| Jeder von uns hört Musik, täglich hören wir sie. Im Radio, im Fernsehen, in Filmen – man kann der Musik gar nicht entkommen. Schon Mozart sagte, „ohne Musik wär‘ alles nichts.“ Sie bewegt unsere Gefühle, beeinflusst unsere Stimmungen.

Ohne Musik wär‘ alles nichts. || Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)

| Wer musikalisch kreativ sein kann, schafft es, seine tiefsten Gefühle mithilfe der Musik auszudrücken. Es heißt, dass jeder Mensch auf die eine oder andere musikalisch ist – der eine macht sie, der andere tanzt zu ihr; die eine singt gern, die andere wippt lieber zu Melodien. Beethoven sagt: „Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.“

| Musik war schon immer Teil der Menschheitsgeschichte. Bahá’u’lláh sagt, dass „Gott hat wahrlich die Musik zu einer Leiter für eure Seelen gemacht, zu einem Mittel für ihren Aufschwung in das Reich der Höhe.“

Wir haben wahrlich die Musik zu einer Leiter für eure Seelen gemacht, zu einem Mittel für ihren Aufschwung in das Reich der Höhe. || Bahá’u’lláh

| Musik war immer Teil der Verehrung des Göttlichen. Alle religiösen Traditionen der Welt haben im Laufe ihrer Geschichte Musik hervorgebracht, die versucht hat, geistigen Dingen künstlerich Ausdruck zu verleihen. Ich möchte einige Lieder hier mit euch teilen, die aus verschiedenen religiösen Traditionen stammen und euch damit etwas der kulturellen und spirituellen Vielfalt näher bringen.

Beginnen möchte ich mit einem modernem Islamischem Lied von Maher Zain mit dem Titel „Thank You Allah“.

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|Jüngster Tag. Wiederkunft Christi. Tausendjähriges Reich des Friedens. Für Baha’i ist das Ende der Welt schon gekommen, Christus ist wiedergekommen und das Reich des Friedens hat längst begonnen. Häh?

Wie schon in meinem letzten Thread behandele ich in diesem Beitrag die Prophezeiungen einer weiteren Hochreligion über das Kommen einer großen Persönlichkeit: ich beschreibe heute die Bahai-Sicht über das Wiederkommen Jesus Christi. Natürlich wird dies ebenfalls nur ein Text, der oberflächlich dieses Thema bearbeitet.

Jesus sprach zu Seinen Jüngern von einem Geist der Wahrheit, der kommen wird und den Menschen jenes erklären und lehren werde, was sie zur Zeit Christi noch nicht tragen konnten:

Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.
(
Neues Testament, Johannes 16:12-14)

In Seinem „Sendbrief an die Christen (Lawh-i-Aqdas)“ wendet Sich Baha’u’llah direkt an alle Christen und schreibt unter anderem:

Künde den Priestern: Sehet! Er, der Herrscher, ist da. Tritt hinter dem Schleier hervor im Namen deines Herrn, der allen Menschen den Nacken beugt. Künde sodann der ganzen Menschheit die frohen Botschaften dieser machtvollen, dieser ruhmreichen Offenbarung. Wahrlich, Er, der Geist der Wahrheit, ist gekommen, euch in alle Wahrheit zu leiten. Er spricht nicht, wie es Ihm Sein eigenes Ich eingibt, sondern wie es Ihm der Allwissende, der Allweise, gebietet.

Sprich: Dies ist Der, Welcher den Sohn [d.h. Jesus Christus] verherrlicht und Seine Sache erhöht. Werfet von euch, o Völker der Erde, was ihr besitzet, und haltet euch fest an das, was euch geboten ward von dem Allmachtvollen, Der Träger der Wahrheit Gottes ist. Reinigt eure Ohren und richtet eure Herzen auf Ihn, damit ihr den wundersamen Ruf höret, der vom Sinai, der Wohnstatt eures Herrn, des Herrlichsten, erhoben wird. Das wird euch wahrlich der Stätte nahebringen, wo ihr den Glanz vom Lichte Seines Antlitzes über diesem leuchtenden Horizont strahlen seht.
(
Botschaften aus ‘Akká 2:12f.)

