Leben als Bahai || Being a Bahai


|Wie beginnt man einen geeigneten Nachruf für einen Menschen, der vielen als Vorbild gilt, und einem selbst viel bedeutet? Da ich keine Antwort gefunden habe, beginne ich einfach so:

Am 28. Nov 2012 gedachten die Bahai und ihre Freunde weltweit dem Hinscheiden ‘Abdu’l-Bahas. ‘Abdu’l-Bahá war der Sohn Bahá’u’lláhs, des Religionsstifters der Bahá’í. Er galt und und gilt für die Bahá’í als Vorbild, da Er die Lehren Seines Vaters über Menschenliebe, Frieden und Tugendhaftigkeit auf einfache, nachvollziehbare und menschliche Art und Weise vorlebte. Der eigentlich hohe Standard, den Bahá’u’lláh den Bahá’í in Seinen Geboten anbot, wurde und wird duch Geschichten über ‘Abdu’l-Bahá greifbar.

|Doch was war so besonders an ‘Abdu’l-Bahá? Nun, es ist schwierig, das in einem einzigen Blogbeitrag zu erklären. Selbst Menschen, die sich seit Jahren mit Ihm und Seinem Leben beschäftigt haben, werden Ihm nicht gerecht. Ebenso ist es schwierig, Ihm gebührend Ehre und Respekt zu erweisen, ohne den Eindruck zu erwecken, Bahá’í würden Ihn als Offenbarer oder Prophet Gottes oder sogar als gottgleich verehren. Denn trotz ‘Abdu’l-Bahás hoher und reiner Stufe ist Er trotz allem nur ein Mensch. Nur deshalb wird es uns überhaupt erst möglich, Ihn als Vorbild zu sehen.

Nun gut, ich möchte nun kurz etwas über Sein Leben erzählen:

|‘Abdu’l-Bahá wurde 1844 in Iran geboren. Sein bürgerlicher Name lautet Abbas Effendi. Er ging nie zur Schule und erlebte seit Seinem 8. Lebensjahr die Gefangenschaft Seines Vaters mit; so wurde Er gemeinsam mit Seiner Familie und den Anhängern Bahá’u’lláhs durch den gesamten Orient verbannt. Er verbracht die meiste Zeit Seines Lebens in Gefangenschaft. Erst im Alter von 64 Jahren erlangte Er in Akko (im heutigen Israel) im Zuge der jungtürkischen Revolution 1908 die Freiheit. Er selbst gab sich den Namen ‘Abdu’l-Bahá, was so viel bedeutet wie „Diener der Herrlichkeit“ oder „Diener Gottes“. Sein ganzes Leben stellte Er in den Dienst Gottes, indem Er danach strebte, allen Menschen einen Dienst zu  erweisen, die Seinen Weg kreuzten.

‘Abdu’l-Bahá || 1868

‘Abdu’l-Bahá || 1868

Daraufhin begann Er 1910 mit Seinen Reisen durch Ägypten, Europa (inklusive Deutschland) und Nordamerika. 1913 kehrte Er schließlich nach Akko und Haifa zurück. Er verfasste viele Erläuterungen, Briefe und Abhandlungen über die Lehren Seines Vaters. Diese erleichtern den Bahá’í heute noch das Verständnis der oft inhaltsschweren Lehren Bahá’u’lláhs.

|Doch vor allem aufgrund Seines Lebens, Seiner Handlungen und Haltungen und der Erfahrungen, die frühe Gläubige und auch Nichtbahá’í, darunter viele Juden, Christen und Muslime, mit Ihm hatten, gilt Er den Bahá’í als Beispiel für die Umsetzung der Bahá’í-Lehren. Viele davon wurden als Geschichten überliefert. Eine dieser Begebenheiten würde ich gern kurz erzählen. ‘Abdu’l-Bahá lehrte bspw.:

Hütet euch, hütet euch, daß ihr nicht ein Herz beleidigt! Hütet euch, hütet euch, daß ihr nicht eine Seele verletzt! Hütet euch, hütet euch, daß ihr gegen niemanden unfreundlich handelt! Hütet euch, hütet euch, daß ihr nicht für ein Geschöpf zur Ursache der Hoffnungslosigkeit werdet!

Eine kurze Begebenheit über die Umsetzung dieses Gebotes schildert Lady Blomfield, die die „Save the Children“-Kinderrechtsorganisation unterstützte und auf deren Wirken hin der Völkerbund 1924 die Genfer Erklärung der Kinderrechte annahm, schildert:

Als ‘Abdu’l-Bahá in London weilte, wollte eines Tages eine Frau Ihn besuchen. Die Person, die sie in der Empfangshalle um Erlaubnis bat, Ihn sehen zu dürfen, fragte: „Haben Sie denn eine Verabredung?“ Die Frau war aber nicht angemeldet. „Dann tut es mir leid“, erhielt sie zur Antwort, „aber Er ist sehr beschäftigt mit wichtigen Persönlichkeiten; man kann Ihn jetzt nicht stören.“

Die Frau wandte sich ab, denn sie war zu bescheiden, um wegen eines späteren Treffens zu fragen. Doch sie war sehr enttäuscht. Sie ging die Treppe hinunter und wollte gerade das Haus verlassen, als ein Bote ‘Abdu’l-Bahás herbeieilte: „‘Abdu’l-Bahá will Sie sprechen!“, sagte er, „Sie müssen mit mir zurückkommen. Er hat mich beauftragt, Sie zu Ihm zu bringen.“

Jeder hatte die Stimme ‘Abdu’l-Bahás vorher im Haus vernommen, die rief: „Ein Herz ist verletzt worden. Schnell, schnell, bringt die Frau zu mir!“

|Während Seiner Reisen wurde oft über Ihn berichtet. Ein Ausschnitt aus der New York Times vom 21. Apr 1912:

Ausschnitt

Ausschnitt „The New York Times“ || 1912

|Während Seiner Reisen hielt Er Vorträge in Synagogen, Kirchen, Universitäten, Privathäusern und bei anderen Gelegenheiten. Viele der Zeitungen von damals nannten Ihn „Prophet des Friedens“. Doch auch vor Seinen Reisen hatte Er im damaligen Palästina ebenfalls für die dortigen Bewohner gedient. Im I. Weltkrieg organisierte Er Lebensmittel, die die dort lebenden Bahá’í vorher auf ‘Abdu’l-Bahás Bitte hin angebaut und gesammelt hatten, für die Bevölkerung um Akko und Haifa. Aufgrund dessen überlebten viele Tausende Menschen, die ansonsten aufgrund des Krieges den Hungertod gestorben wären. Für diesen Dienst wurde Er 1920 von der Britischen Krone zum Ritter geschlagen.

