Alltag || Everyday Life


| Ich war seit langem mal wieder im Kino (das letzte mal war im Dezember 2012 zu „Der Hobbit“). Es lief „Elysium“, ein SciFi-Film.  Die Grundhandlung ist kurz erzählt: Im Jahre 2154 leben die Reichen auf einer planetaren Raumstation namens „Elysium“, die die Erde umkreist, welche von den Armen bewohnt und von Umweltzerstörtung, Überbevölkerung, Krankheiten und Seuchen geplagt wird. Elysium wird durch ein Computersystem gelenkt, das zudem auch die Erde kontrolliert. Dieses System steht unter der Kontrolle des amtierenden Präsidenten, der von den Bürgern Elysiums gewählt wird. Im Laufe der Geschichte wird Max, ein einfacher Arbeiter auf der Erde, in einen Kampf zwischen elysianischen Politikern, einer kleinen Gruppe von Rebellen und einem auf Rache gesinnten Ex-Agenten gezogen. Ein bisschen Liebe und Herzschmerz ist auch im Film vorhanden, aber mehr möchte ich nicht verraten.

| Was mich besonders fasziniert hat, war neben den echt genialen Bildern und der an sich sehr gut durchdachten Story auch die Filmmusik. Schon wenn ich den Trailer schaue, bekomme ich Gänsehaut bei diesem ganz bestimmten Geräusch. Die Geschichte ist nicht, wie man vielleicht aus den Trailern entnehmen könnte, eine Aneinanderreihung von Gewalt- und Kampfszenen, sondern hat auch Sinn und Gehalt. Viele aktuelle Probleme finden sich in einer dystopischen Form wieder. Nahezu passend  zum aktuellen Bundestagswahlkampf ist der Film auch geprägt von politischen Machtkämpfen, die vor der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Natürlich sollte man auch nicht vergessen, dass der Film auch schauspielerisch einiges zu bieten hat: Jodie Foster und Matt Damon spielen sozusagen die zwei wichtigsten Protagonisten. Neill Blomkamp, der vor allem durch seinen Film District 9 bekannt wurde, führte Regie.

| Fazit: Ich würde diesen Film allen empfehlen, die gerne Actionfilme mit einer sinnvollen Hintergrundgeschichte schauen. Wer auf gute Schauspieler wie Jodie Foster wert legt, kann ihn sich ebenfalls zu Gemüte führen. Alles in allem ist es ein guter Film, den man sich auch noch ein zweites oder drittes Mal anschauen kann.

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| Jeder von uns hört Musik, täglich hören wir sie. Im Radio, im Fernsehen, in Filmen – man kann der Musik gar nicht entkommen. Schon Mozart sagte, „ohne Musik wär‘ alles nichts.“ Sie bewegt unsere Gefühle, beeinflusst unsere Stimmungen.

Ohne Musik wär‘ alles nichts. || Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)

| Wer musikalisch kreativ sein kann, schafft es, seine tiefsten Gefühle mithilfe der Musik auszudrücken. Es heißt, dass jeder Mensch auf die eine oder andere musikalisch ist – der eine macht sie, der andere tanzt zu ihr; die eine singt gern, die andere wippt lieber zu Melodien. Beethoven sagt: „Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.“

| Musik war schon immer Teil der Menschheitsgeschichte. Bahá’u’lláh sagt, dass „Gott hat wahrlich die Musik zu einer Leiter für eure Seelen gemacht, zu einem Mittel für ihren Aufschwung in das Reich der Höhe.“

Wir haben wahrlich die Musik zu einer Leiter für eure Seelen gemacht, zu einem Mittel für ihren Aufschwung in das Reich der Höhe. || Bahá’u’lláh

| Musik war immer Teil der Verehrung des Göttlichen. Alle religiösen Traditionen der Welt haben im Laufe ihrer Geschichte Musik hervorgebracht, die versucht hat, geistigen Dingen künstlerich Ausdruck zu verleihen. Ich möchte einige Lieder hier mit euch teilen, die aus verschiedenen religiösen Traditionen stammen und euch damit etwas der kulturellen und spirituellen Vielfalt näher bringen.

