|Viel liebe Grüße an alle Blogleser (, deren Zahl ziemlich gering sein sollte, da ich in den letzten Monaten ein echt schlechter Blogger war)!

Ich bin wieder da mit einer neuen Idee für meinen Blog. Ich habe in meinen wenigen Artikeln viel über Dinge geschrieben, die für mich eine Art Bezugspunkte darstellen.

Doch die Welt ist bunt und vielfältig. Darum werde ich in der nächsten Zeit immer wieder Blogs online stellen, in denen ich Menschen ganz verschiedene Fragen gestellt habe und ihre Antworten dazu notiert habe. Damit möchte ich verschiedene „Bezugspunkte“ anderer Menschen vorstellen.

Wer also Interesse hat, der sollte sich einfach meinen Blog in den nächsten Tagen ab und an durchlesen.

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|Wie beginnt man einen geeigneten Nachruf für einen Menschen, der vielen als Vorbild gilt, und einem selbst viel bedeutet? Da ich keine Antwort gefunden habe, beginne ich einfach so:

Am 28. Nov 2012 gedachten die Bahai und ihre Freunde weltweit dem Hinscheiden ‘Abdu’l-Bahas. ‘Abdu’l-Bahá war der Sohn Bahá’u’lláhs, des Religionsstifters der Bahá’í. Er galt und und gilt für die Bahá’í als Vorbild, da Er die Lehren Seines Vaters über Menschenliebe, Frieden und Tugendhaftigkeit auf einfache, nachvollziehbare und menschliche Art und Weise vorlebte. Der eigentlich hohe Standard, den Bahá’u’lláh den Bahá’í in Seinen Geboten anbot, wurde und wird duch Geschichten über ‘Abdu’l-Bahá greifbar.

|Doch was war so besonders an ‘Abdu’l-Bahá? Nun, es ist schwierig, das in einem einzigen Blogbeitrag zu erklären. Selbst Menschen, die sich seit Jahren mit Ihm und Seinem Leben beschäftigt haben, werden Ihm nicht gerecht. Ebenso ist es schwierig, Ihm gebührend Ehre und Respekt zu erweisen, ohne den Eindruck zu erwecken, Bahá’í würden Ihn als Offenbarer oder Prophet Gottes oder sogar als gottgleich verehren. Denn trotz ‘Abdu’l-Bahás hoher und reiner Stufe ist Er trotz allem nur ein Mensch. Nur deshalb wird es uns überhaupt erst möglich, Ihn als Vorbild zu sehen.

Nun gut, ich möchte nun kurz etwas über Sein Leben erzählen:

|‘Abdu’l-Bahá wurde 1844 in Iran geboren. Sein bürgerlicher Name lautet Abbas Effendi. Er ging nie zur Schule und erlebte seit Seinem 8. Lebensjahr die Gefangenschaft Seines Vaters mit; so wurde Er gemeinsam mit Seiner Familie und den Anhängern Bahá’u’lláhs durch den gesamten Orient verbannt. Er verbracht die meiste Zeit Seines Lebens in Gefangenschaft. Erst im Alter von 64 Jahren erlangte Er in Akko (im heutigen Israel) im Zuge der jungtürkischen Revolution 1908 die Freiheit. Er selbst gab sich den Namen ‘Abdu’l-Bahá, was so viel bedeutet wie „Diener der Herrlichkeit“ oder „Diener Gottes“. Sein ganzes Leben stellte Er in den Dienst Gottes, indem Er danach strebte, allen Menschen einen Dienst zu  erweisen, die Seinen Weg kreuzten.

‘Abdu’l-Bahá || 1868

‘Abdu’l-Bahá || 1868

Daraufhin begann Er 1910 mit Seinen Reisen durch Ägypten, Europa (inklusive Deutschland) und Nordamerika. 1913 kehrte Er schließlich nach Akko und Haifa zurück. Er verfasste viele Erläuterungen, Briefe und Abhandlungen über die Lehren Seines Vaters. Diese erleichtern den Bahá’í heute noch das Verständnis der oft inhaltsschweren Lehren Bahá’u’lláhs.

|Doch vor allem aufgrund Seines Lebens, Seiner Handlungen und Haltungen und der Erfahrungen, die frühe Gläubige und auch Nichtbahá’í, darunter viele Juden, Christen und Muslime, mit Ihm hatten, gilt Er den Bahá’í als Beispiel für die Umsetzung der Bahá’í-Lehren. Viele davon wurden als Geschichten überliefert. Eine dieser Begebenheiten würde ich gern kurz erzählen. ‘Abdu’l-Bahá lehrte bspw.:

Hütet euch, hütet euch, daß ihr nicht ein Herz beleidigt! Hütet euch, hütet euch, daß ihr nicht eine Seele verletzt! Hütet euch, hütet euch, daß ihr gegen niemanden unfreundlich handelt! Hütet euch, hütet euch, daß ihr nicht für ein Geschöpf zur Ursache der Hoffnungslosigkeit werdet!

