November 2012


|Wie beginnt man einen geeigneten Nachruf für einen Menschen, der vielen als Vorbild gilt, und einem selbst viel bedeutet? Da ich keine Antwort gefunden habe, beginne ich einfach so:

Am 28. Nov 2012 gedachten die Bahai und ihre Freunde weltweit dem Hinscheiden ‘Abdu’l-Bahas. ‘Abdu’l-Bahá war der Sohn Bahá’u’lláhs, des Religionsstifters der Bahá’í. Er galt und und gilt für die Bahá’í als Vorbild, da Er die Lehren Seines Vaters über Menschenliebe, Frieden und Tugendhaftigkeit auf einfache, nachvollziehbare und menschliche Art und Weise vorlebte. Der eigentlich hohe Standard, den Bahá’u’lláh den Bahá’í in Seinen Geboten anbot, wurde und wird duch Geschichten über ‘Abdu’l-Bahá greifbar.

|Doch was war so besonders an ‘Abdu’l-Bahá? Nun, es ist schwierig, das in einem einzigen Blogbeitrag zu erklären. Selbst Menschen, die sich seit Jahren mit Ihm und Seinem Leben beschäftigt haben, werden Ihm nicht gerecht. Ebenso ist es schwierig, Ihm gebührend Ehre und Respekt zu erweisen, ohne den Eindruck zu erwecken, Bahá’í würden Ihn als Offenbarer oder Prophet Gottes oder sogar als gottgleich verehren. Denn trotz ‘Abdu’l-Bahás hoher und reiner Stufe ist Er trotz allem nur ein Mensch. Nur deshalb wird es uns überhaupt erst möglich, Ihn als Vorbild zu sehen.

Nun gut, ich möchte nun kurz etwas über Sein Leben erzählen:

|‘Abdu’l-Bahá wurde 1844 in Iran geboren. Sein bürgerlicher Name lautet Abbas Effendi. Er ging nie zur Schule und erlebte seit Seinem 8. Lebensjahr die Gefangenschaft Seines Vaters mit; so wurde Er gemeinsam mit Seiner Familie und den Anhängern Bahá’u’lláhs durch den gesamten Orient verbannt. Er verbracht die meiste Zeit Seines Lebens in Gefangenschaft. Erst im Alter von 64 Jahren erlangte Er in Akko (im heutigen Israel) im Zuge der jungtürkischen Revolution 1908 die Freiheit. Er selbst gab sich den Namen ‘Abdu’l-Bahá, was so viel bedeutet wie „Diener der Herrlichkeit“ oder „Diener Gottes“. Sein ganzes Leben stellte Er in den Dienst Gottes, indem Er danach strebte, allen Menschen einen Dienst zu  erweisen, die Seinen Weg kreuzten.

‘Abdu’l-Bahá || 1868

‘Abdu’l-Bahá || 1868

Daraufhin begann Er 1910 mit Seinen Reisen durch Ägypten, Europa (inklusive Deutschland) und Nordamerika. 1913 kehrte Er schließlich nach Akko und Haifa zurück. Er verfasste viele Erläuterungen, Briefe und Abhandlungen über die Lehren Seines Vaters. Diese erleichtern den Bahá’í heute noch das Verständnis der oft inhaltsschweren Lehren Bahá’u’lláhs.

|Doch vor allem aufgrund Seines Lebens, Seiner Handlungen und Haltungen und der Erfahrungen, die frühe Gläubige und auch Nichtbahá’í, darunter viele Juden, Christen und Muslime, mit Ihm hatten, gilt Er den Bahá’í als Beispiel für die Umsetzung der Bahá’í-Lehren. Viele davon wurden als Geschichten überliefert. Eine dieser Begebenheiten würde ich gern kurz erzählen. ‘Abdu’l-Bahá lehrte bspw.:

Hütet euch, hütet euch, daß ihr nicht ein Herz beleidigt! Hütet euch, hütet euch, daß ihr nicht eine Seele verletzt! Hütet euch, hütet euch, daß ihr gegen niemanden unfreundlich handelt! Hütet euch, hütet euch, daß ihr nicht für ein Geschöpf zur Ursache der Hoffnungslosigkeit werdet!