Beginnen möchte ich mit einem modernem Islamischem Lied von Maher Zain mit dem Titel „Thank You Allah“.

|Ein seltsamer Titel für einen Weblogartikel. Aber ich denke, gegen Endes Artikels werdet ihr wissen, wieso ich ihn gewählt habe.

Vor einiger Zeit habe ich mich etwas mit Plastikflaschen beschäftigt. Ausschlaggebend war ein Beitrag in den Nachrichten auf n24. Darin wurde kurz erklärt, dass ein Großteil der PET-Flaschen, für die man je Flasche 25 Cent Pfand zahlt, am Ende nicht recycled wird, sondern meist nur geschreddert und vernichtet wird. Das hat mich etwas nachdenklich gemacht, da ich dachte, dass Plastik schon ein ziemlich schwieriger Stoff angeht, wenn es um die Verrottbarkeit und dergleichen geht.

|Dabei stieß ich auf die sogenannten „Müllinseln„, die angeblich irgendwo in den Ozeanen der Welt umher schwammen. Es erschien mir etwas seltsam, da ich es für ein Gerücht hielt, ähnlich dem der Katze, die in einer Mikrowelle explodierte anstatt zu trocknen. Glücklicherweise stieß ich auf einen Beitrag der arte-Sendung „Mit offenen Karten“, in der es sich um dieses Thema handelte. Dabei stellte sich heraus, dass der US-Amerikanische Skipper Charles Moore 1997 von einer Müllinsel im Pazifik berichtete, deren Größe mit ca. 1,5 bis 3,o Millionen km² Fläche doppelt so groß war wie die Fläche des US-Staates Texas. Er selbst sagte darüber:

Jedes mal, wenn ich an Deck kam, um den Horizont zu begutachten, sah ich eine Seifenflasche, einen Flaschenverschluss oder eine scherbe Plastikmüll vorbei treiben.  Ich war hier in der Mitte des Ozeans and nirgends war es möglich, dem Plastik zu entkommen.||Charles Moore

Schon bald wurde bekannt, dass es sich nicht nur um eine, sondern um zwei Flaschen handelt. Jährlich kommen etwa 26 Mio. Tonnen Müll ins Meer. Dieser stammt von Stränden, Flüssen und anderen Gewässern und wird durch Meeresströmungen, Schiffbewegungen und Wetter in die Ozeane gezogen. Ebenso im Indik als auch im Atlantik sollen sich laut Experten solche Müllinseln befinden. Der Plastikmüll wird jedoch im Meer nicht schneller zersetzt. Eine einfache Plastiktüte, die man bei Lidl oder Netto zum Einkauf dazu bekommt, wird etwa erst nach 20 Jahren zersetzt, eine Plastikflasche benötigt etwa 450 Jahre.

|Diese Ansammlung von Müll wirkt sich auch stark auf das Tierleben aus. In einem Trailer für einen Dokumentarfilm namens Midway wird von einer (natürlichen) Insel voller Vögel berichtet, die mehrere Tausende Kilometer entfernt liegt von jeglicher Zivilisation. Auf dieser sterben trotzallem Vogelküken an Müllvergiftungen, da sie durch ihre Eltern mit Feuerzeugen, Verschlusskappen oder Ähnlichem gefüttert werden.

|Ebenso stieß ich bei meinen „Recherchen“ auf Berichte über Stoffe in Plastik, die sich auf unsere Entwicklung und unsere Gesundheit auswirken. So wurde in einigen Studien herausgefunden, dass es Stoffe im Plastik gibt, die sich auf unseren Hormonhaushalt auswirken. Die Universität Frankfut als auch die Uni Würzburg haben festgestellt, dass Plastikflaschen bspw. zu Impotenz bei Männern führen können. Aber ebenso können, unabhängig vom Geschlecht, erhöhte Krankheitsrisiken wie eine erhöhte Anfälligkeit für Diabetes durch Plastik ausgelöst werden. Die Stoffe in der Plastikflasche werden durch das in ihr gelagerte Wasser ausgespült und gelangen über das Wasser in den menschlichen Körper. Je mehr eine Plastikflasche gewaschen wird, desto stärker tritt dieser Effekt auf.

|Wie kann ich aber daran etwas ändern? Ich habe schon gemerkt, dass ich es nicht mit tragen kann, dass Tiere leiden, weil ich bei dm, Aldi oder REWE eine Plastiktüte für einen Trageweg von vielleicht 10min bekomme. Zum Glück nutzen wir in unserer WG schon sämtliche Plastiktüten als Müllbeutel, um hier die Mülltüten zu sparen. Aber ich dachte mir, dass ich da noch etwas mehr tun könnte. Ein Glück habe ich von zwei guten Freunden Stoffbeutel bekommen, die nicht nur gut aussehen und praktisch sind, sondern nebenbei auch immer wieder benutzt werden können. Wenn sie mir nicht mehr gefallen, dann schmeiße ich sie weg und sie verrotten einfach.