‘Abdu’l-Bahá wird zum Ritter geschlagen || 1920

‘Abdu’l-Bahá wird zum Ritter geschlagen || 1920

| Am 28. November 1921 verschied ‘Abdu’l-Bahá schließlich. Sein Begräbnis wurde die bis dato größte Trauerbekundung von Anhängern verschiedenster Religionen: Juden, Christen, Muslime und Bahá’í trauerten gemeinsam um Ihren Freund und Meister, der Sein Leben in den Dienst für die Menschheit gestellt hatte.

Beisetzung ‘Abdu’l-Bahás am Berg Karmel in Haifa || 1921

Beisetzung ‘Abdu’l-Bahás am Berg Karmel in Haifa || 1921

| Ich habe erst vor einiger Zeit bamit begonnen, mich mit dem Leben ‘Abdu’l-Bahás zu beschäftigen. Vorher las ich nur Seine Schriften, die schon eine große Bereicherung und Inspiration für mich darstellten. Doch Geschichten zu lesen, in denen Er die oft schweren Gebote Bahá’u’lláhs auf einfache und menschliche Art umsetzt, dabei trotzdem so viel Geduld, Humor und Demut zeigt, begeistern mich. Ich hoffe, dass ich durch Sein Beispiel lernen kann und begreifen kann, wie auch ich einen Teil zum Dienst an der Menschheit beitragen kann.

|Jüngster Tag. Wiederkunft Christi. Tausendjähriges Reich des Friedens. Für Baha’i ist das Ende der Welt schon gekommen, Christus ist wiedergekommen und das Reich des Friedens hat längst begonnen. Häh?

Wie schon in meinem letzten Thread behandele ich in diesem Beitrag die Prophezeiungen einer weiteren Hochreligion über das Kommen einer großen Persönlichkeit: ich beschreibe heute die Bahai-Sicht über das Wiederkommen Jesus Christi. Natürlich wird dies ebenfalls nur ein Text, der oberflächlich dieses Thema bearbeitet.

Jesus sprach zu Seinen Jüngern von einem Geist der Wahrheit, der kommen wird und den Menschen jenes erklären und lehren werde, was sie zur Zeit Christi noch nicht tragen konnten:

Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.
(
Neues Testament, Johannes 16:12-14)

In Seinem „Sendbrief an die Christen (Lawh-i-Aqdas)“ wendet Sich Baha’u’llah direkt an alle Christen und schreibt unter anderem:

Künde den Priestern: Sehet! Er, der Herrscher, ist da. Tritt hinter dem Schleier hervor im Namen deines Herrn, der allen Menschen den Nacken beugt. Künde sodann der ganzen Menschheit die frohen Botschaften dieser machtvollen, dieser ruhmreichen Offenbarung. Wahrlich, Er, der Geist der Wahrheit, ist gekommen, euch in alle Wahrheit zu leiten. Er spricht nicht, wie es Ihm Sein eigenes Ich eingibt, sondern wie es Ihm der Allwissende, der Allweise, gebietet.

Sprich: Dies ist Der, Welcher den Sohn [d.h. Jesus Christus] verherrlicht und Seine Sache erhöht. Werfet von euch, o Völker der Erde, was ihr besitzet, und haltet euch fest an das, was euch geboten ward von dem Allmachtvollen, Der Träger der Wahrheit Gottes ist. Reinigt eure Ohren und richtet eure Herzen auf Ihn, damit ihr den wundersamen Ruf höret, der vom Sinai, der Wohnstatt eures Herrn, des Herrlichsten, erhoben wird. Das wird euch wahrlich der Stätte nahebringen, wo ihr den Glanz vom Lichte Seines Antlitzes über diesem leuchtenden Horizont strahlen seht.
(
Botschaften aus ‘Akká 2:12f.)

Baha’u‘llah beansprucht also Selbst, dieser Geist der Wahrheit zu sein. Jesus Christus sagte, dass dieser Geist der Wahrheit Ihn verherrlichen werde (Joh 16:14). Baha’u’llah schrieb über Jesus in einer Seiner Tafeln:

Wisse, daß die ganze Schöpfung in großer Trauer weinte, als der Menschensohn [Jesus Christus; vgl. Mt 9,6; Mt 20,28 in der Bibel] Seinen Geist zu Gott aufgab. Doch indem Er sich selbst opferte, wurde allem Erschaffenen eine neue Fähigkeit eingehaucht. Die Beweise dafür sind in allen Völkern kund und heute vor dir offenbar. Die tiefste Weisheit, welche die Weisen zum Ausdruck bringen, die gründlichste Gelehrsamkeit, die Menschengeist entfaltet, die Künste, welche die fähigsten Hände gestalten, der Einfluß, den die mächtigsten Herrscher üben, sind nur Offenbarungen der belebenden Macht, die Sein überragender, Sein alldurchdringender und strahlender Geist entfesselt hat.

