|Jede der Hochreligionen lehrt das Erscheinen einer Großen Persönlichkeit. Heute befasse ich mich mit den Prophezeiungen im Buddhismus über das Kommen des großen Weltlehrers, des Maitreya (auch Metteyyo) , dessen Kommen Buddha Selbst prophezeit hat.Dabei werde ich Zitate aus Seinen Lehrreden nutzen und diese auch im Bezug zu Baha’u’llah und Seinen Lehren setzen.

|Im Digha Nikāya, einem Teil des Buddhistischen Pali-Kanons (der ältesten gesammelten Überlieferung der Lehrreden des Buddha), heißt es, dass Buddha versprach:

[es] wird ein Erhabener in der Welt erscheinen, Metteyyo geheißen, als der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, […] der Erhabene, gleichwie jetzt ich in der Welt erschienen bin als der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, […] der Erwachte, der Erhabene. […] Er wird die Lehre verkünden, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er wird das vollkommen geläuterte, geklärte Asketentum darlegen, gleichwie jetzt ich die Lehre verkünde, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, das vollkommen geläuterte, geklärte Asketentum darlege. Er wird eine Jüngerschar von einigen tausenden als Lenker führen, gleichwie jetzt ich eine Jüngerschar von einigen hunderten als Lenker führe.
(Digha Nikāya 3:85-86)

|An einer anderen Stelle in den Buddhistischen Schriften wird Buddha noch genauer, was die Beschreibung des Maitreya betrifft (leider konnte ich keine deutsche Übersetzung online finden) :

[Sariputta asked the Buddha:] ‚The Hero that shall follow you, The Buddha-of what sort will he be? I want to hear of him in full. Let the Visioned One describe him.‘

When he had heard the Elder’s speech The Lord spoke thus:
‚I will tell you, Sariputta, listen to my speech.In this auspicious aeon three leaders have there been:
Kakusandha, Konagamana and the leader Kassapa too.  ‚I am now the perfect Buddha, and there will be Metteyya [i.e., Maitreya] too before this same auspicious aeon runs to the end of its years. ‚The perfect Buddha, Metteyya by name, supreme of men.‘
(aus dem Anagatavamsa Desana)

|Buddha beschreibt auch die Umstände und Zustände in der Welt, in denen der Maitreya erscheinen soll:

[Sariputta fragt:] Wie wird es geschehen?
[Buddha antwortet:] Nach meinem Verscheiden werden zuerst fünf Dinge verschwinden.
[Sariputta:] Welche fünf?
[Buddha:] Das Verschwinden der Fertigkeit [Nibbana zu erreichen],
das Verschwinden des richtigen Verhaltens [Unfähigkeit, Weisheit und Einsicht zu üben und die vier sittlichen Reinheiten einzuhalten],
das Verschwinden der Gelehrsamkeit [das Fehlen von Menschen, die dem
Dhamma , d.h. den Buddhistischen Lehren, folgen und das Vergessen der Heiligen Schriften],
das Verschwinden der Symbole [Verlust der äußeren Formen, Roben und Übungen des Buddhistischen Mönchtums],
das Verschwinden der Reliquien […].
(aus dem Anagatavamsa Desana, übersetzt in: Im Zeichen Buddhas, Buddhistische Texte, Nr. 22, S.46ff., Hrsg. E. Conze, Üb. Marianna Winder)

Die hier genannten fünf Dinge und deren Verschwinden bezieht sich auf das langsame Verschwinden des Dhamma aus der Welt. Schaut man sich das 19. Jahrhundert an, dann könnte man sagen, dass es auf dieses Jahrhundert passt: Als bspw. Colonel Olcott in der zweiten Hälfte des 19. Jahrunderts nach Sir Lanka kam, fand er keine Buddhistische Mönche oder Nonnen vor, die die Pali-Texte lesen konnten. Auch heute noch können sich viele der Mönche und Nonnen nicht an die Buddhistischen Lehren halten, viele sind gezwungen, Geld mit sich herumzutragen (was gegen die Lehren Buddhas über das mönchische Leben verstößt), es gibt viele die heiraten und das Mönchsleben hinter sich lassen. (“ Buddhismus und Bahá’í-Religion“ von Moojan Momen, S. 101)

|Natürlich gab es in den letzten Jahrzehnten seit dem 19. Jahrhundert eine Art Neubelebung des Buddhismus. Dies ist für Baha’i jedoch nicht verwunderlich, da für sie Baha’u’llah der neue Buddha ist, durchflutete mit Seinem Erscheinen eine Welle der Belebung die Welt. Diese belebte auch die Buddhistischen Lehren wieder neu, auch wenn diese nicht für die heutige Zeit gedacht sind.

|Auch beschreibt Buddha den entarteten Zustand der Welt in Seinen Lehrreden folgendermaßen:

    So ist denn, ihr Mönche, weil man den Unbemittelten keine Mittel dargereicht hatte, die Not immer größer geworden,
weil die Not immer größer geworden war, hat das Nehmen des nicht Gegebenen mehr und mehr sich verbreitet,
weil das Nehmen des nicht Gegebenen mehr und mehr sich verbreitet hatte, hat die Waffengewalt überhand genommen,
weil die Waffengewalt überhand genommen hatte, ist der Totschlag weiter fortgeschritten,
weil der Totschlag weiter fortgeschritten war, hat die Lüge um sich gegriffen,
weil die Lüge um sich gegriffen hatte, hat das hinterrücks Ausrichten um sich gegriffen,
weil das hinterrücks Ausrichten um sich gegriffen hatte, hat die Ausschweifung um sich gegriffen,
weil die Ausschweifung um sich gegriffen hatte, haben zwei Dinge sich weiterentwickelt: Schimpfrede und plapperndes Plaudern,
weil die zwei Dinge sich weiterentwickelt hatten, haben sich Begehrlichkeit und Gehässigkeit weiterentwickelt,
weil Begehrlichkeit und Gehässigkeit sich weiterentwickelt hatten, ist verkehrte Ansicht weiter gediehen,
weil verkehrte Ansicht weiter gediehen war, haben sich drei Dinge weiter entfaltet: Lust an Unrecht, Sucht nach Ungebühr, verkehrte Satzung,
weil die drei Dinge sich weiter entfaltet hatten, haben sich diese Dinge weiter ausgebildet: nicht Vater und Mutter ehren, nicht Asketen und Priester ehren, vor keinem ehrwürdigen Haupte Achtung haben[…]
[So] wird unter den Leuten dort einer dem anderen mit heftigem Anstoß begegnen, mit heftigem Hasse, mit heftiger Bosheit, mit heftiger Mordlust. So die Mutter dem Kinde wie das Kind der Mutter, so der Vater dem Sohne wie der Sohn dem Vater, so der Bruder der Schwester wie die Schwester dem Bruder wird einer dem anderen mit heftigem Anstoß begegnen, mit heftigem Hasse, mit heftiger Bosheit, mit heftiger Mordlust.
(Digha Nikāya 3:78ff., Sutta 26)

|Baha’u’llahs Sohn, Abdu’l Baha, erläutert in einer Seiner Botschaften die Welt im gleichen Maße des beginnenden 20. Jahrhunderts, deren Zustand sich bis heute nicht geändert hat:

Alle Völker der Welt geben sich heute dem Eigennutz hin und bieten alles auf, ihre materiellen Interessen voranzutreiben. Sie beten sich selbst an, statt die göttliche Wirklichkeit und die Welt der Menschheit anzubeten. Mit Bedacht suchen sie ihren eigenen Vorteil und nicht das Gemeinwohl; denn sie sind Gefangene der stofflichen Welt, ohne Bewußtsein für die göttlichen Lehren, die Gaben des Königreiches und die Sonne der Wahrheit.
(Abdu’l Baha, Briefe und Botschaften 68:3)

Auch Baha’u’llah Selbst schreibt:

Fürwahr, die Taten des Menschen bringen teuflische Kraft die Fülle hervor. Wollten die Menschen sich mit den göttlichen Lehren zufriedengeben und sich daran halten, so wäre jede Spur des Bösen vom Antlitz der Erde getilgt. Aber die weitverbreitete Uneinigkeit unter der Menschheit, das Überhandnehmen von Aufruhr, Zank, Streit und dergleichen sind die vorherrschenden Bestimmungsgründe für das Auftreten des satanischen Geistes. Der Heilige Geist hat sich von solchen Dingen immer ferngehalten. Eine Welt, in der nur Kampf, Hader und Verderbnis auszumachen sind, ist auf dem besten Weg, Sitz und Thron, ja die Metropole Satans zu werden.
(Baha’u’llah, Botschaften aus ‚Akká 11:46)

|Der Maitreya ist der einzige kommende Erwachte (d.h. Buddha), dessen Kommen im Theravada-Buddhismus, der ältesten Schule des Buddhismus, gelehrt wird. Er soll ein neues Dhamma bringen und der Welt Ruhe und Frieden, wenn sie denn Seine Lehren annimmt. Die Baha’i erkennen Baha’u’llah als den von Buddha prophezeiten Maitreya an.

|Natürlich muss jeder Mensch selbst prüfen, ob sich Buddhas Versprechen mit Baha’u’llahs Kommen erfüllt hat. Buddha lehrte einen Weg der selbstständigen Erkenntnis und zwang nie jemanden, Seine Heiligen Lehren anzunehmen. Durch selbstständiges Suchen und Erkennen sollte jeder Mensch, bevor er einer Seiner Anhänger werden konnte, selbst prüfen. Buddha nennt dieses Prinzip Samma Ditthi, die ‚Rechte Erkenntnis‘, welches der erste Teil des Edlen Achtfachen Pfades ist.

Auch Baha’u’llah lehrt, dass jeder Mensch selbstständig nach Wahrheit suchen soll:

O Sohn des Geistes!
Von allem das Meistgeliebte ist Mir die Gerechtigkeit.
Wende dich nicht ab von ihr, wenn du nach Mir verlangst, und vergiß sie nicht, damit Ich dir vertrauen kann.
Mit ihrer Hilfe sollst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer, und durch eigene Erkenntnis Wissen erlangen, nicht durch die deines Nächsten.
Bedenke im Herzen, wie du sein solltest.
(Baha’u’llah, Die Verborgenen Worte)