Aber wie komme ich von diesen Plastikfalschen los? Die verrotten ja erst nach über 400 Jahren und sind nicht gerade sehr gesund für meinen Hormonhaushalt. OK, ein kurzer Gang zum nächsten Getränkemarkt (in meinem Falle die Getränkeabteilung von REWE :D ) und gekauft war die Brauseflasche aus Glas mit Schnappverschluss. Jetzt wird umgestiegen auf Tee (gesünder als Limonade), Leitungswasser (sowieso viel günstiger als Mineralwasser in Plastikflaschen) und vielleicht ein paar Säfte.

Das ist zwar nur eine kleine Veränderung, aber ich bin ja erst am Anfang des Themas angekommen. Vielleicht kommen mir noch ein paar neue Ideen, der Umwelt, der Tierwelt und meiner Gesundheit etwas Gutes zu tun. Denn diese drei Dinge hängen unmittelbar oder mittelbar miteinander zusammen. Es gibt nur diese eine Welt und wenn ewas einem Teil geschieht, wirkt es sich auf alle aus – egal über wie viele Umwege. Und das war die Story. So wurde ich zum Flaschenkind und Beuteltier ;)

Haben wir den Mut, der Realität unserer Zeit in die Augen zu blicken? Erlauben wir es uns selbst, zu füllen, dass sie uns und unsere Zukunft tief verändert?||Chris Jordan

|| Gerade habe ich ein älteres Lied von Reamonn wiederentdeckt: Through the eyes of a Child.

Ich weiß ganz genau, was er meint. Alles machen wir schwierig. Es gibt unendlich Bücher, in denen Tipps für eine bessere Beziehung gegeben wird. Dabei ist die Antwort doch so einfach: Mehr wir, weniger ich! Mehr Ehrlichkeit, weniger Lügen! Mehr Liebe, weniger Befriedigung eigener Bedürfnisse.

Es gibt so viele Probleme, weil sich Freunde verstreiten, nicht mehr miteinander reden oder ähnliches erleben. Warum? Einfach mal eine ‚Es tut mir leid!‘ und ein Schritt auf den anderen, statt immer nur zu warten, dass der andere ihn macht.

Leute bekriegen sich. Warum? Es gibt nur eine Welt, nur eine Erde. Warum bekriegt man sich für Land & Boden? Am Ende wird man doch eh darin begraben. Kämpfen wir für unsere eigenen Gräber? Schon mal jemanden gesehen, der sich mit einem anderen um seinen Grabstein prügelt? Ich denke nicht.

Aber anscheinend bin ich immer noch ein Kind, da ich es nicht verstehe, warum das alles nicht klappt…

|| Man hält mich für vieles… sollte ich mich ändern?

|| Man hält mich für spießig, weil ich keinen Alkohol trinke. Dabei mache ich viel Spaß mit, lache gerne und feiere auf Partys ausgelassen mit. Soll ich Alkohol trinken, damit man mich für cool hält?

|| Man hält mich für einen Schleimer, da ich versuche, alle freundlich & höflich zu behandeln. Dabei mache ich keine unehrlichen Komplimente, bin nicht sch€!ßfreundlich und sage immer meine ehrliche Meinung. Soll ich anfangen, manche Menschen schlecht zu behandeln, damit man mich nicht mehr als Schleimer sieht?

|| Man hält mich für naiv, weil ich an das Gute in jedem Menschen glaube. Dabei schließe ich mein Rad auf dem Campus an, achte auf Taschendiebe und glaube nicht jeder Werbung. Soll ich aufhören, das Gute im Menschen zu sehen, um als reif zu gelten?