Baha’u‘llah beansprucht also Selbst, dieser Geist der Wahrheit zu sein. Jesus Christus sagte, dass dieser Geist der Wahrheit Ihn verherrlichen werde (Joh 16:14). Baha’u’llah schrieb über Jesus in einer Seiner Tafeln:

Wisse, daß die ganze Schöpfung in großer Trauer weinte, als der Menschensohn [Jesus Christus; vgl. Mt 9,6; Mt 20,28 in der Bibel] Seinen Geist zu Gott aufgab. Doch indem Er sich selbst opferte, wurde allem Erschaffenen eine neue Fähigkeit eingehaucht. Die Beweise dafür sind in allen Völkern kund und heute vor dir offenbar. Die tiefste Weisheit, welche die Weisen zum Ausdruck bringen, die gründlichste Gelehrsamkeit, die Menschengeist entfaltet, die Künste, welche die fähigsten Hände gestalten, der Einfluß, den die mächtigsten Herrscher üben, sind nur Offenbarungen der belebenden Macht, die Sein überragender, Sein alldurchdringender und strahlender Geist entfesselt hat.

Wir bezeugen, daß Er, als Er in die Welt trat, den Glanz Seiner Herrlichkeit über alles Erschaffene ergoß. Durch Ihn wurde der Aussätzige vom Aussatz der Verderbtheit und Unwissenheit befreit. Durch Ihn wurden der Unkeusche und der Widersetzliche geheilt. Durch Seine Macht, aus dem allmächtigen Gott geboren, wurden die Augen des Blinden geöffnet und die Seele des Sünders geheiligt.
(Baha’u’llah, Ährenlese 36:1f.)

|Jesus wies Seine Jünger und damit alle Seine Anhänger daraufhin, dass sie wachsam sein sollten, denn Er werde ‚in der Herrlichkeit des Vaters‘ wiederkommen (Matthäus 16:27), aber zugleich wie ein Dieb in der Nacht erscheinen:

Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.
Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
(
Neues Testament, Matthäus 24:42-44; ebenso Lukas 12,39-40)

|Im 19. Jahrhundert war die Erwartungshaltung vieler Christlicher Kirchen, Gemeinschaften und Sekten auf die Wiederkunft Christi besonders hoch. Besonders um das Jahr 1844 erwarteten viele das Wiederkommen Christi (‚Dieb in der Nacht‘, William Sears), doch als das Jahr verging und die erhoffte Wiederkunft Jesu ausblieb, wurde Unmut groß und die Christen hörten zunehmend auf, auf Jesu‘ Wiederkunft zu warten. Dabei lehrte Jesu doch Selbst, dass Er wie ‚Dieb in der Nacht‘ wiederkommen werden. Ein Dieb in der Nacht kommt unerwartet (zeitlich als auch örtlich) und mehr oder weniger heimlich. Nur, wer genau darauf achtet, bemerkt ihn.

Im Jahre 1844 verkündete der Báb Seine Offenbarung und zugleich das Kommen eines noch größeren Offenbarers. Er verkündete im damaligen Persischen Reich das Kommen eines Größeren als Er Selbst und betitelte sich deshalb als ‚das Tor‘ (arabisch ‏الباب‎ al-Bāb) und wies damit hin, dass Er trotz der Größe Seiner Offenbarung nur Vorbereitung Dessen ist, Den Gott offenbaren wird. Dieser Große sollte Baha’u’llah sein.

Der Báb wurde für Seine Lehren, die Er mit 25 Jahren verkündete, im Alter von 31 Jahren hingerichtet. Er ist teilweise vergleichbar mit Johannes dem Täufer, da Er eine Funktion als Vorbote für Baha’u’llah innehatte. Gleichzeitig war Er, im Gegensatz zu Johannes dem Täufer, Träger einer eigenständigen Offenbarung. Der Báb und Baha’u’llah werden deswegen als die Zwillingsoffenbarer bezeichnet. Dies bestärkt die Bedeutung der beiden Offenbarungen und das religionshistorisch einmalige sehr zeitnahe Auftreten zweier sich gegenseitig anerkennender Offenbarer und Ihrer sich ergänzender Offenbarungen.

|Jesu Wiederkunft soll laut Bibel einhergehen mit dem Jüngsten Tag sowie der Errichtung des Tausendjährigen Reiches des Friedens unter Jesu Herrschaft. Für Baha’i ist klar, dass der Jüngste Tag schon gekommen ist und das Reich des Friedens schon da ist. Dies erscheint für viele jedoch unlogisch, da die Welt doch immer noch existiert und Kriege immer noch von statten gehen.