Wir bezeugen, daß Er, als Er in die Welt trat, den Glanz Seiner Herrlichkeit über alles Erschaffene ergoß. Durch Ihn wurde der Aussätzige vom Aussatz der Verderbtheit und Unwissenheit befreit. Durch Ihn wurden der Unkeusche und der Widersetzliche geheilt. Durch Seine Macht, aus dem allmächtigen Gott geboren, wurden die Augen des Blinden geöffnet und die Seele des Sünders geheiligt.
(Baha’u’llah, Ährenlese 36:1f.)

|Jesus wies Seine Jünger und damit alle Seine Anhänger daraufhin, dass sie wachsam sein sollten, denn Er werde ‚in der Herrlichkeit des Vaters‘ wiederkommen (Matthäus 16:27), aber zugleich wie ein Dieb in der Nacht erscheinen:

Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.
Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
(
Neues Testament, Matthäus 24:42-44; ebenso Lukas 12,39-40)

|Im 19. Jahrhundert war die Erwartungshaltung vieler Christlicher Kirchen, Gemeinschaften und Sekten auf die Wiederkunft Christi besonders hoch. Besonders um das Jahr 1844 erwarteten viele das Wiederkommen Christi (‚Dieb in der Nacht‘, William Sears), doch als das Jahr verging und die erhoffte Wiederkunft Jesu ausblieb, wurde Unmut groß und die Christen hörten zunehmend auf, auf Jesu‘ Wiederkunft zu warten. Dabei lehrte Jesu doch Selbst, dass Er wie ‚Dieb in der Nacht‘ wiederkommen werden. Ein Dieb in der Nacht kommt unerwartet (zeitlich als auch örtlich) und mehr oder weniger heimlich. Nur, wer genau darauf achtet, bemerkt ihn.

Im Jahre 1844 verkündete der Báb Seine Offenbarung und zugleich das Kommen eines noch größeren Offenbarers. Er verkündete im damaligen Persischen Reich das Kommen eines Größeren als Er Selbst und betitelte sich deshalb als ‚das Tor‘ (arabisch ‏الباب‎ al-Bāb) und wies damit hin, dass Er trotz der Größe Seiner Offenbarung nur Vorbereitung Dessen ist, Den Gott offenbaren wird. Dieser Große sollte Baha’u’llah sein.

Der Báb wurde für Seine Lehren, die Er mit 25 Jahren verkündete, im Alter von 31 Jahren hingerichtet. Er ist teilweise vergleichbar mit Johannes dem Täufer, da Er eine Funktion als Vorbote für Baha’u’llah innehatte. Gleichzeitig war Er, im Gegensatz zu Johannes dem Täufer, Träger einer eigenständigen Offenbarung. Der Báb und Baha’u’llah werden deswegen als die Zwillingsoffenbarer bezeichnet. Dies bestärkt die Bedeutung der beiden Offenbarungen und das religionshistorisch einmalige sehr zeitnahe Auftreten zweier sich gegenseitig anerkennender Offenbarer und Ihrer sich ergänzender Offenbarungen.

|Jesu Wiederkunft soll laut Bibel einhergehen mit dem Jüngsten Tag sowie der Errichtung des Tausendjährigen Reiches des Friedens unter Jesu Herrschaft. Für Baha’i ist klar, dass der Jüngste Tag schon gekommen ist und das Reich des Friedens schon da ist. Dies erscheint für viele jedoch unlogisch, da die Welt doch immer noch existiert und Kriege immer noch von statten gehen.

Doch für Baha’i bedeutet der Jüngste Tag nicht das wörtliche Ende der Welt, sondern das Ende eines Zeitalters und der Beginn eines neuen Zeitalters. Die Menschheit tritt in das Alter der Reife ein, was für Baha’i durch die vielen Entwicklungen und Veränderungen im technischen, wissenschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und in anderen Bereichen in den letzten zwei Jahrhunderten versinnbildlich wird. Die Alte Welt ist sozusagen untergegangen bzw. ist noch dabei, unterzugehen, während die Neue Welt mit neuen Denkweisen, neuen Erkenntnissen und neuen Lösungswegen dabei ist, zu entstehen. Gleichzeitig sieht man überall noch die Reste der Alten Weltordnung, die sich bspw. in Dingen wie Vorurteilen, Fanatismus, Kriegen, sozialer Ungerechtigkeit äußert.

Baha’i glauben auch nicht daran, dass das Tausendjährige Reich des Friedens mit einem Fingerschnipp sozusagen erscheint und uns Menschen auf einem goldenen Tablett serviert wird. Viel eher sendet uns das Göttliche die Werkzeuge, um selbst dieses Reich des Friedens aufzubauen. Nur, wenn wir als Menschen diese Werkzeuge nutzen, können wir dieses Reich errichten. Würde das Friedensreich errichtet, ohne dass wir als Menschen dafür tun müssten, würde dies unser Recht auf freien Willen untermauern. Friede kann nicht errichtet werden, wenn nicht alle ihn wollen. Da Gott den Menschen mit einem freien Willen ausgestattet hat und diesen anerkennt, würde Er nichts tun, was uns diesennehmen könnte. Deshalb ist es jedem Menschen selbst überlassen, die Werkzeuge und Ratschläge zur Errichtung des Weltfriedens zu ergreifen und zu nutzen.

|Das Universale Haus der Gerechtigkeit, das höchste gewählte Gremium der Bahai-Gemeinschaft, schrieb so in „Die Verheißung des Weltfriedens“:

Weltfrieden ist nicht nur möglich, sondern unausweichlich. Er ist die nächste Stufe in der Evolution dieses Planeten. […]
Ob der Frieden erst nach unvorstellbaren Schrecken erreichbar ist, heraufbeschworen durch stures Beharren der Menschheit auf veralteten Verhaltensmustern, oder ob er heute durch einen konsultativen Willensakt herbeigeführt wird, das ist die Wahl, vor die alle Erdenbewohner gestellt sind.
(Die Verheißung des Weltfriedens)

Dies ist der Grund, weshalb sich die Bahai in vielen Gremien, Projekten und Organisationen für Frieden, gegen Vorurteile sowie für soziale und ökologische Belange einsetzen und hoffen, dadurch die zweite Möglichkeit zur Errichtung dieses Friedens zu erreichen.

Bereits im 19. Jahrhundert forderte Baha’u’llah:

Die Zeit muß kommen, da die gebieterische Notwendigkeit für die Abhaltung einer ausgedehnten, allumfassenden Versammlung der Menschen weltweit erkannt wird. Die Herrscher und Könige der Erde müssen ihr unbedingt beiwohnen, an ihren Beratungen teilnehmen und solche Mittel und Wege erörtern, die den Grund zum Größten Weltfrieden unter den Menschen legen.
(Baha’u’llah, Botschaften aus Akká 11:8)

|Für Baha’i, unter denen auch eine große Zahl ehemaliger Christen ist, ist das Kommen Baha’u’llahs gleichzusetzen mit der Wiederkunft Christi (auch wenn nicht von einer leiblichen Wiederkunft, sondern einer geistigen Wiederkunft gesprochen werden sollte) und die Bahai-Offenbarung wird gesehen als die Erfüllung des Christentums.