Eine kurze Begebenheit über die Umsetzung dieses Gebotes schildert Lady Blomfield, die die „Save the Children“-Kinderrechtsorganisation unterstützte und auf deren Wirken hin der Völkerbund 1924 die Genfer Erklärung der Kinderrechte annahm, schildert:

Als ‘Abdu’l-Bahá in London weilte, wollte eines Tages eine Frau Ihn besuchen. Die Person, die sie in der Empfangshalle um Erlaubnis bat, Ihn sehen zu dürfen, fragte: „Haben Sie denn eine Verabredung?“ Die Frau war aber nicht angemeldet. „Dann tut es mir leid“, erhielt sie zur Antwort, „aber Er ist sehr beschäftigt mit wichtigen Persönlichkeiten; man kann Ihn jetzt nicht stören.“

Die Frau wandte sich ab, denn sie war zu bescheiden, um wegen eines späteren Treffens zu fragen. Doch sie war sehr enttäuscht. Sie ging die Treppe hinunter und wollte gerade das Haus verlassen, als ein Bote ‘Abdu’l-Bahás herbeieilte: „‘Abdu’l-Bahá will Sie sprechen!“, sagte er, „Sie müssen mit mir zurückkommen. Er hat mich beauftragt, Sie zu Ihm zu bringen.“

Jeder hatte die Stimme ‘Abdu’l-Bahás vorher im Haus vernommen, die rief: „Ein Herz ist verletzt worden. Schnell, schnell, bringt die Frau zu mir!“

|Während Seiner Reisen wurde oft über Ihn berichtet. Ein Ausschnitt aus der New York Times vom 21. Apr 1912:

Ausschnitt

Ausschnitt „The New York Times“ || 1912

|Während Seiner Reisen hielt Er Vorträge in Synagogen, Kirchen, Universitäten, Privathäusern und bei anderen Gelegenheiten. Viele der Zeitungen von damals nannten Ihn „Prophet des Friedens“. Doch auch vor Seinen Reisen hatte Er im damaligen Palästina ebenfalls für die dortigen Bewohner gedient. Im I. Weltkrieg organisierte Er Lebensmittel, die die dort lebenden Bahá’í vorher auf ‘Abdu’l-Bahás Bitte hin angebaut und gesammelt hatten, für die Bevölkerung um Akko und Haifa. Aufgrund dessen überlebten viele Tausende Menschen, die ansonsten aufgrund des Krieges den Hungertod gestorben wären. Für diesen Dienst wurde Er 1920 von der Britischen Krone zum Ritter geschlagen.

‘Abdu’l-Bahá wird zum Ritter geschlagen || 1920

‘Abdu’l-Bahá wird zum Ritter geschlagen || 1920

| Am 28. November 1921 verschied ‘Abdu’l-Bahá schließlich. Sein Begräbnis wurde die bis dato größte Trauerbekundung von Anhängern verschiedenster Religionen: Juden, Christen, Muslime und Bahá’í trauerten gemeinsam um Ihren Freund und Meister, der Sein Leben in den Dienst für die Menschheit gestellt hatte.

Beisetzung ‘Abdu’l-Bahás am Berg Karmel in Haifa || 1921

Beisetzung ‘Abdu’l-Bahás am Berg Karmel in Haifa || 1921

| Ich habe erst vor einiger Zeit bamit begonnen, mich mit dem Leben ‘Abdu’l-Bahás zu beschäftigen. Vorher las ich nur Seine Schriften, die schon eine große Bereicherung und Inspiration für mich darstellten. Doch Geschichten zu lesen, in denen Er die oft schweren Gebote Bahá’u’lláhs auf einfache und menschliche Art umsetzt, dabei trotzdem so viel Geduld, Humor und Demut zeigt, begeistern mich. Ich hoffe, dass ich durch Sein Beispiel lernen kann und begreifen kann, wie auch ich einen Teil zum Dienst an der Menschheit beitragen kann.

|Der Tod. Ein großes Thema. Jeder kam schon mal irgendwie damit in Berührung. Aber hat jeder sich auch schon eingehend mit dem Sterben beschäftigt? Sokrates schrieb in der Antike:

Niemand kennt den Tod, es weiß auch keiner, ob er nicht das größte Geschenk für den Menschen ist. Dennoch wird er gefürchtet, als wäre es gewiß, daß er das schlimmste aller Übel sei.

|Gestern begann auf ARD die diesjährige Themenwoche. Das Motto dieses mal lautet „Leben mit dem Tod„. Vielleicht bietet sich hier eine Gelegenheit für den einen oder die andere, um sich auf unterschiedliche Art & Weise mit dem Tod, dem Sterben und allen Fragen um dieses Thema zu beschäftigen. Auch ʿAbdul-Baha‘ sagte:

Als erstes musst du nach Geistigkeit dürsten; dann lebe das Leben! Lebe das Leben! Lebe das Leben! Um diesen Durst zu bekommen, denke über das Leben nach dem Tode nach.

|Die Themenwoche endet nächsten Samstag und bietet verschiedene Beiträge, wie Dokumentationen, Reportagen und Filme. Selbst der ‚Tatort‘. Online findet man auch viele Informationen, Foren und andere Möglichkeiten des Austausches und der Gedankenanregung.

| Es war einer dieser normalen Dienstage…nur, dass ich mich abends mit einigen Freunden zu einer netten Runde traf, um über verschiedene Dinge zu reden. Während des Gespräches sind wir auf das Thema Wahrhaftigkeit gekommen. Ein Kumpel fragte mich, was ich denn unter Wahrhaftigkeit verstehe. Nach einigem Überlegen meinte ich, dass es für mich unter anderem bedeutet, dass man unter allen Umständen ehrlich sein sollte – ehrlich zu Freunden, dem Partner, der Familie, der Verkäuferin an der Ecke und vor allem ehrlich zu sich selbst.