Doch für Baha’i bedeutet der Jüngste Tag nicht das wörtliche Ende der Welt, sondern das Ende eines Zeitalters und der Beginn eines neuen Zeitalters. Die Menschheit tritt in das Alter der Reife ein, was für Baha’i durch die vielen Entwicklungen und Veränderungen im technischen, wissenschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und in anderen Bereichen in den letzten zwei Jahrhunderten versinnbildlich wird. Die Alte Welt ist sozusagen untergegangen bzw. ist noch dabei, unterzugehen, während die Neue Welt mit neuen Denkweisen, neuen Erkenntnissen und neuen Lösungswegen dabei ist, zu entstehen. Gleichzeitig sieht man überall noch die Reste der Alten Weltordnung, die sich bspw. in Dingen wie Vorurteilen, Fanatismus, Kriegen, sozialer Ungerechtigkeit äußert.

Baha’i glauben auch nicht daran, dass das Tausendjährige Reich des Friedens mit einem Fingerschnipp sozusagen erscheint und uns Menschen auf einem goldenen Tablett serviert wird. Viel eher sendet uns das Göttliche die Werkzeuge, um selbst dieses Reich des Friedens aufzubauen. Nur, wenn wir als Menschen diese Werkzeuge nutzen, können wir dieses Reich errichten. Würde das Friedensreich errichtet, ohne dass wir als Menschen dafür tun müssten, würde dies unser Recht auf freien Willen untermauern. Friede kann nicht errichtet werden, wenn nicht alle ihn wollen. Da Gott den Menschen mit einem freien Willen ausgestattet hat und diesen anerkennt, würde Er nichts tun, was uns diesennehmen könnte. Deshalb ist es jedem Menschen selbst überlassen, die Werkzeuge und Ratschläge zur Errichtung des Weltfriedens zu ergreifen und zu nutzen.

|Das Universale Haus der Gerechtigkeit, das höchste gewählte Gremium der Bahai-Gemeinschaft, schrieb so in „Die Verheißung des Weltfriedens“:

Weltfrieden ist nicht nur möglich, sondern unausweichlich. Er ist die nächste Stufe in der Evolution dieses Planeten. […]
Ob der Frieden erst nach unvorstellbaren Schrecken erreichbar ist, heraufbeschworen durch stures Beharren der Menschheit auf veralteten Verhaltensmustern, oder ob er heute durch einen konsultativen Willensakt herbeigeführt wird, das ist die Wahl, vor die alle Erdenbewohner gestellt sind.
(Die Verheißung des Weltfriedens)

Dies ist der Grund, weshalb sich die Bahai in vielen Gremien, Projekten und Organisationen für Frieden, gegen Vorurteile sowie für soziale und ökologische Belange einsetzen und hoffen, dadurch die zweite Möglichkeit zur Errichtung dieses Friedens zu erreichen.

Bereits im 19. Jahrhundert forderte Baha’u’llah:

Die Zeit muß kommen, da die gebieterische Notwendigkeit für die Abhaltung einer ausgedehnten, allumfassenden Versammlung der Menschen weltweit erkannt wird. Die Herrscher und Könige der Erde müssen ihr unbedingt beiwohnen, an ihren Beratungen teilnehmen und solche Mittel und Wege erörtern, die den Grund zum Größten Weltfrieden unter den Menschen legen.
(Baha’u’llah, Botschaften aus Akká 11:8)

|Für Baha’i, unter denen auch eine große Zahl ehemaliger Christen ist, ist das Kommen Baha’u’llahs gleichzusetzen mit der Wiederkunft Christi (auch wenn nicht von einer leiblichen Wiederkunft, sondern einer geistigen Wiederkunft gesprochen werden sollte) und die Bahai-Offenbarung wird gesehen als die Erfüllung des Christentums.