Eine kurze Begebenheit über die Umsetzung dieses Gebotes schildert Lady Blomfield, die die „Save the Children“-Kinderrechtsorganisation unterstützte und auf deren Wirken hin der Völkerbund 1924 die Genfer Erklärung der Kinderrechte annahm, schildert:

Als ‘Abdu’l-Bahá in London weilte, wollte eines Tages eine Frau Ihn besuchen. Die Person, die sie in der Empfangshalle um Erlaubnis bat, Ihn sehen zu dürfen, fragte: „Haben Sie denn eine Verabredung?“ Die Frau war aber nicht angemeldet. „Dann tut es mir leid“, erhielt sie zur Antwort, „aber Er ist sehr beschäftigt mit wichtigen Persönlichkeiten; man kann Ihn jetzt nicht stören.“

Die Frau wandte sich ab, denn sie war zu bescheiden, um wegen eines späteren Treffens zu fragen. Doch sie war sehr enttäuscht. Sie ging die Treppe hinunter und wollte gerade das Haus verlassen, als ein Bote ‘Abdu’l-Bahás herbeieilte: „‘Abdu’l-Bahá will Sie sprechen!“, sagte er, „Sie müssen mit mir zurückkommen. Er hat mich beauftragt, Sie zu Ihm zu bringen.“

Jeder hatte die Stimme ‘Abdu’l-Bahás vorher im Haus vernommen, die rief: „Ein Herz ist verletzt worden. Schnell, schnell, bringt die Frau zu mir!“

|Während Seiner Reisen wurde oft über Ihn berichtet. Ein Ausschnitt aus der New York Times vom 21. Apr 1912:

Ausschnitt

Ausschnitt „The New York Times“ || 1912

|Während Seiner Reisen hielt Er Vorträge in Synagogen, Kirchen, Universitäten, Privathäusern und bei anderen Gelegenheiten. Viele der Zeitungen von damals nannten Ihn „Prophet des Friedens“. Doch auch vor Seinen Reisen hatte Er im damaligen Palästina ebenfalls für die dortigen Bewohner gedient. Im I. Weltkrieg organisierte Er Lebensmittel, die die dort lebenden Bahá’í vorher auf ‘Abdu’l-Bahás Bitte hin angebaut und gesammelt hatten, für die Bevölkerung um Akko und Haifa. Aufgrund dessen überlebten viele Tausende Menschen, die ansonsten aufgrund des Krieges den Hungertod gestorben wären. Für diesen Dienst wurde Er 1920 von der Britischen Krone zum Ritter geschlagen.

‘Abdu’l-Bahá wird zum Ritter geschlagen || 1920

‘Abdu’l-Bahá wird zum Ritter geschlagen || 1920

| Am 28. November 1921 verschied ‘Abdu’l-Bahá schließlich. Sein Begräbnis wurde die bis dato größte Trauerbekundung von Anhängern verschiedenster Religionen: Juden, Christen, Muslime und Bahá’í trauerten gemeinsam um Ihren Freund und Meister, der Sein Leben in den Dienst für die Menschheit gestellt hatte.

Beisetzung ‘Abdu’l-Bahás am Berg Karmel in Haifa || 1921

Beisetzung ‘Abdu’l-Bahás am Berg Karmel in Haifa || 1921

| Ich habe erst vor einiger Zeit bamit begonnen, mich mit dem Leben ‘Abdu’l-Bahás zu beschäftigen. Vorher las ich nur Seine Schriften, die schon eine große Bereicherung und Inspiration für mich darstellten. Doch Geschichten zu lesen, in denen Er die oft schweren Gebote Bahá’u’lláhs auf einfache und menschliche Art umsetzt, dabei trotzdem so viel Geduld, Humor und Demut zeigt, begeistern mich. Ich hoffe, dass ich durch Sein Beispiel lernen kann und begreifen kann, wie auch ich einen Teil zum Dienst an der Menschheit beitragen kann.