 

|Ich kenne einige Menschen, die oft nicht ehrlich zu sich selbst sind und darum dann auch nicht ehrlich zu anderen. Sie geben vor, etwas oder jemand zu sein, was sie nicht sind. Sie lachen künstlich über Witze anderer, ohne es ehrlich zu meinen. Sie benehmen sich in der Gegenwart anderer Personen grundlegend anders. Warum tut man so was? Will man damit besser dastehen? Glaubt man damit, besser Freunde zu finden? Oder will man damit cool wirken?

 

|Ich habe keine wirkliche Antwort darauf gefunden. Vielleicht hatten sie in ihrem Leben schlechte Erfahrungen gemacht, wenn sie ihr wahres Ich zeigten? Solch schmerzhafte Erfahrungen, dass sie sich nicht trauen, ihr wahres Selbst zu zeigen. Vielleicht haben sie auch Angst, etwas falsch zu machen. Aber ist es nicht besser, etwas falsch zu machen und dann daraus zu lernen und zu wachsen, als sich zu verstellen und damit gleich am Anfang einen großen Fehler zu machen und nichts zu lernen? Kann es vielleicht auch sein, dass man sich vor seinem eigenen Selbst fürchtet? Wie kann so etwas geschehen? Keiner von uns ist in seinem Inneren zu fürchten. Wir tragen doch alle Edelsteine in uns, die müssen nur ans Licht befördert werden. Und dazu muss man jedoch ehrlich sein mit sich selbst.

 

|Hoffentlich fahren die Leute sich damit nicht irgendwann gegen den Baum. Nichts ist schlimmer als sich selbst zu belügen, denn dann belügt man auch andere. Ich hoffe, dass es vielleicht irgendwann eine Zeit gibt, wo sich niemand mehr verstecken oder belügen muss. Und hoffentlich treffen jene, die aus Angst oder wegen negativer Erfahrungen sich und andere belügen, in ihrem Leben Menschen, die sie so nehmen, wie sie sind und ihnen helfen, nicht mehr unehrlich sein zu müssen.

| Heute ist es mal wieder so weit. Seit einer gefühlten Ewigkeit habe ich hier nichts mehr geschrieben. Aber jetzt muss es mal wieder sein…

|Zur Zeit bin ich in Israel unterwegs, insgesamt zwei Wochen. Im Moment schlafen wir bei einer Bekannte in Gilo, einem Stadtteil Westjerusalems. Kurz entschlossen ging es heute nach Yad vaShem, der Israelischen Nationalgedenkstätte für die Opfer der Shoa הַשּׁוֹאָה (=hebr. für „Holocaust“). Yad vaShem ist hebräisch und bedeutet „Denkmal“ (Yad) und „Name“ (Shem); es basiert auf dem Thora-Vers Jesaja 56:5. In diesem Komplex wird auf die gesamte Geschichte der Judenfeindlichkeit, die schon im frühen Mittelalter begann, eingegangen und schließlich die Shoa schrittweise erklärt. Nach etwa 4 Stunden waren wir immer noch nicht durch das gesamte Hauptgebäude gegangen, waren aber leider nicht mehr aufnahmefähig.

|Während des Besuch habe ich das Gefühl gehabt, dass mir eine unglaubliche Last auf den Schultern liegt. Ich fühlte mich unwohl und war irgendwo schwankend zwischen Trauer, Verständnislosigkeit und Mitgefühl. Ich fühlte mich verantwortlich und schuldig dafür. Doch irgendwie fühlte ich mich nicht als Deutscher schuldig, sondern als Mensch. Die ganze Zeit fragte ich mich, wozu Menschen fähig sind. Ich konnte und kann es immer noch nicht verstehen und ich werde es sicher auch nie verstehen können. Das kann sicherlich niemand. Zu sehen, wie die Juden in Ghettos gesperrt wurden…das Bild der Massengräber von Hinrichtungen….die Deutschen, Polen, Ukrainer und anderen, die dabei zusahen…Bilder von Menschen mit Behinderung, die lächelnd und zugleich völlig verzweifelt hinter Zäunen stehen und abgemagert, schwach, beinahe tot sind…das Bild eines Soldaten, der eine Frau von hinten erschießt, obwohl sie ihr kleines Kind schützend in Händen hält…