Demzufolge wenden sich Christen, die Baha’i werden, nicht von Jesus Christus ab, sondern sie wenden sich Ihm viel eher neu zu. Auch Baha’i, die aus einem Jüdischen, einem Buddhistischen oder einem Atheistischen Hintergrund kommen, anerkennen Jesus Christus als Gottesoffenbarer und Seine Lehren als heilig, indem sie Baha’u’llah als Offenbarer für dieses Zeitalter anerkennen.

George Townshend, Domherr der St.-Patricks-Kathedrale in Dublin, schrieb folgende Worte in das Vorwort in seinem Werk ‚Christus und Baha’u’llah‚:

Das Kommen des Königreiches Gottes auf Erden ist in allen geoffenbarten Weltreligionen gleichbedeutend mit dem Erscheinen des höchsten Welterlösers, des Herrn der Heerscharen, die wiedergekehrten Christus, des Qá’im, des Neuen Buddha. „Eine Herde und ein Hirte“ sollen an die Stelle der vielen sich widerstreitenden und voneinander getrennten Menschengruppen treten. Diese außerordentliche Verheißung, die ursprünglich vor vielen tausend Jahren ausgesprochen wurde, hat keiner der großen Propheten aufgegriffen, bis im neunzehnten Jahrhundert Bahá’u’lláh, der Begründer des Bahá’í-Glaubens, den Machthabern und religiösen Führern der Welt verkündete, dass Er dieser Erlöser und Träger der göttlichen Botschaft an den modernen Menschen sei.

George Townshend war der erste geweihte Christliche Priester, der sein Gelübde brach, um Baha’i zu werden.

| Natürlich muss jeder Mensch selbst prüfen, ob Baha’u’llah die Wiederkunft Christi in der Herrlichkeit des Vaters ist. In der Bibel wird vor falschen Propheten gewarnt, die wie Wölfe im Schafspelz sind. Jesus lehrt:

Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie (harmlose) Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen? Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten.  Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.
(
Neues Testament, Matthäus 7,15-20)

So soll jeder Mensch selbst, frei von positiven wie negativen Vorurteilen sowie unabhängig von Freunden, Bekannten, Priestern, Autoren und anderen  prüfen, ob der Anspruch Baha’u’llahs rechtens ist oder nicht.

|o|Im ersten Teil der Basics über den Bahai Glauben wurden Infos über die Geistigen Prinzipien der Bahai gegeben. Aber das ist ja bei weitem nicht alles. Jede Religion, jeder Glaube baut auf einer bestimmten Ethik, auf verschiedenen Lehren im Bezug auf das eigene Leben und auf das gesellschaftliche Zusammenwirken auf. Welche Lehren, welche Ethische Prinzipien prägen den Bahai Glauben besonders?

|o|Insgesamt gibt es elf ethische Prinzipien, die von Abdu’l Baha, dem Sohn des Religionsstifters Baha’u’llah und nach dessen Hinscheiden bevollmächtigten Erklärer der Schriften, in Seinen ‚Ansprachen in Paris‘ als grundlegend genannt wurden und den Bahai Glauben besonders prägen. Sie sollen das Denken, Handeln und Leben eines Bahai besonders prägen. Ich werde in diesem Abschnitt auf fünf davon eingehen, die restlichen sechs erkläre ich im dritten Teil der Basics.

|o|Der erste ethische Grundsatz ist das Prinzip der selbstständigen und eigenverantwortlichen Suche nach Warheit. Nach den Bahai Lehren hat jeder Mensch das Recht, selbstständig nach Wahrhheit, Erkenntniss und Wissen zu suchen. Baha’u’llah offenbarte:

O Sohn des Geistes!
Von allem das Meistgeliebte ist Mir die Gerechtigkeit. […]
Mit ihrer Hilfe sollst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer,
und durch eigene Erkenntnis Wissen erlangen, nicht durch die deines Nächsten.
(Baha’u’llah, Die Verborgenen Worte)