|| Man hält mich für überheblich, da ich nicht immer zu allem eine Meinung äußere, sondern schweige. Dabei möchte ich meistens nur niemanden verletzen, oder habe in einem Thema noch zu wenige Kenntnisse, um etwas zu sagen. Soll ich allem zustimmen oder immer etwas sagen, um nicht mehr arrogant zu gelten?

|| Man hält mich für dumm, weil ich an das Göttliche Glaube. Dabei beschäftige ich mich mit Stephen Hawking, bezweifle nicht die Evolutionstheorie und vertraue auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Soll ich aufhören, an etwas Göttliches zu glauben, damit man mich für klug hält?

|| Man hält mich für nicht frei, da ich mein Leben nach den Bahai-Geboten ausrichte. Dabei hat mich nie jemand gezwungen, Bahai zu werden, niemand schreibt mir etwas vor und ich fühle mich freier als ich es vor meiner Erklärung gefühlt habe. Soll ich den Bahai-Glauben ablegen, damit man mir glaubt, dass ich wirklich frei bin?

|o| Zwei Lieder haben es mir gerade angetan, ein Deutsches und ein Amerikanisches. Das eine heißt „Is Anybody Out there?“ und wird gesungen von K’Naan & Nelly Furtado, das andere ist „Das Lied von den Vergessenen“ von Rosenstolz. Auf den ersten Moment sind es nur Poplieder, doch ich finde, dass sie etwas ganz deutlich machen: Wir sind kollektiv allein.

|o|Wie komme ich darauf? Na ja, in beiden Liedern geht es um Menschen, die sich einsam fühlen. Bei Rosenstolz ist es ein Junge, der von der Familie nicht verstanden und von den Jugendlichen in der Nachbarschaft drangsaliert wird. Er läuft durch die Gegend und fühlt sich von niemandem verstanden. Dabei begegnen ihm andere Menschen, die gerade ein Problem haben und nur mit sich beschäftigt sind.

|o| In dem anderen Musikvideo werden verschiedene Jugendliche gezeigt: die Coole, der ‚Mitläufer‘, die Außenseiterin, der Zocker. Jeder hat eigenen Probleme, die kurz thematisiert werden. Die Coole und der Mitläufer machen sich über andere lustig, um sich besser zu fühlen und von ihren Problemen abzulenken, die Außenseiterin läuft einsam umher.

|o| Aber was hat das mit uns zu tun? Solche Musikvideos sind doch nur gespielt. Hmm, das könnte man tatsächlich denken. Aber ist es nicht eigentlich wirklich so? Sind nicht viele von uns wirklich einsam? Sucht nicht jeder jemanden, der einen in dieser komplizierten Welt versteht, Halt gibt und Liebe zeigt?

Obwohl jeder danach sucht, machen wir es aber wie die Darsteller in den Musikvideos: Wir beschäftigen uns mit den eigenen Problemen und leben dabei das „Wenn jeder an sich denkt, ist doch an alle gedacht“. Aber ist damit wirklich an jeden gedacht? Bleibt dabei niemand zurück?

|o|Ich laufe oft umher und sehe Leute, die stark erscheinen,bei näherem Hinsehen aber einsam sind, sich schwach fühlen und nach einer Hand schreien, die die ihre ergreift. Da sind die, die ständig auf der Suche nach der großen Liebe sind. Da sind die, die Party ohne Ende machen und so viele Freunde wie möglich haben wollen. Da sind die, die hoffen, ein Baby kann ihre Einsamkeit beenden. Andere stürzen sich in die Arbeit und lenken sich ab. Andere lenken von sich ab, indem sie auf die Probleme und Schwächen anderer hinweisen und sich lustig machen.

|o| Muss es so sein? Müssen wir alle mit uns selbst beschäftigt sein? Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir in unserem Streben nach persönlichem Glück und Individualität vergessen, dass der Mensch (biologisch gesehen) ein Herdentier, (psychologisch betrachtet) ein Sozialwesen und (philosophisch & theologisch gesehen) dazu da ist, Glück mit anderen zu teilen und es durch das Wirken mit anderen zu bekommen.

 |o| Diese Woche war wirklich voll mit vielen Nachrichten, manche davon tagtäglich überall nachlesbar, andere nur nebenbei erwähnt. Besonders in Gedächtnis geblieben sind mir drei: Die Nachrichten über den Norweger Anders B. Breivik, den Amerikaner Kenneth Weishuhn und den Palästinenser Ibrahim Abou-Nagie.