|Im ersten Moment war ich verärgert, als meine Freundin Bella nach vier Stunden gehen wollte. Doch länger hätte ich es nicht verarbeiten und aufnehmen können. Wir waren spät, da wir noch Bethlehem in Palästina wollten. Nach einer holprigen und langen Busfahrt ohne Sitzmöglicheit und einem großen Hungergefühl  im Bauch kam wir schließlich an. Sofort ging es zum Markt, um leckere Palästinensische Falafel, Stars & Bucks-Kaffee und einem Souvenir wollten wir den ‚langen‘ Weg (etwa eine dreiviertel Stunde) zurück nach Gilo, Jerusalem, zu Fuß antreten. Kurz vor dem Grenzübergang kamen wir an die Mauer, die Israel und Palästina trennt: Geschätzte 10 Meter hoch, Beton, mit Stacheldraht als Bedeckung. Seltsam an eine Mauer zu kommen, die mitten in einer Stadt steht und so hoch ist, dass man glaubt, im Gefängnis zu sein… Überall waren Graffitis zu sehen, die die Palästinenser an diese Mauer gemacht haben. So bunt und verschieden sie auch waren, sie hatten alle die gleiche Botschaft: Wir wollen Frieden und Freiheit!

|Kurz vor dem Checkpoint nach Jerusalem, Israel, waren Plakate an die Wand gehangen, die Geschichten aus Bethlehem erzählten. Eine davon war mir besondersn im Kopf geblieben:

Ein kleiner Junge aus Bethlehem wurde mit etwa 13 Jahren verhaftet, da er ohne Erlaubnis auf das Gelände gegangen war, dass früher seinen Eltern gehört hatte und nun Israelisch war. Während seiner Haftzeit bastelte er eine Miniatur des Felsendomes, eines der größten Heiligtümer des Islam. Sein größter Wunsch war es, einmal dort beten zu dürfen. Leider haben er und seine Familie jedoch keine Jerusalemer ID-Card, weswegen er nicht nach Westjerusalem und in die Altstadt kann, wo der Felsendom steht…

|Am Checkpoint angekommen, wurde uns das Ausmaß des Ganzen klar: Insgesamt drei Kontrollen und etwa 500 Meter Sicherheitsschleußen mussten wir passieren. Als Deutsche reichte es, unsere Reisepässe zu zeigen und wir konnten passieren. Palästinensern ohne Jerusalem-Pass wird es leider nicht so einfach gemacht. Sie können nicht dorthin. Und die mit Jerusalem-ID-Card müssen lange warten, um all die Kontrollen über sich ergehen zu lassen. Alles nur, um Freunde besuchen, einkaufen oder beten gehen zu können…

|Ich musste in Palästina oft an die Ghettos im III.Reich denken…Ich kann es nicht erklären und verstehen, auch kann ich nicht Richter sein und jemandem mehr oder weniger Schuld geben. Ich hoffe und wünsche jedoch, dass es Frieden und Freiheit für beide Völker gibt, denn die Welt ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger

|Jüngster Tag. Wiederkunft Christi. Tausendjähriges Reich des Friedens. Für Baha’i ist das Ende der Welt schon gekommen, Christus ist wiedergekommen und das Reich des Friedens hat längst begonnen. Häh?

Wie schon in meinem letzten Thread behandele ich in diesem Beitrag die Prophezeiungen einer weiteren Hochreligion über das Kommen einer großen Persönlichkeit: ich beschreibe heute die Bahai-Sicht über das Wiederkommen Jesus Christi. Natürlich wird dies ebenfalls nur ein Text, der oberflächlich dieses Thema bearbeitet.

Jesus sprach zu Seinen Jüngern von einem Geist der Wahrheit, der kommen wird und den Menschen jenes erklären und lehren werde, was sie zur Zeit Christi noch nicht tragen konnten:

Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.
(
Neues Testament, Johannes 16:12-14)

In Seinem „Sendbrief an die Christen (Lawh-i-Aqdas)“ wendet Sich Baha’u’llah direkt an alle Christen und schreibt unter anderem:

Künde den Priestern: Sehet! Er, der Herrscher, ist da. Tritt hinter dem Schleier hervor im Namen deines Herrn, der allen Menschen den Nacken beugt. Künde sodann der ganzen Menschheit die frohen Botschaften dieser machtvollen, dieser ruhmreichen Offenbarung. Wahrlich, Er, der Geist der Wahrheit, ist gekommen, euch in alle Wahrheit zu leiten. Er spricht nicht, wie es Ihm Sein eigenes Ich eingibt, sondern wie es Ihm der Allwissende, der Allweise, gebietet.

Sprich: Dies ist Der, Welcher den Sohn [d.h. Jesus Christus] verherrlicht und Seine Sache erhöht. Werfet von euch, o Völker der Erde, was ihr besitzet, und haltet euch fest an das, was euch geboten ward von dem Allmachtvollen, Der Träger der Wahrheit Gottes ist. Reinigt eure Ohren und richtet eure Herzen auf Ihn, damit ihr den wundersamen Ruf höret, der vom Sinai, der Wohnstatt eures Herrn, des Herrlichsten, erhoben wird. Das wird euch wahrlich der Stätte nahebringen, wo ihr den Glanz vom Lichte Seines Antlitzes über diesem leuchtenden Horizont strahlen seht.
(
Botschaften aus ‘Akká 2:12f.)