Demzufolge wenden sich Christen, die Baha’i werden, nicht von Jesus Christus ab, sondern sie wenden sich Ihm viel eher neu zu. Auch Baha’i, die aus einem Jüdischen, einem Buddhistischen oder einem Atheistischen Hintergrund kommen, anerkennen Jesus Christus als Gottesoffenbarer und Seine Lehren als heilig, indem sie Baha’u’llah als Offenbarer für dieses Zeitalter anerkennen.

George Townshend, Domherr der St.-Patricks-Kathedrale in Dublin, schrieb folgende Worte in das Vorwort in seinem Werk ‚Christus und Baha’u’llah‚:

Das Kommen des Königreiches Gottes auf Erden ist in allen geoffenbarten Weltreligionen gleichbedeutend mit dem Erscheinen des höchsten Welterlösers, des Herrn der Heerscharen, die wiedergekehrten Christus, des Qá’im, des Neuen Buddha. „Eine Herde und ein Hirte“ sollen an die Stelle der vielen sich widerstreitenden und voneinander getrennten Menschengruppen treten. Diese außerordentliche Verheißung, die ursprünglich vor vielen tausend Jahren ausgesprochen wurde, hat keiner der großen Propheten aufgegriffen, bis im neunzehnten Jahrhundert Bahá’u’lláh, der Begründer des Bahá’í-Glaubens, den Machthabern und religiösen Führern der Welt verkündete, dass Er dieser Erlöser und Träger der göttlichen Botschaft an den modernen Menschen sei.

George Townshend war der erste geweihte Christliche Priester, der sein Gelübde brach, um Baha’i zu werden.

| Natürlich muss jeder Mensch selbst prüfen, ob Baha’u’llah die Wiederkunft Christi in der Herrlichkeit des Vaters ist. In der Bibel wird vor falschen Propheten gewarnt, die wie Wölfe im Schafspelz sind. Jesus lehrt:

Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie (harmlose) Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen? Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten.  Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.
(
Neues Testament, Matthäus 7,15-20)

So soll jeder Mensch selbst, frei von positiven wie negativen Vorurteilen sowie unabhängig von Freunden, Bekannten, Priestern, Autoren und anderen  prüfen, ob der Anspruch Baha’u’llahs rechtens ist oder nicht.

|Jede der Hochreligionen lehrt das Erscheinen einer Großen Persönlichkeit. Heute befasse ich mich mit den Prophezeiungen im Buddhismus über das Kommen des großen Weltlehrers, des Maitreya (auch Metteyyo) , dessen Kommen Buddha Selbst prophezeit hat.Dabei werde ich Zitate aus Seinen Lehrreden nutzen und diese auch im Bezug zu Baha’u’llah und Seinen Lehren setzen.

|Im Digha Nikāya, einem Teil des Buddhistischen Pali-Kanons (der ältesten gesammelten Überlieferung der Lehrreden des Buddha), heißt es, dass Buddha versprach:

[es] wird ein Erhabener in der Welt erscheinen, Metteyyo geheißen, als der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, […] der Erhabene, gleichwie jetzt ich in der Welt erschienen bin als der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, […] der Erwachte, der Erhabene. […] Er wird die Lehre verkünden, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er wird das vollkommen geläuterte, geklärte Asketentum darlegen, gleichwie jetzt ich die Lehre verkünde, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, das vollkommen geläuterte, geklärte Asketentum darlege. Er wird eine Jüngerschar von einigen tausenden als Lenker führen, gleichwie jetzt ich eine Jüngerschar von einigen hunderten als Lenker führe.
(Digha Nikāya 3:85-86)

|An einer anderen Stelle in den Buddhistischen Schriften wird Buddha noch genauer, was die Beschreibung des Maitreya betrifft (leider konnte ich keine deutsche Übersetzung online finden) :

[Sariputta asked the Buddha:] ‚The Hero that shall follow you, The Buddha-of what sort will he be? I want to hear of him in full. Let the Visioned One describe him.‘

When he had heard the Elder’s speech The Lord spoke thus:
‚I will tell you, Sariputta, listen to my speech.In this auspicious aeon three leaders have there been:
Kakusandha, Konagamana and the leader Kassapa too.  ‚I am now the perfect Buddha, and there will be Metteyya [i.e., Maitreya] too before this same auspicious aeon runs to the end of its years. ‚The perfect Buddha, Metteyya by name, supreme of men.‘
(aus dem Anagatavamsa Desana)

|Buddha beschreibt auch die Umstände und Zustände in der Welt, in denen der Maitreya erscheinen soll:

[Sariputta fragt:] Wie wird es geschehen?
[Buddha antwortet:] Nach meinem Verscheiden werden zuerst fünf Dinge verschwinden.
[Sariputta:] Welche fünf?
[Buddha:] Das Verschwinden der Fertigkeit [Nibbana zu erreichen],
das Verschwinden des richtigen Verhaltens [Unfähigkeit, Weisheit und Einsicht zu üben und die vier sittlichen Reinheiten einzuhalten],
das Verschwinden der Gelehrsamkeit [das Fehlen von Menschen, die dem
Dhamma , d.h. den Buddhistischen Lehren, folgen und das Vergessen der Heiligen Schriften],
das Verschwinden der Symbole [Verlust der äußeren Formen, Roben und Übungen des Buddhistischen Mönchtums],
das Verschwinden der Reliquien […].
(aus dem Anagatavamsa Desana, übersetzt in: Im Zeichen Buddhas, Buddhistische Texte, Nr. 22, S.46ff., Hrsg. E. Conze, Üb. Marianna Winder)