|Der Tod. Ein großes Thema. Jeder kam schon mal irgendwie damit in Berührung. Aber hat jeder sich auch schon eingehend mit dem Sterben beschäftigt? Sokrates schrieb in der Antike:

Niemand kennt den Tod, es weiß auch keiner, ob er nicht das größte Geschenk für den Menschen ist. Dennoch wird er gefürchtet, als wäre es gewiß, daß er das schlimmste aller Übel sei.

|Gestern begann auf ARD die diesjährige Themenwoche. Das Motto dieses mal lautet „Leben mit dem Tod„. Vielleicht bietet sich hier eine Gelegenheit für den einen oder die andere, um sich auf unterschiedliche Art & Weise mit dem Tod, dem Sterben und allen Fragen um dieses Thema zu beschäftigen. Auch ʿAbdul-Baha‘ sagte:

Als erstes musst du nach Geistigkeit dürsten; dann lebe das Leben! Lebe das Leben! Lebe das Leben! Um diesen Durst zu bekommen, denke über das Leben nach dem Tode nach.

|Die Themenwoche endet nächsten Samstag und bietet verschiedene Beiträge, wie Dokumentationen, Reportagen und Filme. Selbst der ‚Tatort‘. Online findet man auch viele Informationen, Foren und andere Möglichkeiten des Austausches und der Gedankenanregung.

| Es war einer dieser normalen Dienstage…nur, dass ich mich abends mit einigen Freunden zu einer netten Runde traf, um über verschiedene Dinge zu reden. Während des Gespräches sind wir auf das Thema Wahrhaftigkeit gekommen. Ein Kumpel fragte mich, was ich denn unter Wahrhaftigkeit verstehe. Nach einigem Überlegen meinte ich, dass es für mich unter anderem bedeutet, dass man unter allen Umständen ehrlich sein sollte – ehrlich zu Freunden, dem Partner, der Familie, der Verkäuferin an der Ecke und vor allem ehrlich zu sich selbst.

 

|Ich kenne einige Menschen, die oft nicht ehrlich zu sich selbst sind und darum dann auch nicht ehrlich zu anderen. Sie geben vor, etwas oder jemand zu sein, was sie nicht sind. Sie lachen künstlich über Witze anderer, ohne es ehrlich zu meinen. Sie benehmen sich in der Gegenwart anderer Personen grundlegend anders. Warum tut man so was? Will man damit besser dastehen? Glaubt man damit, besser Freunde zu finden? Oder will man damit cool wirken?

 

|Ich habe keine wirkliche Antwort darauf gefunden. Vielleicht hatten sie in ihrem Leben schlechte Erfahrungen gemacht, wenn sie ihr wahres Ich zeigten? Solch schmerzhafte Erfahrungen, dass sie sich nicht trauen, ihr wahres Selbst zu zeigen. Vielleicht haben sie auch Angst, etwas falsch zu machen. Aber ist es nicht besser, etwas falsch zu machen und dann daraus zu lernen und zu wachsen, als sich zu verstellen und damit gleich am Anfang einen großen Fehler zu machen und nichts zu lernen? Kann es vielleicht auch sein, dass man sich vor seinem eigenen Selbst fürchtet? Wie kann so etwas geschehen? Keiner von uns ist in seinem Inneren zu fürchten. Wir tragen doch alle Edelsteine in uns, die müssen nur ans Licht befördert werden. Und dazu muss man jedoch ehrlich sein mit sich selbst.

 

|Hoffentlich fahren die Leute sich damit nicht irgendwann gegen den Baum. Nichts ist schlimmer als sich selbst zu belügen, denn dann belügt man auch andere. Ich hoffe, dass es vielleicht irgendwann eine Zeit gibt, wo sich niemand mehr verstecken oder belügen muss. Und hoffentlich treffen jene, die aus Angst oder wegen negativer Erfahrungen sich und andere belügen, in ihrem Leben Menschen, die sie so nehmen, wie sie sind und ihnen helfen, nicht mehr unehrlich sein zu müssen.