Baha’u‘llah beansprucht also Selbst, dieser Geist der Wahrheit zu sein. Jesus Christus sagte, dass dieser Geist der Wahrheit Ihn verherrlichen werde (Joh 16:14). Baha’u’llah schrieb über Jesus in einer Seiner Tafeln:

Wisse, daß die ganze Schöpfung in großer Trauer weinte, als der Menschensohn [Jesus Christus; vgl. Mt 9,6; Mt 20,28 in der Bibel] Seinen Geist zu Gott aufgab. Doch indem Er sich selbst opferte, wurde allem Erschaffenen eine neue Fähigkeit eingehaucht. Die Beweise dafür sind in allen Völkern kund und heute vor dir offenbar. Die tiefste Weisheit, welche die Weisen zum Ausdruck bringen, die gründlichste Gelehrsamkeit, die Menschengeist entfaltet, die Künste, welche die fähigsten Hände gestalten, der Einfluß, den die mächtigsten Herrscher üben, sind nur Offenbarungen der belebenden Macht, die Sein überragender, Sein alldurchdringender und strahlender Geist entfesselt hat.

Wir bezeugen, daß Er, als Er in die Welt trat, den Glanz Seiner Herrlichkeit über alles Erschaffene ergoß. Durch Ihn wurde der Aussätzige vom Aussatz der Verderbtheit und Unwissenheit befreit. Durch Ihn wurden der Unkeusche und der Widersetzliche geheilt. Durch Seine Macht, aus dem allmächtigen Gott geboren, wurden die Augen des Blinden geöffnet und die Seele des Sünders geheiligt.
(Baha’u’llah, Ährenlese 36:1f.)

|Jesus wies Seine Jünger und damit alle Seine Anhänger daraufhin, dass sie wachsam sein sollten, denn Er werde ‚in der Herrlichkeit des Vaters‘ wiederkommen (Matthäus 16:27), aber zugleich wie ein Dieb in der Nacht erscheinen:

Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.
Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
(
Neues Testament, Matthäus 24:42-44; ebenso Lukas 12,39-40)

|Im 19. Jahrhundert war die Erwartungshaltung vieler Christlicher Kirchen, Gemeinschaften und Sekten auf die Wiederkunft Christi besonders hoch. Besonders um das Jahr 1844 erwarteten viele das Wiederkommen Christi (‚Dieb in der Nacht‘, William Sears), doch als das Jahr verging und die erhoffte Wiederkunft Jesu ausblieb, wurde Unmut groß und die Christen hörten zunehmend auf, auf Jesu‘ Wiederkunft zu warten. Dabei lehrte Jesu doch Selbst, dass Er wie ‚Dieb in der Nacht‘ wiederkommen werden. Ein Dieb in der Nacht kommt unerwartet (zeitlich als auch örtlich) und mehr oder weniger heimlich. Nur, wer genau darauf achtet, bemerkt ihn.

Im Jahre 1844 verkündete der Báb Seine Offenbarung und zugleich das Kommen eines noch größeren Offenbarers. Er verkündete im damaligen Persischen Reich das Kommen eines Größeren als Er Selbst und betitelte sich deshalb als ‚das Tor‘ (arabisch ‏الباب‎ al-Bāb) und wies damit hin, dass Er trotz der Größe Seiner Offenbarung nur Vorbereitung Dessen ist, Den Gott offenbaren wird. Dieser Große sollte Baha’u’llah sein.

Der Báb wurde für Seine Lehren, die Er mit 25 Jahren verkündete, im Alter von 31 Jahren hingerichtet. Er ist teilweise vergleichbar mit Johannes dem Täufer, da Er eine Funktion als Vorbote für Baha’u’llah innehatte. Gleichzeitig war Er, im Gegensatz zu Johannes dem Täufer, Träger einer eigenständigen Offenbarung. Der Báb und Baha’u’llah werden deswegen als die Zwillingsoffenbarer bezeichnet. Dies bestärkt die Bedeutung der beiden Offenbarungen und das religionshistorisch einmalige sehr zeitnahe Auftreten zweier sich gegenseitig anerkennender Offenbarer und Ihrer sich ergänzender Offenbarungen.

|Jesu Wiederkunft soll laut Bibel einhergehen mit dem Jüngsten Tag sowie der Errichtung des Tausendjährigen Reiches des Friedens unter Jesu Herrschaft. Für Baha’i ist klar, dass der Jüngste Tag schon gekommen ist und das Reich des Friedens schon da ist. Dies erscheint für viele jedoch unlogisch, da die Welt doch immer noch existiert und Kriege immer noch von statten gehen.

Doch für Baha’i bedeutet der Jüngste Tag nicht das wörtliche Ende der Welt, sondern das Ende eines Zeitalters und der Beginn eines neuen Zeitalters. Die Menschheit tritt in das Alter der Reife ein, was für Baha’i durch die vielen Entwicklungen und Veränderungen im technischen, wissenschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und in anderen Bereichen in den letzten zwei Jahrhunderten versinnbildlich wird. Die Alte Welt ist sozusagen untergegangen bzw. ist noch dabei, unterzugehen, während die Neue Welt mit neuen Denkweisen, neuen Erkenntnissen und neuen Lösungswegen dabei ist, zu entstehen. Gleichzeitig sieht man überall noch die Reste der Alten Weltordnung, die sich bspw. in Dingen wie Vorurteilen, Fanatismus, Kriegen, sozialer Ungerechtigkeit äußert.