Die hier genannten fünf Dinge und deren Verschwinden bezieht sich auf das langsame Verschwinden des Dhamma aus der Welt. Schaut man sich das 19. Jahrhundert an, dann könnte man sagen, dass es auf dieses Jahrhundert passt: Als bspw. Colonel Olcott in der zweiten Hälfte des 19. Jahrunderts nach Sir Lanka kam, fand er keine Buddhistische Mönche oder Nonnen vor, die die Pali-Texte lesen konnten. Auch heute noch können sich viele der Mönche und Nonnen nicht an die Buddhistischen Lehren halten, viele sind gezwungen, Geld mit sich herumzutragen (was gegen die Lehren Buddhas über das mönchische Leben verstößt), es gibt viele die heiraten und das Mönchsleben hinter sich lassen. (“ Buddhismus und Bahá’í-Religion“ von Moojan Momen, S. 101)

|Natürlich gab es in den letzten Jahrzehnten seit dem 19. Jahrhundert eine Art Neubelebung des Buddhismus. Dies ist für Baha’i jedoch nicht verwunderlich, da für sie Baha’u’llah der neue Buddha ist, durchflutete mit Seinem Erscheinen eine Welle der Belebung die Welt. Diese belebte auch die Buddhistischen Lehren wieder neu, auch wenn diese nicht für die heutige Zeit gedacht sind.

|Auch beschreibt Buddha den entarteten Zustand der Welt in Seinen Lehrreden folgendermaßen:

    So ist denn, ihr Mönche, weil man den Unbemittelten keine Mittel dargereicht hatte, die Not immer größer geworden,
weil die Not immer größer geworden war, hat das Nehmen des nicht Gegebenen mehr und mehr sich verbreitet,
weil das Nehmen des nicht Gegebenen mehr und mehr sich verbreitet hatte, hat die Waffengewalt überhand genommen,
weil die Waffengewalt überhand genommen hatte, ist der Totschlag weiter fortgeschritten,
weil der Totschlag weiter fortgeschritten war, hat die Lüge um sich gegriffen,
weil die Lüge um sich gegriffen hatte, hat das hinterrücks Ausrichten um sich gegriffen,
weil das hinterrücks Ausrichten um sich gegriffen hatte, hat die Ausschweifung um sich gegriffen,
weil die Ausschweifung um sich gegriffen hatte, haben zwei Dinge sich weiterentwickelt: Schimpfrede und plapperndes Plaudern,
weil die zwei Dinge sich weiterentwickelt hatten, haben sich Begehrlichkeit und Gehässigkeit weiterentwickelt,
weil Begehrlichkeit und Gehässigkeit sich weiterentwickelt hatten, ist verkehrte Ansicht weiter gediehen,
weil verkehrte Ansicht weiter gediehen war, haben sich drei Dinge weiter entfaltet: Lust an Unrecht, Sucht nach Ungebühr, verkehrte Satzung,
weil die drei Dinge sich weiter entfaltet hatten, haben sich diese Dinge weiter ausgebildet: nicht Vater und Mutter ehren, nicht Asketen und Priester ehren, vor keinem ehrwürdigen Haupte Achtung haben[…]
[So] wird unter den Leuten dort einer dem anderen mit heftigem Anstoß begegnen, mit heftigem Hasse, mit heftiger Bosheit, mit heftiger Mordlust. So die Mutter dem Kinde wie das Kind der Mutter, so der Vater dem Sohne wie der Sohn dem Vater, so der Bruder der Schwester wie die Schwester dem Bruder wird einer dem anderen mit heftigem Anstoß begegnen, mit heftigem Hasse, mit heftiger Bosheit, mit heftiger Mordlust.
(Digha Nikāya 3:78ff., Sutta 26)

|Baha’u’llahs Sohn, Abdu’l Baha, erläutert in einer Seiner Botschaften die Welt im gleichen Maße des beginnenden 20. Jahrhunderts, deren Zustand sich bis heute nicht geändert hat:

Alle Völker der Welt geben sich heute dem Eigennutz hin und bieten alles auf, ihre materiellen Interessen voranzutreiben. Sie beten sich selbst an, statt die göttliche Wirklichkeit und die Welt der Menschheit anzubeten. Mit Bedacht suchen sie ihren eigenen Vorteil und nicht das Gemeinwohl; denn sie sind Gefangene der stofflichen Welt, ohne Bewußtsein für die göttlichen Lehren, die Gaben des Königreiches und die Sonne der Wahrheit.
(Abdu’l Baha, Briefe und Botschaften 68:3)

Auch Baha’u’llah Selbst schreibt:

Fürwahr, die Taten des Menschen bringen teuflische Kraft die Fülle hervor. Wollten die Menschen sich mit den göttlichen Lehren zufriedengeben und sich daran halten, so wäre jede Spur des Bösen vom Antlitz der Erde getilgt. Aber die weitverbreitete Uneinigkeit unter der Menschheit, das Überhandnehmen von Aufruhr, Zank, Streit und dergleichen sind die vorherrschenden Bestimmungsgründe für das Auftreten des satanischen Geistes. Der Heilige Geist hat sich von solchen Dingen immer ferngehalten. Eine Welt, in der nur Kampf, Hader und Verderbnis auszumachen sind, ist auf dem besten Weg, Sitz und Thron, ja die Metropole Satans zu werden.
(Baha’u’llah, Botschaften aus ‚Akká 11:46)

|Der Maitreya ist der einzige kommende Erwachte (d.h. Buddha), dessen Kommen im Theravada-Buddhismus, der ältesten Schule des Buddhismus, gelehrt wird. Er soll ein neues Dhamma bringen und der Welt Ruhe und Frieden, wenn sie denn Seine Lehren annimmt. Die Baha’i erkennen Baha’u’llah als den von Buddha prophezeiten Maitreya an.

|Natürlich muss jeder Mensch selbst prüfen, ob sich Buddhas Versprechen mit Baha’u’llahs Kommen erfüllt hat. Buddha lehrte einen Weg der selbstständigen Erkenntnis und zwang nie jemanden, Seine Heiligen Lehren anzunehmen. Durch selbstständiges Suchen und Erkennen sollte jeder Mensch, bevor er einer Seiner Anhänger werden konnte, selbst prüfen. Buddha nennt dieses Prinzip Samma Ditthi, die ‚Rechte Erkenntnis‘, welches der erste Teil des Edlen Achtfachen Pfades ist.