Dies bedeutet, dass jeder Mensch auf eigene Faust nach Wahrheit suchen muss. Dies ist ein Recht, welches Gott jedem Menschen zuspricht. Deshalb versuchen Bahai auch nicht, andere Menschen zu bekehren. Sie klären lediglich auf, informieren und geben bei Interesse mehr Auskunft über ihren Glauben. Jemanden durch Überreden oder sogar Drohungen zum Glauben zu bringen, ist den Bahai verboten.
Da jeder Mensch selbstständig nach Wahrheit suchen muss und die Menschheit eine Stufe erreicht hat, in der (jetzt oder in naher Zukunft) jeder Mensch Zugang zu ausreichend Wissen und Informationen bekommt, gibt es innerhalb der Bahai Religion auch keine Priesterschaft, Berufstheologen oder andere Formen der Geistlichkeit. Als Grundlage des Glaubens gelten alleine die offenbarten Texte Baha’u’llahs (*1817 – †1892) und die Erläuterungen Seines Sohnes Abdu’l Bahas (*1844 – †1921). Jeder Gläubige sollte sich aufgrund dieser Texte selbst eine Meinung bilden, durch Beratung und Austausch mit anderen mehr Verständnis für die Texte erlangen und sie auf das individuelle Leben abwandeln.
(Dies ist auch der Grund, warum alle hier niedergeschriebenen Auslegungen des Glaubens nur meine persönliche Interpretation sind. Lediglich die Zitate sind für Bahai ‚bindend‘.)

|o|Das zweite ethische Prinzip Baha’u’llahs ist die Lehre von der Einheit der Menschheit.

Es rühme sich nicht, wer sein Vaterland liebt, sondern wer die ganze Welt liebt.
Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger.
(Baha’u’llah, Ährenlese)

Alle Menschen sind die Blätter und Früchte des gleichen Baumes, […]
und haben alle gleichen Ursprung.
(Abdu’l Baha, Ansprachen in Paris)

Alle Menschen sind als Bürger dieser Welt zu sehen, allen ist die gleiche Achtung entgegenzubringen und niemand als böse, minderwertig oder weniger menschlich anzusehen.

|o|Ein weiteres Prinzip des Bahai Glaubens ist, dass Religion Liebe und Zuneigung hervorrufen sollte. Eine Religion, die dazu führt, dass Menschen sich meiden, Abneigungen gegeneinander entwickeln oder sogar Hass hervorrufen ist laut den Bahai Lehren von den Göttlichen Lehren abgeirrt.

Die Religion sollte alle Herzen vereinen und Krieg und Streitigkeiten auf der Erde vergehen lassen, Geistigkeit hervorrufen und jedem Herzen Licht und Leben bringen.
Wenn die Religion zur Ursache von Abneigung, Hass und Spaltung wird, so wäre es besser, ohne sie zu sein, und sich von einer solchen Religion zurückzuziehen, wäre ein wahrhaft religiöser Schritt.
(Abdu’l Baha, Ansprachen in Paris)

Dieses grundlegende Prinzip wirkt sich sehr stark auf das Leben der Bahai aus, weshalb sie viele Freunde anderer Religionen haben und  sich vielfältig am interreligiösen Dialog beteiligen. Es gibt auch Menschen, die gerne Bahai werden wollen, jedoch dann aufgrund bestimmter Traditionen, gesellschaftlicher Normen oder anderer Dinge von ihrer Familie verstoßen werden würden und aus diesem Grund nicht Bahai werden, um die Einheit der Familie nicht zu zerstören.

|o|Das vierte Prinzip der Bahai Offenbarung betrifft das Verhältnis von Religion und Wissenschaft, von Glaube und Vernunft. Nach Baha’u’llah und Seinem Sohn Abdu’l Baha sind Religion und Wissenschaft gleichberechtigte Partner, als zwei Teile dieser einen Welt und der Wahrheit.

Wir können die Wissenschaft als einen Flügel und die Religion als einen anderen Flügel betrachten. Der Vogel braucht zwei Flügel, um fliegen zu können, einer allein wäre zwecklos. […]

Bringt euren ganzen Glauben in Übereinstimmung mit der Wissenschaft. Es kann keinen Gegensatz geben, weil es nur eine Wahrheit gibt. Wenn die Religion, befreit von Aberglauben, Überlieferungen und unverständigen Dogmen, ihre Übereinstimmung mit der Wissenschaft dartut, so wird eine große einigende, reinigende Kraft in der Welt sein […].
(Abdu’l Baha, Ansprachen in Paris)

Nach den Bahai Lehren kann eines von beiden nicht dazu beitragen, die Welt zu entwickeln, zu bessern und eine fortschreitende Kultur unterstützen. Sollte man Religion ohne Wissenschaft & Vernunft haben, würde dies zu Aberglauben und Fanatismus führen. Wissenschaft ohne Religion führte schließlich zu Materialismus.

|o|Die fünfte Leitlinie ist die Lehre von der Ablehnung von Vorurteilen. Vorurteile, egal ob sie nationaler, rassischer, religiöser, ethnischer, politischer oder anderer Art sind, führen zu Ausgrenzung, Hass und letztendlich auch Krieg.