Baha’i glauben auch nicht daran, dass das Tausendjährige Reich des Friedens mit einem Fingerschnipp sozusagen erscheint und uns Menschen auf einem goldenen Tablett serviert wird. Viel eher sendet uns das Göttliche die Werkzeuge, um selbst dieses Reich des Friedens aufzubauen. Nur, wenn wir als Menschen diese Werkzeuge nutzen, können wir dieses Reich errichten. Würde das Friedensreich errichtet, ohne dass wir als Menschen dafür tun müssten, würde dies unser Recht auf freien Willen untermauern. Friede kann nicht errichtet werden, wenn nicht alle ihn wollen. Da Gott den Menschen mit einem freien Willen ausgestattet hat und diesen anerkennt, würde Er nichts tun, was uns diesennehmen könnte. Deshalb ist es jedem Menschen selbst überlassen, die Werkzeuge und Ratschläge zur Errichtung des Weltfriedens zu ergreifen und zu nutzen.

|Das Universale Haus der Gerechtigkeit, das höchste gewählte Gremium der Bahai-Gemeinschaft, schrieb so in „Die Verheißung des Weltfriedens“:

Weltfrieden ist nicht nur möglich, sondern unausweichlich. Er ist die nächste Stufe in der Evolution dieses Planeten. […]
Ob der Frieden erst nach unvorstellbaren Schrecken erreichbar ist, heraufbeschworen durch stures Beharren der Menschheit auf veralteten Verhaltensmustern, oder ob er heute durch einen konsultativen Willensakt herbeigeführt wird, das ist die Wahl, vor die alle Erdenbewohner gestellt sind.
(Die Verheißung des Weltfriedens)

Dies ist der Grund, weshalb sich die Bahai in vielen Gremien, Projekten und Organisationen für Frieden, gegen Vorurteile sowie für soziale und ökologische Belange einsetzen und hoffen, dadurch die zweite Möglichkeit zur Errichtung dieses Friedens zu erreichen.

Bereits im 19. Jahrhundert forderte Baha’u’llah:

Die Zeit muß kommen, da die gebieterische Notwendigkeit für die Abhaltung einer ausgedehnten, allumfassenden Versammlung der Menschen weltweit erkannt wird. Die Herrscher und Könige der Erde müssen ihr unbedingt beiwohnen, an ihren Beratungen teilnehmen und solche Mittel und Wege erörtern, die den Grund zum Größten Weltfrieden unter den Menschen legen.
(Baha’u’llah, Botschaften aus Akká 11:8)

|Für Baha’i, unter denen auch eine große Zahl ehemaliger Christen ist, ist das Kommen Baha’u’llahs gleichzusetzen mit der Wiederkunft Christi (auch wenn nicht von einer leiblichen Wiederkunft, sondern einer geistigen Wiederkunft gesprochen werden sollte) und die Bahai-Offenbarung wird gesehen als die Erfüllung des Christentums.

Demzufolge wenden sich Christen, die Baha’i werden, nicht von Jesus Christus ab, sondern sie wenden sich Ihm viel eher neu zu. Auch Baha’i, die aus einem Jüdischen, einem Buddhistischen oder einem Atheistischen Hintergrund kommen, anerkennen Jesus Christus als Gottesoffenbarer und Seine Lehren als heilig, indem sie Baha’u’llah als Offenbarer für dieses Zeitalter anerkennen.

George Townshend, Domherr der St.-Patricks-Kathedrale in Dublin, schrieb folgende Worte in das Vorwort in seinem Werk ‚Christus und Baha’u’llah‚:

Das Kommen des Königreiches Gottes auf Erden ist in allen geoffenbarten Weltreligionen gleichbedeutend mit dem Erscheinen des höchsten Welterlösers, des Herrn der Heerscharen, die wiedergekehrten Christus, des Qá’im, des Neuen Buddha. „Eine Herde und ein Hirte“ sollen an die Stelle der vielen sich widerstreitenden und voneinander getrennten Menschengruppen treten. Diese außerordentliche Verheißung, die ursprünglich vor vielen tausend Jahren ausgesprochen wurde, hat keiner der großen Propheten aufgegriffen, bis im neunzehnten Jahrhundert Bahá’u’lláh, der Begründer des Bahá’í-Glaubens, den Machthabern und religiösen Führern der Welt verkündete, dass Er dieser Erlöser und Träger der göttlichen Botschaft an den modernen Menschen sei.