|o| Anders Breivik – ein Name, den jeder in den letzten Tagen sicherlich mehr als nur einmal gehört, gelesen oder anderweitig mitbekommen hat. Doch wer ist dieser Mensch eigentlich? Breivik ist der Mann, der im vergangenen Sommer 77 Menschen getötet hat. Darunter waren 68 Jugendliche, die in dieser Zeit an einem Jugendcamp der Norwegischen Sozialdemokraten auf der Insel Utøya teilnahmen. Zuvor tötete er in der Norwegischen Hauptstadt Oslo acht Menschen durch eine Explosion in einem Regierungsgebäude. Knapp ein dreiviertel Jahr später haben nun die Gerichtsverhandlungen begonnen.

Er brachte all diese Menschen um, da er sie verantwortlich machte für eine angebliche Vernichtung der Norwegischen Kultur. Während er auf der Insel Utøya herumlief, und seine Opfer mit Schüssen ins Gesicht tötete, rief er immer wieder „Ihr werden alle sterben, ihr Marxisten!“. In seinem Manifest 2083 A European Declaration of Independence äußert er antiislamische Gedanken, erläutert seinen Tathergang und ruft auf, gegen „Kulturmarxisten“ vorzugehen, die alle das Ziel hätten, die Europäische Kultur zu vernichten. Zu diesen Kulturmarxisten gehörten seiner Ansicht nach alle Sozialdemokraten, Feministen, Humanisten, Homosexuelle, Behindertenaktivisten, Tier- und Umweltschützer. Den Terroranschlag sah er als einzige Möglichkeit, etwas dagegen zu tun. Er wollte damit eine Bewegung in Gang setzen, die er mit den Kreuzzügen verglich. Er wurde noch am gleichen Tag seiner Tat festgenommen.

Während der aktuellen Gerichtsverhandlung hat Breivik wiederholt zugegeben, auf die Tat stolz zu sein. Er wäre zudem enttäuscht, nicht noch mehr Menschen umgebracht zu haben.1

|o| Doch nun zu Kenneth Weishuhn. Er war er? Kenneth war ein 14-jähriger Teenager in den USA. Er war beliebt, hatte viele Freunde an seiner High School und hatte nie Probleme mit seinen Mitschülern. Doch das änderte sich schnell, als er vor etwa einem Monat seinen Freunden erzählte, dass er schwul war. Er outete sich.

Und mit einem Schlag änderte sich alles. Seine Freunde begannen, ihn zu meiden. Doch dem nicht genug. Onine – auf Seiten wie Facebook und anderen Social Networks – wurde offen gegen ihn gehetzt. Eine Facebook-Gruppe wurde gegründet, die offen gegen Schwule und Lesben hetzte. Alle seine Freunde wurden dazu eingeladen. Irgendwann erhielt er Drohanrufe und Todesdrohungen über sein Handy.

Vergangenen Sonntag, am 15. April 2012, nahm er sich das Leben.

Seine Schwester meint, sie habe nicht verstanden, wie schnell sich alles ins Negative habe drehen können. Die Mutter macht die Schule verantwortlich, da sie nicht schnell genug eingeschritten ist. Kenneths Selbstmord ist somit in einer Reihe anderer homosexueller Jugendlicher, wie Eric James Borges (19 Jahre), Phillip Parker (14), Jeffrey Fehr (18) und anderer, die sich in den letzten Monaten das Leben aufgrund von Ausgrenzung und Mobbing an Schulen und in Familien das Leben nahmen. 2

|o| Und wer ist nun Ibrahim Abou-Nagie? Er ist ein Palästinenser, der in Deutschland lebt und als Islamischer Prediger tätig ist. Er leitet Islamschulen für Deutsche Jugendliche. Er gehört der Islamischen Strömung des Salafismus an und gilt als Betreiber der Website http://www.DieWahreReligion.de. Diese Website wurde genutzt, um öffentlich zu Straftaten aufzurufen.4