Auch Baha’u’llah lehrt, dass jeder Mensch selbstständig nach Wahrheit suchen soll:

O Sohn des Geistes!
Von allem das Meistgeliebte ist Mir die Gerechtigkeit.
Wende dich nicht ab von ihr, wenn du nach Mir verlangst, und vergiß sie nicht, damit Ich dir vertrauen kann.
Mit ihrer Hilfe sollst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer, und durch eigene Erkenntnis Wissen erlangen, nicht durch die deines Nächsten.
Bedenke im Herzen, wie du sein solltest.
(Baha’u’llah, Die Verborgenen Worte)

||Am 29. Mai ist für die Baha’i weltweit ein Feiertag. Genau am 29. Mai 1892, in den frühen Morgenstunden, schied Baha’u’llah, der Stifter der Baha’i-Religion und für die Baha’i der Offenbarer des Göttlichen für dieses Zeitalter, in Bahji, Israel, hin. Um diesen Tag zu feiern, treffen sich Baha’i weltweit um 03.oo Uhr morgens, um gemeinsam in einer Andacht mit Gebeten ihrem Religionsstifter zu gedenken.

|Doch wieso nimmt Baha’u’llah eine so wichtige Stellung für die Baha’i ein? Die Bedeutung Baha’u’llahs wurde mir erst in den letzten Wochen selbst richtig bewusst, da ich mich in dieser Zeit sehr mit Seinen Schriften beschäftigte. Baha’i glauben, dass Baha’u’llah nicht nur der Gottesoffenbarer für dieses Zeitalter ist, so wie vor Ihm Krishna, Buddha, Moses, Jesus, und Mohammad, sondern die Baha’i glauben auch daran, dass Baha’u’llah der Verheißene aller Religionen ist und durch Seine Offenbarung der erste Tag des Goldenen Zeitalters angebrochen ist.

Ich werde nun eine kleine Reihe starten, in der ich die Prophezeiungen des Buddhismus über den Maitreya, die Jüdischen Prophezeiungen über das Kommen des Messias, die Prophezeiungen der Bibel über das zweite Kommen Christi sowie die Islamischen Prophezeiungen (ebenfalls) über das zweite Kommen Jesu erklären werde. Den Anfang mache ich mit den Buddhistischen Schriften.

Ich hoffe, ihr findet die Artikel gut. Über Feedback würde ich mich freuen.

|| Man hält mich für vieles… sollte ich mich ändern?

|| Man hält mich für spießig, weil ich keinen Alkohol trinke. Dabei mache ich viel Spaß mit, lache gerne und feiere auf Partys ausgelassen mit. Soll ich Alkohol trinken, damit man mich für cool hält?

|| Man hält mich für einen Schleimer, da ich versuche, alle freundlich & höflich zu behandeln. Dabei mache ich keine unehrlichen Komplimente, bin nicht sch€!ßfreundlich und sage immer meine ehrliche Meinung. Soll ich anfangen, manche Menschen schlecht zu behandeln, damit man mich nicht mehr als Schleimer sieht?

|| Man hält mich für naiv, weil ich an das Gute in jedem Menschen glaube. Dabei schließe ich mein Rad auf dem Campus an, achte auf Taschendiebe und glaube nicht jeder Werbung. Soll ich aufhören, das Gute im Menschen zu sehen, um als reif zu gelten?

|| Man hält mich für überheblich, da ich nicht immer zu allem eine Meinung äußere, sondern schweige. Dabei möchte ich meistens nur niemanden verletzen, oder habe in einem Thema noch zu wenige Kenntnisse, um etwas zu sagen. Soll ich allem zustimmen oder immer etwas sagen, um nicht mehr arrogant zu gelten?

|| Man hält mich für dumm, weil ich an das Göttliche Glaube. Dabei beschäftige ich mich mit Stephen Hawking, bezweifle nicht die Evolutionstheorie und vertraue auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Soll ich aufhören, an etwas Göttliches zu glauben, damit man mich für klug hält?

|| Man hält mich für nicht frei, da ich mein Leben nach den Bahai-Geboten ausrichte. Dabei hat mich nie jemand gezwungen, Bahai zu werden, niemand schreibt mir etwas vor und ich fühle mich freier als ich es vor meiner Erklärung gefühlt habe. Soll ich den Bahai-Glauben ablegen, damit man mir glaubt, dass ich wirklich frei bin?

 

|o|Ich bin gerade nach Hause gekommen und höre mal wieder tape.tv. Heute war ein interessanter Tag. Mittags war ich mit einer Kommilitonin zum Englisch üben verabredet und es gab gutes Mittagessen.  Meine beste Freundin hat sich nachmittags noch gemeldet und mir erzählt, dass sie kurzfristig in Dresden auf Durchreise ist – ein kleines Spontantreffen war die Folge. Den Abschluss bildete eine DVD-Abend (‚Black Swan‘ nebenbei bemerkt).

 

|o|Ich war auf dem Weg nach Hause, gerade eben. Da ich an einer Tanke vorbei kam, wollte ich schnell mein Fahrradreifen wieder mit Luft füllen. Nur irgendwie ging das Ventil nicht auf, es hatte sich so sehr in die Bindung gedreht, dass ich drehen konnte wie ich wollte. Was sollte ich jetzt machen? Das Rad in die Ecke hauen? ‚Hmm, vielleicht frage ich erstmal die Tankstellenwärterin‘, kam mir der Gedanke. ‚Hätten Sie vielleicht eine Zange da?‘ Sofort begibt sie sich auf den Weg und sucht mir eine Zange. Obwohl sie besseres zu tun gehabt hätte.