Alle Spaltungen in der Welt, Haß, Krieg und Blutvergießen, werden
durch das eine oder andere dieser Vorurteile hervorgerufen.
(Abdu‘ Baha, Ansprachen in Paris)

Prinzipien: der selbstständigen Suche nach Wahrheit. Wie soll man selbstständig, d.h. ‚frei‘, nach Wahrheit suchen, wenn einem Vorurteile daran hindern, diese zu finden? Wie soll man Erkentnisse bekommen, wenn man Menschen egal welchen Hintergrundes aufgrund von Vorurteilen meidet, die einem vielleicht unglaublich viel Wissen zu teil werden lassen können?

Der Mensch muss sich von allen Vorurteilen und von den Ergebnissen seiner eigenen
Einbildung trennen, so dass er zum ungehinderten Suchen nach Wahrheit fähig werde.
(Abdu‘ Baha, Ansprachen in Paris)

Auch sollen Vorurteile nicht auf der Grundlage von Religion gebaut werden. Niemand solle jemand anderen meiden, weil man sich selbst als Anhänger einer scheinbar ‚überlegeneren‘ Religion sieht. Viel mehr sollten Religion und Glaube dazu führen, Vorurteile abzulegen und diese zu verringern, anstatt sie selbst zu bedienen.

Gehen Vorurteile und Feindseligkeiten auf das Konto der Religion, so bedenkt,
dass die Religion zu Freundschaft führen muss; andernfalls ist sie unnütz.
(Abdu’l Baha, Briefe und Botschaften)

|o|Das war der erste Teil der Bahai Prinzipien. In einem weiteren Beitrag werden die restlichen Prinzipien erklärt.

|o|Im Beitrag über die Bezugspunkte habe ich erzählt, dass der Bahai-Glaube einen wichtigen Teil meines Lebens ausmacht und mich zum Großteil als Person definiert. Aber was ist der Bahai-Glaube? Worin zeichnet er sich aus? Was unterscheidet ihn von anderen Glaubensauffassungen? Und wichtiger: was verbindet ihn mit anderen? Ich werde hier versuchen, einen kleinen Einblick zu geben und einige grundlegende Dinge zu erklären – die Basics sozusagen.

Der Bahai-Glaube hat drei grundlegende Überzeugungen, auf denen alle anderen Lehren aufbauen. Diese drei Glaubensprinzipien sind Prinzipien der Einheit – die Einheit des Göttlichen, die Einheit der Religionen und die Einheit der Menschheit.

|o|Was ist damit gemeint? Es bedeutet, dass Bahai daran glauben, dass es nur einen Gott gibt und dieser Gott in verschiedenen Religionen, Weltanschauungen und Traditionen nur unterschiedliche Namen erhalten hat. Doch Gott ist für den Menschen unerkennbar, zumindest auf keinem direkten Weg. Der menschliche Verstand, der menschliche Geist ist begrenzt, Gott ist jedoch unbegrenzt. Man könnte es mit einem Gemälde erklären, dass viele Gedanken und Eigenschaften des Künstlers in sich trägt, jedoch niemals den Künstler erfassen kann.