George Townshend war der erste geweihte Christliche Priester, der sein Gelübde brach, um Baha’i zu werden.

| Natürlich muss jeder Mensch selbst prüfen, ob Baha’u’llah die Wiederkunft Christi in der Herrlichkeit des Vaters ist. In der Bibel wird vor falschen Propheten gewarnt, die wie Wölfe im Schafspelz sind. Jesus lehrt:

Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie (harmlose) Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen? Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten.  Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.
(
Neues Testament, Matthäus 7,15-20)

So soll jeder Mensch selbst, frei von positiven wie negativen Vorurteilen sowie unabhängig von Freunden, Bekannten, Priestern, Autoren und anderen  prüfen, ob der Anspruch Baha’u’llahs rechtens ist oder nicht.

|Jede der Hochreligionen lehrt das Erscheinen einer Großen Persönlichkeit. Heute befasse ich mich mit den Prophezeiungen im Buddhismus über das Kommen des großen Weltlehrers, des Maitreya (auch Metteyyo) , dessen Kommen Buddha Selbst prophezeit hat.Dabei werde ich Zitate aus Seinen Lehrreden nutzen und diese auch im Bezug zu Baha’u’llah und Seinen Lehren setzen.

|Im Digha Nikāya, einem Teil des Buddhistischen Pali-Kanons (der ältesten gesammelten Überlieferung der Lehrreden des Buddha), heißt es, dass Buddha versprach:

[es] wird ein Erhabener in der Welt erscheinen, Metteyyo geheißen, als der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, […] der Erhabene, gleichwie jetzt ich in der Welt erschienen bin als der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, […] der Erwachte, der Erhabene. […] Er wird die Lehre verkünden, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er wird das vollkommen geläuterte, geklärte Asketentum darlegen, gleichwie jetzt ich die Lehre verkünde, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, das vollkommen geläuterte, geklärte Asketentum darlege. Er wird eine Jüngerschar von einigen tausenden als Lenker führen, gleichwie jetzt ich eine Jüngerschar von einigen hunderten als Lenker führe.
(Digha Nikāya 3:85-86)

|An einer anderen Stelle in den Buddhistischen Schriften wird Buddha noch genauer, was die Beschreibung des Maitreya betrifft (leider konnte ich keine deutsche Übersetzung online finden) :

[Sariputta asked the Buddha:] ‚The Hero that shall follow you, The Buddha-of what sort will he be? I want to hear of him in full. Let the Visioned One describe him.‘

When he had heard the Elder’s speech The Lord spoke thus:
‚I will tell you, Sariputta, listen to my speech.In this auspicious aeon three leaders have there been:
Kakusandha, Konagamana and the leader Kassapa too.  ‚I am now the perfect Buddha, and there will be Metteyya [i.e., Maitreya] too before this same auspicious aeon runs to the end of its years. ‚The perfect Buddha, Metteyya by name, supreme of men.‘
(aus dem Anagatavamsa Desana)

|Buddha beschreibt auch die Umstände und Zustände in der Welt, in denen der Maitreya erscheinen soll:

[Sariputta fragt:] Wie wird es geschehen?
[Buddha antwortet:] Nach meinem Verscheiden werden zuerst fünf Dinge verschwinden.
[Sariputta:] Welche fünf?
[Buddha:] Das Verschwinden der Fertigkeit [Nibbana zu erreichen],
das Verschwinden des richtigen Verhaltens [Unfähigkeit, Weisheit und Einsicht zu üben und die vier sittlichen Reinheiten einzuhalten],
das Verschwinden der Gelehrsamkeit [das Fehlen von Menschen, die dem
Dhamma , d.h. den Buddhistischen Lehren, folgen und das Vergessen der Heiligen Schriften],
das Verschwinden der Symbole [Verlust der äußeren Formen, Roben und Übungen des Buddhistischen Mönchtums],
das Verschwinden der Reliquien […].
(aus dem Anagatavamsa Desana, übersetzt in: Im Zeichen Buddhas, Buddhistische Texte, Nr. 22, S.46ff., Hrsg. E. Conze, Üb. Marianna Winder)

Die hier genannten fünf Dinge und deren Verschwinden bezieht sich auf das langsame Verschwinden des Dhamma aus der Welt. Schaut man sich das 19. Jahrhundert an, dann könnte man sagen, dass es auf dieses Jahrhundert passt: Als bspw. Colonel Olcott in der zweiten Hälfte des 19. Jahrunderts nach Sir Lanka kam, fand er keine Buddhistische Mönche oder Nonnen vor, die die Pali-Texte lesen konnten. Auch heute noch können sich viele der Mönche und Nonnen nicht an die Buddhistischen Lehren halten, viele sind gezwungen, Geld mit sich herumzutragen (was gegen die Lehren Buddhas über das mönchische Leben verstößt), es gibt viele die heiraten und das Mönchsleben hinter sich lassen. (“ Buddhismus und Bahá’í-Religion“ von Moojan Momen, S. 101)

|Natürlich gab es in den letzten Jahrzehnten seit dem 19. Jahrhundert eine Art Neubelebung des Buddhismus. Dies ist für Baha’i jedoch nicht verwunderlich, da für sie Baha’u’llah der neue Buddha ist, durchflutete mit Seinem Erscheinen eine Welle der Belebung die Welt. Diese belebte auch die Buddhistischen Lehren wieder neu, auch wenn diese nicht für die heutige Zeit gedacht sind.

|Auch beschreibt Buddha den entarteten Zustand der Welt in Seinen Lehrreden folgendermaßen:

    So ist denn, ihr Mönche, weil man den Unbemittelten keine Mittel dargereicht hatte, die Not immer größer geworden,
weil die Not immer größer geworden war, hat das Nehmen des nicht Gegebenen mehr und mehr sich verbreitet,
weil das Nehmen des nicht Gegebenen mehr und mehr sich verbreitet hatte, hat die Waffengewalt überhand genommen,
weil die Waffengewalt überhand genommen hatte, ist der Totschlag weiter fortgeschritten,
weil der Totschlag weiter fortgeschritten war, hat die Lüge um sich gegriffen,
weil die Lüge um sich gegriffen hatte, hat das hinterrücks Ausrichten um sich gegriffen,
weil das hinterrücks Ausrichten um sich gegriffen hatte, hat die Ausschweifung um sich gegriffen,
weil die Ausschweifung um sich gegriffen hatte, haben zwei Dinge sich weiterentwickelt: Schimpfrede und plapperndes Plaudern,
weil die zwei Dinge sich weiterentwickelt hatten, haben sich Begehrlichkeit und Gehässigkeit weiterentwickelt,
weil Begehrlichkeit und Gehässigkeit sich weiterentwickelt hatten, ist verkehrte Ansicht weiter gediehen,
weil verkehrte Ansicht weiter gediehen war, haben sich drei Dinge weiter entfaltet: Lust an Unrecht, Sucht nach Ungebühr, verkehrte Satzung,
weil die drei Dinge sich weiter entfaltet hatten, haben sich diese Dinge weiter ausgebildet: nicht Vater und Mutter ehren, nicht Asketen und Priester ehren, vor keinem ehrwürdigen Haupte Achtung haben[…]
[So] wird unter den Leuten dort einer dem anderen mit heftigem Anstoß begegnen, mit heftigem Hasse, mit heftiger Bosheit, mit heftiger Mordlust. So die Mutter dem Kinde wie das Kind der Mutter, so der Vater dem Sohne wie der Sohn dem Vater, so der Bruder der Schwester wie die Schwester dem Bruder wird einer dem anderen mit heftigem Anstoß begegnen, mit heftigem Hasse, mit heftiger Bosheit, mit heftiger Mordlust.
(Digha Nikāya 3:78ff., Sutta 26)

|Baha’u’llahs Sohn, Abdu’l Baha, erläutert in einer Seiner Botschaften die Welt im gleichen Maße des beginnenden 20. Jahrhunderts, deren Zustand sich bis heute nicht geändert hat:

Alle Völker der Welt geben sich heute dem Eigennutz hin und bieten alles auf, ihre materiellen Interessen voranzutreiben. Sie beten sich selbst an, statt die göttliche Wirklichkeit und die Welt der Menschheit anzubeten. Mit Bedacht suchen sie ihren eigenen Vorteil und nicht das Gemeinwohl; denn sie sind Gefangene der stofflichen Welt, ohne Bewußtsein für die göttlichen Lehren, die Gaben des Königreiches und die Sonne der Wahrheit.
(Abdu’l Baha, Briefe und Botschaften 68:3)

Auch Baha’u’llah Selbst schreibt:

Fürwahr, die Taten des Menschen bringen teuflische Kraft die Fülle hervor. Wollten die Menschen sich mit den göttlichen Lehren zufriedengeben und sich daran halten, so wäre jede Spur des Bösen vom Antlitz der Erde getilgt. Aber die weitverbreitete Uneinigkeit unter der Menschheit, das Überhandnehmen von Aufruhr, Zank, Streit und dergleichen sind die vorherrschenden Bestimmungsgründe für das Auftreten des satanischen Geistes. Der Heilige Geist hat sich von solchen Dingen immer ferngehalten. Eine Welt, in der nur Kampf, Hader und Verderbnis auszumachen sind, ist auf dem besten Weg, Sitz und Thron, ja die Metropole Satans zu werden.
(Baha’u’llah, Botschaften aus ‚Akká 11:46)

|Der Maitreya ist der einzige kommende Erwachte (d.h. Buddha), dessen Kommen im Theravada-Buddhismus, der ältesten Schule des Buddhismus, gelehrt wird. Er soll ein neues Dhamma bringen und der Welt Ruhe und Frieden, wenn sie denn Seine Lehren annimmt. Die Baha’i erkennen Baha’u’llah als den von Buddha prophezeiten Maitreya an.

|Natürlich muss jeder Mensch selbst prüfen, ob sich Buddhas Versprechen mit Baha’u’llahs Kommen erfüllt hat. Buddha lehrte einen Weg der selbstständigen Erkenntnis und zwang nie jemanden, Seine Heiligen Lehren anzunehmen. Durch selbstständiges Suchen und Erkennen sollte jeder Mensch, bevor er einer Seiner Anhänger werden konnte, selbst prüfen. Buddha nennt dieses Prinzip Samma Ditthi, die ‚Rechte Erkenntnis‘, welches der erste Teil des Edlen Achtfachen Pfades ist.

Auch Baha’u’llah lehrt, dass jeder Mensch selbstständig nach Wahrheit suchen soll:

O Sohn des Geistes!
Von allem das Meistgeliebte ist Mir die Gerechtigkeit.
Wende dich nicht ab von ihr, wenn du nach Mir verlangst, und vergiß sie nicht, damit Ich dir vertrauen kann.
Mit ihrer Hilfe sollst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer, und durch eigene Erkenntnis Wissen erlangen, nicht durch die deines Nächsten.
Bedenke im Herzen, wie du sein solltest.
(Baha’u’llah, Die Verborgenen Worte)