|o|Was habe ich heute noch gemacht? Genau, ich war in der Bücherei und habe mir Material für ein Referat geholt. Auf dem Weg nach Hause habe ich beschlossen, eine Pizza zu essen. Also ab in den nächsten Discounter! Rad angeschlossen, Schlüssel in die Tasche und … den Obdachlosen vor dem Eingang gesehen. ‚Oh!‘, denke ich. ‚Soll ich helfen?…Nein, wenn ich ihm Geld gebe, dann kauft er sich vielleicht Drogen oder Alkohol davon. Dann ist ihm auch nicht geholfen…aber vielleicht kauf ich ihm was zu essen…hmm, aber eigentlich kann er auch zur Wohlfahrt gehen, die müssten ihm schon was geben können.‘ Ich ging zur Eingangstür und er begrüßt mich mit einem freundlichen, aber müden ‚hallo‘. Ich nicke nur mit dem Kopf und gehe hinein. Während ich so durch die Regale laufe, überlege ich hin und her. Sollte ich ihm etwas geben? An der Kasse lege ich meine Pizza auf das Band, bezahle mit dem letzten Kleingeld im Portemonnaie und gehe wieder zur Tür…und gehe zu dem Mann und gebe ihm ein 50-Cent-Stück. ‚Hmm, so schlimm ist es gar nicht…‘

|o|Als ich wieder zu meinem Fahrrad gehe, spricht mich eine Frau an: ‚Es gibt doch noch gute Menschen.‘, spricht sie. Ich unterhalte mich kurz mit ihr und erzähle ihr meine Bedenken, also wegen dem Alkohol und den Drogen. Sie antwortet nur darauf: ‚Wissen Sie, es ist egal, was Sie ihm geben. Es macht ihn für einen kleinen Moment glücklich. Ändern, was er ist oder wie er denkt und handelt, können wir leider nicht. Aber eine kleine Freude kann man ihm bereiten.‘
Hmm, eine ganz gute Erklärung. Mit dem Gedanken gehe ich nach Hause und mache mir meine Pizza.

|o|Auf dem Rückweg vom DVD-Abend sind mir dann auch noch meine Schuhe kaputt gegangen. Liegt wohl daran, dass ich sie immer günstig bei einem gewissen Schuhändler kaufe…Also machte ich mich daheim auf die Suche nach dem Alleskleber. Dabei finde ich so einiges, aber nicht den Kleber. Ein kleines Büchlein mit verschiedenen Sprüchen kam mir dabei in die Hand. Natürlich muss ich einen Blick hinein werfen…und dann fällt mir ein Spruch ins Auge, der heute wie die Faust aufs Auge passt. Und der Spruch passt mal unglaublich gut zu diesem Tag:
Manchmal möchte ich Gott fragen, warum Er Armut, Hungersnot und Ungerechtigkeit zulässt, obwohl Er doch die Macht hat, etwas dagegen zu tun. Aber dann habe ich Angst, dass Er mir die gleiche Frage stellt…
Leider weiß ich nicht, von wem der Spruch stammt. Doch er passt heute mal unglaublich gut auf den Tag.

|o| Oft denke ich, dass wir immer ein schlechtes Gewissen bekommen: Welthunger, Verfolgung, Massenarmut. Und wir sehen nur zu. Man möchte uns ein schlechtes Gewissen einreden, für Dinge, die wir nicht verschuldet haben. Und dann schieben wir die Schuld zurück – auch an Gott. Ein oft genanntes Argument von Atheisten, wenn sie mit mir oder anderen über Gott reden, ist, dass es Gott ja gar nicht geben kann, wenn Er doch so viel Leid in dieser Welt zulässt. Ich kann dieses Argument voll verstehen, denn auch ich sehe dieses Leiden, diese schlechten Dinge in der Welt. Doch mittlerweile stelle ich mir viel mehr die Frage, warum wir als Menschen das ganze Zeug eigentlich zulassen.

|o| Natürlich können wir als einzelne Menschen nichts wirklich an der Situation in Afrika ändern, wir können auch nicht die Verfolgung von Minderheiten in anderen Länder verhindern oder jedem Straßenkind aus Asien ein Zuhause bieten. Das liegt über der Kraft eines einzelnen. Natürlich gibt es Möglichkeiten, etwas zu tun. Es gibt Patenschaften, es gibt Freiwilligenprojekte, Entwicklungshilfe, Spenden für Hilfsorganisationen. Doch als Student sind meine Mittel doch auch begrenzt. Natürlich möchte ich etwas tun, doch bin in meinen Mitteln so begrenzt.

|o| Doch vielleicht muss ich gar nicht so große Dinge vollbringen? Mir wurde heute der Tag gerettet – von einer Tankwärterin, die mir eine Zange gegeben hatte. Mir wurde heute der Tag gerettet durch eine Freundin, die mich angerufen hat, um sich mit mir zu treffen.  Einem hilflosen Mann konnte ich eine kleine Freude machen. Um die Ungerechtigkeit zu beenden, reicht es als Anfang schon aus, dem Gemobbten in der Klasse, dem Büro oder im Kreise der Kollegen zur Seite zu stehen.Ist das nicht alles auch schon etwas Gutes? Muss man immer die Welt retten? Hmm, ich weiß nicht.
Im Judentum gibt es ein Sprichwort:
Wenn man einem Menschen das Leben rettet, ist es, als ob man die ganze Welt rettet.
Zwar habe ich heute keinem Menschen das Leben gerettet, doch daurm geht es denke auch nicht immer. Auch kleine dinge ändern die Welt. Ein kleines Zeichen der Hilfsbereitschaft, der Freundlichkeit oder der Menschlichkeit tun es ja auch. Wenn es auch nur einer ist, dem vielleicht nur für den Moment geholfen wurde – es ist etwas Gutes mehr, dass in der Welt ist. Und wenn ich älter bin, wenn ich mehr Geld verdiene als als Student, dann kann ich auch mehr tun, als ich jetzt tun kann.

 

|o|Im letzten Beitrag über die „Basics“ des Bahai-Glaubens wurden die ersten fünf seiner elf Prinzipien erklärt. Jetzt kommt der zweite Teil dieser Prinzipien.

|o|Das sechste Prinzip Bahai Prinzipien lehrt die grundsätzliche Gleichwertigkeit aller Menschen. Nach den Bahai Lehren sind alle Menschen mit der gleichen Würde, den gleichen Rechten und der gleichen Freiheit ausgestattet.

O Menschenkinder!

