Testament, Matthäus 7,15-20)

So soll jeder Mensch selbst, frei von positiven wie negativen Vorurteilen sowie unabhängig von Freunden, Bekannten, Priestern, Autoren und anderen  prüfen, ob der Anspruch Baha’u’llahs rechtens ist oder nicht.

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|Jede der Hochreligionen lehrt das Erscheinen einer Großen Persönlichkeit. Heute befasse ich mich mit den Prophezeiungen im Buddhismus über das Kommen des großen Weltlehrers, des Maitreya (auch Metteyyo) , dessen Kommen Buddha Selbst prophezeit hat.Dabei werde ich Zitate aus Seinen Lehrreden nutzen und diese auch im Bezug zu Baha’u’llah und Seinen Lehren setzen.

|Im Digha Nikāya, einem Teil des Buddhistischen Pali-Kanons (der ältesten gesammelten Überlieferung der Lehrreden des Buddha), heißt es, dass Buddha versprach:

[es] wird ein Erhabener in der Welt erscheinen, Metteyyo geheißen, als der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, […] der Erhabene, gleichwie jetzt ich in der Welt erschienen bin als der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, […] der Erwachte, der Erhabene. […] Er wird die Lehre verkünden, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er wird das vollkommen geläuterte, geklärte Asketentum darlegen, gleichwie jetzt ich die Lehre verkünde, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, das vollkommen geläuterte, geklärte Asketentum darlege. Er wird eine Jüngerschar von einigen tausenden als Lenker führen, gleichwie jetzt ich eine Jüngerschar von einigen hunderten als Lenker führe.
(Digha Nikāya 3:85-86)

|An einer anderen Stelle in den Buddhistischen Schriften wird Buddha noch genauer, was die Beschreibung des Maitreya betrifft (leider konnte ich keine deutsche Übersetzung online finden) :

[Sariputta asked the Buddha:] ‚The Hero that shall follow you, The Buddha-of what sort will he be? I want to hear of him in full. Let the Visioned One describe him.‘

When he had heard the Elder’s speech The Lord spoke thus:
‚I will tell you, Sariputta, listen to my speech.In this auspicious aeon three leaders have there been:
Kakusandha, Konagamana and the leader Kassapa too.  ‚I am now the perfect Buddha, and there will be Metteyya [i.e., Maitreya] too before this same auspicious aeon runs to the end of its years. ‚The perfect Buddha, Metteyya by name, supreme of men.‘
(aus dem Anagatavamsa Desana)

|Buddha beschreibt auch die Umstände und Zustände in der Welt, in denen der Maitreya erscheinen soll:

[Sariputta fragt:] Wie wird es geschehen?
[Buddha antwortet:] Nach meinem Verscheiden werden zuerst fünf Dinge verschwinden.
[Sariputta:] Welche fünf?
[Buddha:] Das Verschwinden der Fertigkeit [Nibbana zu erreichen],
das Verschwinden des richtigen Verhaltens [Unfähigkeit, Weisheit und Einsicht zu üben und die vier sittlichen Reinheiten einzuhalten],
das Verschwinden der Gelehrsamkeit [das Fehlen von Menschen, die dem
Dhamma , d.h. den Buddhistischen Lehren, folgen und das Vergessen der Heiligen Schriften],
das Verschwinden der Symbole [Verlust der äußeren Formen, Roben und Übungen des Buddhistischen Mönchtums],
das Verschwinden der Reliquien […].
(aus dem Anagatavamsa Desana, übersetzt in: Im Zeichen Buddhas, Buddhistische Texte, Nr. 22, S.46ff., Hrsg. E. Conze, Üb. Marianna Winder)

Die hier genannten fünf Dinge und deren Verschwinden bezieht sich auf das langsame Verschwinden des Dhamma aus der Welt. Schaut man sich das 19. Jahrhundert an, dann könnte man sagen, dass es auf dieses Jahrhundert passt: Als bspw. Colonel Olcott in der zweiten Hälfte des 19. Jahrunderts nach Sir Lanka kam, fand er keine Buddhistische Mönche oder Nonnen vor, die die Pali-Texte lesen konnten. Auch heute noch können sich viele der Mönche und Nonnen nicht an die Buddhistischen Lehren halten, viele sind gezwungen, Geld mit sich herumzutragen (was gegen die Lehren Buddhas über das mönchische Leben verstößt), es gibt viele die heiraten und das Mönchsleben hinter sich lassen. (“ Buddhismus und Bahá’í-Religion“ von Moojan Momen, S. 101)

|Natürlich gab es in den letzten Jahrzehnten seit dem 19. Jahrhundert eine Art Neubelebung des Buddhismus. Dies ist für Baha’i jedoch nicht verwunderlich, da für sie Baha’u’llah der neue Buddha ist, durchflutete mit Seinem Erscheinen eine Welle der Belebung die Welt. Diese belebte auch die Buddhistischen Lehren wieder neu, auch wenn diese nicht für die heutige Zeit gedacht sind.

|Auch beschreibt Buddha den entarteten Zustand der Welt in Seinen Lehrreden folgendermaßen:

    So ist denn, ihr Mönche, weil man den Unbemittelten keine Mittel dargereicht hatte, die Not immer größer geworden,
weil die Not immer größer geworden war, hat das Nehmen des nicht Gegebenen mehr und mehr sich verbreitet,
weil das Nehmen des nicht Gegebenen mehr und mehr sich verbreitet hatte, hat die Waffengewalt überhand genommen,
weil die Waffengewalt überhand genommen hatte, ist der Totschlag weiter fortgeschritten,
weil der Totschlag weiter fortgeschritten war, hat die Lüge um sich gegriffen,
weil die Lüge um sich gegriffen hatte, hat das hinterrücks Ausrichten um sich gegriffen,
weil das hinterrücks Ausrichten um sich gegriffen hatte, hat die Ausschweifung um sich gegriffen,
weil die Ausschweifung um sich gegriffen hatte, haben zwei Dinge sich weiterentwickelt: Schimpfrede und plapperndes Plaudern,
weil die zwei Dinge sich weiterentwickelt hatten, haben sich Begehrlichkeit und Gehässigkeit weiterentwickelt,
weil Begehrlichkeit und Gehässigkeit sich weiterentwickelt hatten, ist verkehrte Ansicht weiter gediehen,
weil verkehrte Ansicht weiter gediehen war, haben sich drei Dinge weiter entfaltet: Lust an Unrecht, Sucht nach Ungebühr, verkehrte Satzung,
weil die drei Dinge sich weiter entfaltet hatten, haben sich diese Dinge weiter ausgebildet: nicht Vater und Mutter ehren, nicht Asketen und Priester ehren, vor keinem ehrwürdigen Haupte Achtung haben[…]
[So] wird unter den Leuten dort einer dem anderen mit heftigem Anstoß begegnen, mit heftigem Hasse, mit heftiger Bosheit, mit heftiger Mordlust. So die Mutter dem Kinde wie das Kind der Mutter, so der Vater dem Sohne wie der Sohn dem Vater, so der Bruder der Schwester wie die Schwester dem Bruder wird einer dem anderen mit heftigem Anstoß begegnen, mit heftigem Hasse, mit heftiger Bosheit, mit heftiger Mordlust.
(Digha Nikāya 3:78ff., Sutta 26)

|Baha’u’llahs Sohn, Abdu’l Baha, erläutert in einer Seiner Botschaften die Welt im gleichen Maße des beginnenden 20. Jahrhunderts, deren Zustand sich bis heute nicht geändert hat:

Alle Völker der Welt geben sich heute dem Eigennutz hin und bieten alles auf, ihre materiellen Interessen voranzutreiben. Sie beten sich selbst an, statt die göttliche Wirklichkeit und die Welt der Menschheit anzubeten. Mit Bedacht suchen sie ihren eigenen Vorteil und nicht das Gemeinwohl; denn sie sind Gefangene der stofflichen Welt, ohne Bewußtsein für die göttlichen Lehren, die Gaben des Königreiches und die Sonne der Wahrheit.
(Abdu’l Baha, Briefe und Botschaften 68:3)

Auch Baha’u’llah Selbst schreibt:

Fürwahr, die Taten des Menschen bringen teuflische Kraft die Fülle hervor. Wollten die Menschen sich mit den göttlichen Lehren zufriedengeben und sich daran halten, so wäre jede Spur des Bösen vom Antlitz der Erde getilgt. Aber die weitverbreitete Uneinigkeit unter der Menschheit, das Überhandnehmen von Aufruhr, Zank, Streit und dergleichen sind die vorherrschenden Bestimmungsgründe für das Auftreten des satanischen Geistes. Der Heilige Geist hat sich von solchen Dingen immer ferngehalten. Eine Welt, in der nur Kampf, Hader und Verderbnis auszumachen sind, ist auf dem besten Weg, Sitz und Thron, ja die Metropole Satans zu werden.
(Baha’u’llah, Botschaften aus ‚Akká 11:46)

|Der Maitreya ist der einzige kommende Erwachte (d.h. Buddha), dessen Kommen im Theravada-Buddhismus, der ältesten Schule des Buddhismus, gelehrt wird. Er soll ein neues Dhamma bringen und der Welt Ruhe und Frieden, wenn sie denn Seine Lehren annimmt. Die Baha’i erkennen Baha’u’llah als den von Buddha prophezeiten Maitreya an.

|Natürlich muss jeder Mensch selbst prüfen, ob sich Buddhas Versprechen mit Baha’u’llahs Kommen erfüllt hat. Buddha lehrte einen Weg der selbstständigen Erkenntnis und zwang nie jemanden, Seine Heiligen Lehren anzunehmen. Durch selbstständiges Suchen und Erkennen sollte jeder Mensch, bevor er einer Seiner Anhänger werden konnte, selbst prüfen. Buddha nennt dieses Prinzip Samma Ditthi, die ‚Rechte Erkenntnis‘, welches der erste Teil des Edlen Achtfachen Pfades ist.

Auch Baha’u’llah lehrt, dass jeder Mensch selbstständig nach Wahrheit suchen soll:

O Sohn des Geistes!
Von allem das Meistgeliebte ist Mir die Gerechtigkeit.
Wende dich nicht ab von ihr, wenn du nach Mir verlangst, und vergiß sie nicht, damit Ich dir vertrauen kann.
Mit ihrer Hilfe sollst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer, und durch eigene Erkenntnis Wissen erlangen, nicht durch die deines Nächsten.
Bedenke im Herzen, wie du sein solltest.
(Baha’u’llah, Die Verborgenen Worte)