Vor wenigen  Tagen begannen die Salafisten in Deutschland mit der Verteilung kostenloser Koranausgaben in Deutschland. Gleichzeitig nutzen sie weiterhin die oben genannte Website, um mehr und mehr Jugendliche zum salafistischen Islam zu bringen. Der Vorsitzende des Deutschen Verfassungsschutzes, die salafistische Gemeinden und Gruppen in Deutschland beobachten, äußerte: „[…]wir stellen fest: Alle potenziellen Terroristen und Gewalttäter, die wir haben, haben in irgendeiner Form salafistische Bezüge.“ ³

Abou-Nagie hetzt in seinen Artikeln und Texten offen gegen Juden, Christen und Homosexuelle. 4

|o| Doch wie hängt das alles zusammen? Das eine spielte in Norwegen, das andere in den USA und das letzte in Deutschland. Wo ist da der Zusammenhang? Es ist ganz einfach: Vorurteile. Es geht immer um Vorurteile. Vorurteile der Weltanschauung, der Politik, der Religion, des Geschlechtes, der Sexualität, der Nationalität.

Breivik beging seine Taten in dem vorurteiligen Gedanken, dass alle diese ‚Kulturmarxisten‘ Europa vernichten wollten. Das Umfeld von Kenneth verurteilte ihn aufgrund von Vorurteilen. Abou-Nagie hegt Vorurteile gegen Juden und Christen. Immer ist das Konzept des Vorturteils das gleiche: Ich bin besser als der andere, ich gehöre der höheren Gruppe an.

Eine […] Lehre Bahá’u’lláhs ist, daß religiöse, rassische, politische,
wirtschaftliche und vaterländische Vorurteile den Bau der Menschheit zerstören.
Solange diese Vorurteile herrschen, wird die Menschenwelt keine Ruhe finden.
(Abdu’l Baha, Briefe und Botschaften)

Besonders in dieser Woche ist mir dieses Zitat bewusst geworden. Doch was hat das ganze mit mir zu tun? Ich meine, ich bin doch frei von Vorurteilen. Mir passiert doch so etwas nicht…Oder doch?

Nein, leider bin ich auch nicht frei von Vorurteilen, so gerne ich es auch wäre oder so sehr ich es auch versuche. Immer kommen neue dazu, wenn ich manche abgelegt habe. Andere bleiben länger. Da ist manchmal das Vorurteil, dass Arbeitslose faul sind. Da gibt es Vorurteil, dass HartzIV-Empfänger an ihrer Situation selber schuld sind. Jemand mit einer ungewohnten Frisur ist doof. Leute, die Heavy Metal hören, sind gewaltbereit und aggressiv. Und die Liste könnte ich noch weiter führen…

Es ist schade, dass ich manchmal so denke. Denn es hindert mich, Leute unbefangen kennenzulernen. Ich denke, dass ich auch noch etwas arbeiten muss in dieser Hinsicht. Und ich denke, diese Arbeit wird nicht enden. Immer kommen neue Vorurteile hinzu. Dazu muss ich nur in die Welt hinausgehen.

In unserer Gesellschaft herrschen so viele Vorurteile, dass es echt schwer ist, damit umzugehen. Abdu’l Baha sagt, dass, solange es Vorurteile gibt, keine Ruhe unter den Menschen gefunden wird. Ich glaube, ich weiß, was er damit meint.

Genau heute vor 100 Jahren hat Abdu’l Baha in Washington D.C. gesprochen:

Gott sieht nicht auf Unterschiede der Hautfarbe oder des Aussehens; Er sieht die Herzen an. Im Reich der Schöpfung und des Werdens ist die Farbe nach der Farbe die aller unwichtigste.
(Abdu’l Baha, Ansprachen in England un Nordamerika)

Vielleicht sollte ich das nächste mal genau an diese Worte denken, wenn sich in mir wieder ein Vorurteil bildet…

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Links zu den Quellen, abgerufen am 20.April 2012 (20:00)

1 – http://www.focus.de/politik/ausland/terror-in-norwegen/tid-25555/liveticker-zum-breivik-prozess-das-ziel-war-alle-zu-toeten-_aid_740267.html

2 – http://youtu.be/68Vd7T4BCYc

3 – http://www.stern.de/politik/deutschland/koran-verteilung-salafisten-stellen-islamkonferenz-in-den-schatten-1815946.html

4 – http://taz.de/Salafist-Ibrahim-Abou-Nagie/!91868/

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