Wisst ihr, warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen?
Damit sich keiner über den anderen erhebe.
Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid.
(Baha’u’llah, Die verborgenen Worte)

Dies heißt, dass jedem Menschen auch gewisse Daseins- und grundlegende Existenzrechte zugesprochen werden. Es hängt sehr stark mit dem siebenten Prinzip der Offenbarung Baha’u’llahs zusammen: der Forderung nach sozialer Gerechtigkeit.
Abdu’l Baha lehrt:

Jedes menschliche Wesen hat das Recht zu leben, alle haben ein Anrecht
auf Ruhe und auf ein gewisses Maß von Wohlstand.
Wenn ein Reicher auf seinem Schloß in Üppigkeit und größter Behaglichkeit zu leben vermag, so sollte auch der Arme so viel erhalten können, daß er leben kann.
Niemand dürfte Hungers sterben, jeder müsste ausreichende Kleidung haben.
Es dürfte keiner im Übermaß leben, während andere keine Daseinsmöglichkeit besitzen.
(Abdu’l Baha, Ansprachen in Paris)

Weiterhin ruft Abdu’l Baha dazu auf, dabei mitzuwirken, gegen Zustände wie die extreme Armut in der Welt zu kämpfen. Die Extreme von übermäßigem Reichtum sowie grausamer Armut sollten beseitigt werden und dabei mitgeholfen werden, dass jeder ein gewisses Maß an Lebensstandard erhält, während derjenige, der Leistung erbringt, trotzdem noch belohnt wird.

|o|Im achten Grundsatz des Bahai Glaubens dreht sich alles um den Weltfrieden und die Erreichung dessen. Nach Bahai Ansicht ist „Weltfrieden […] nicht nur möglich, sondern unausweichlich. Er ist die nächste Stufe in der Evolution dieses Planeten.“ (Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Die Verheißung des Weltfriedens).

Doch wie kann Weltfrieden erreicht werden? Ist diese Frage nicht viel zu komplex, nicht viel zu groß? Wird die Welt nicht weiterhin in Kriege verfallen? Bahai sagen: Die Menschheit steht vor der Aufgabe, die Wahl zu treffen. Weltfrieden wird eintreten, daran glauben die Bahai. Aber [o]b der Friede erst nach unvorstellbaren Schrecken erreichbar ist, heraufbeschworen durch stures Beharren der Menschheit auf veralteten Verhaltensmustern, oder ob er heute durch einen konsultativen Willensakt, das ist die Wahl, vor die alle Erdenbewohner gestellt sind. (Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Die Verheißung des Weltfriedens).

Dies ist auch der Grund, weshalb einzelne Bahai und Bahai Gemeinden oft in Friedensprojekten, im Interreligiösen Dialog sowie in anderen Projekten, Organisationen und Vereinigungen mitarbeiten, die sich für die Erreichung solcher Ziele einsetzen.
Die Bahai International Community BIC ist seit 1948 als Nichtregierungsorganisation bei den Vereinten Nationen anerkannt. Sie hat zudem Beraterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen ECOSOC (seit 1970) und bei UNICEF (seit 1976), dem Kinderhilfswerk der UN. Die BIC arbeitet ebenfalls mit der Weltgesundsheitsorganisation WHO, dem UN-Entwicklungsprogramm UNDP, dem UN-Umweltprogramm UNEP sowie dem Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen UNIFEM zusammen.

 

|o|Ein weiteres Prinzip der Bahai Religion ist die Betonung einer umfangreichen Erziehung und Bildung.

Betrachte den Menschen als ein Bergwerk,
reich an Edelsteinen von
unschätzbarem Wert.
Nur die Erziehung kann bewirken, dass es seine Schätze

enthüllt und die Menschheit daraus Nutzen zu ziehen vermag.
(Baha’u’llah, Ährenlese)

Laut den Bahai Lehren bilden Erziehung und Bildung von Kindern als verdienstreiche Aufgabe.

In den Augen Gottes ist der beste Weg, Ihn zu verherrlichen, die Erziehung der Kinder
und ihre Bildung in allen Vollkommenheiten der Menschheit. Keine edlere Tat ist denkbar.

(‘Abdu’l-Bahá, Briefe und Botschaften)

Dabei ist jedoch nie von einer rein religiösen Erziehung und Bildung die Rede, sondern immer von einer umfassenden.

Die Gemeinschaft sollte sich vielmehr Tag und Nacht bemühen und mit äußerster Anstrengung und Begeisterung danach streben, die Erziehung der Menschen durchzuführen und sie zu veranlassen, Tag für Tag Fortschritte zu machen, Erkenntnis und Wissenschaft zu mehren,
Tugenden zu erlangen, sich gute Sitten anzueignen […]
(Abdu‘l Baha, Beantwortete Fragen)

|o|Das zehnte Ideal der Bahai Religion ist die Gleichberechtigung von Mann & Frau.

Im Angesicht Gottes waren Frauen und Männer von jeher gleich und werden es immer sein.
(Baha’u’llah)

Die Entwicklung der Menschheit wird dabei abhängig von der Gleichberechtigung der Frau gemacht.

Die Menschenwelt hat zwei Flügel:
Den einen bilden die Frauen, den anderen die Männer.
Erst wenn beide Flügel gleichmäßig entwickelt sind, kann der Vogel fliegen.
Bleibt ein Flügel schwächlich, so ist kein Flug möglich.
(Abdu’l Baha, Briefe und Botschaften)

|o|Das elfte Prinzip des Bahai Glaubens ist, dass Religion und Politik getrennt sein sollten. Die Aufgabe der Religion wird dabei in einer spirituellen, geistigen, moralisch-ethischen Wirkung auf das Leben des Menschen wahrgenommen, während die Politik sich um die Belange der Öffentlichkeit und der materiellen Welt kümmern sollte.

Die Religion befaßt sich mit geistigen Fragen, die Politik mit weltlichen Angelegenheiten.
Die Religion hat es mit der Gedankenwelt zu tun,
während das Gebiet der Politik zum Bereich der äußeren Gegebenheiten gehört.
(Abdu’l Baha, Ansprachen in Paris)

|o| Dies sind grundlegende Prinzipien des Bahai Glaubens. Wie ich schon geschrieben habe, gibt es innerhalb des Bahai Glaubens keine Geistigkeit, weshalb Ausführungen, Erläuterungen und Texte wie diese hier immer nur eine persönliche Deutung darstellen. Lediglich die Offenbarungstexte Baha’u’llah sind für alle Bahai gültig sowie die Erläuterungen Abdu’l Bahas, Seines Sohnes und nach Seinem Hinscheiden durch Ihn bevollmächtigten Erklärers der Heiligen Texte, sind gültig und bindend.

 

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