O Sohn des Menschen!
Verhüllt in Meinem unvordenklichen Sein und in der Urewigkeit Meines Wesens, wusste Ich um Meine Liebe zu dir. Darum erschuf Ich dich, prägte dir Mein Ebenbild ein und offenbarte dir Meine Schönheit.
(Baha’u’llah, Verborgene Worte)

Erhaben, unermesslich erhaben bist Du über das Bemühen der Sterblichen, Dein Geheimnis zu enträtseln, Deine Herrlichkeit zu schildern oder die Art Deines Wesens auch nur anzudeuten.
(Baha’u’llah, Ährenlese)

|o|Das zweite Prinzip ist das Prinzip der Einheit der Religionen. Da es für Bahai nur einen Gott gibt, gibt es demzufolge auch nur eine Religion – die Religion Gottes. Doch halt…es gibt doch aber mehr als nur eine Religion? Wie kann man das verstehen?
Die Bahai-Schriften erklären, dass Gott nur mithilfe Seiner Offenbarer erkannt werden kann, die von Ihm gesandt wurden, um den Menschen die Göttlichen Lehren zu vermitteln. Krishna, Buddha, Moses, Jesus, Mohammad, Báb und schließlich Baha’u’llah sind Gottesoffenbarer, die uns helfen, Gottes Wort, Willen und vor allem Seine Liebe, Gebote & Ratschläge für ein glückliches Leben zu erkennen.

Denn es gibt nur einen Gott und eine Menschheit, und
das einzige Glaubensbekenntnis der Propheten ist das der Liebe und Einheit.

(Abdu’l Baha, Promulgation)

Das heißt, dass für Bahai alle Religionen – alle auf den Offenbarungen der oben genannten Offenbarer aufbauend – als Heilig gelten. Ihre Offenbarungen sind Geschenke Gottes, die uns – Seinen Kindern – helfen sollen, ‚erwachsen‘ zu werden. Auch andere Religionen, wie beispielsweise die Naturreligionen indigener Völker, gelten als Heilig, auch wenn ihre Gottesoffenbarer und deren Lehre nicht mehr vollkommen zurückverfolgt werden können. Sie entstammen jedoch alle der gleichen Quelle.

Wie stehen Bahai aber nur anderen Religionen gegenüber? Nehmen wir eine Haltung der Respektlosigkeit ein? Betrachten wir uns als erhaben und besser, vielleicht sogar als ‚gesegneter‘, ‚reiner‘ oder ‚heiliger‘? Nein, weit gefehlt.
Dies würde den Lehren Baha’u’llahs, des Offenbarers der Bahai-Offenbarung, widersprechen. Er lehrte:

Verkehret mit allen Religionen in Herzlichkeit und Eintracht, auf daß sie Gottes süße Düfte von euch einatmen. Hütet euch, daß euch im Umgang mit den Menschen nicht die Hitze törichter Unwissenheit übermanne.
(aus dem Kitab-i-Aqdas)

O ihr Menschenkinder! Der Hauptzweck, der den Glauben Gottes und Seine Religion beseelt, ist, das Wohl des Menschengeschlechts zu sichern, seine Einheit zu fördern und den Geist der Liebe und Verbundenheit unter den Menschen zu pflegen. Laßt sie nicht zur Quelle der Uneinigkeit und der Zwietracht, des Hasses und der Feindschaft werden.
(aus Ährenlese)

Religionen sind doch aber so unterschiedlich…wie können sie alle von einer Quelle kommen?
Die Frage klingt schwer, doch die Antwort ist recht einfach zu finden: Die Menschheit entwickelt sich weiter, damit ändert sich das Verständnis der Menschheit immer auch mit. Gleichzeitig bringt jedes Zeitalter andere Anforderungen mit sich.Deshalb gibt jede Religioandere Antworten auf gewisse Umstände.

Denn jedes Zeitalter fordert ein neues Maß an Gottes Licht. Jede göttliche Offenbarung wurde so herabgesandt, wie es den Verhältnissen des Zeitalters entsprach, in dem sie erschien.
(Baha’u’llah, Ährenlese)

Dabei kann man Offenbarungen und religiöse Lehren immer in zwei Teile splitten: einen geistigen, ewigen Teil und einen sozialen, praktischen Teil. Der praktische Teil, der Hinweise, Ratschläge und Gebote für den Alltag oder die Lebenswelt der Menschen in einem bestimmten Zeitalter gibt, ändert sich. Das ist auch verständlich. Menschen vor 2.000 Jahren konnte man beispielsweise nicht erzählen, dass es eine Evolution gibt, das hätten sie nicht verstanden; deshalb existiert im Alten Testament bspw. die Schöpfungsgeschichte, die aber eher einer Metapher oder einem Gleichniss ähnelt. Heute können die Menschen Dinge viel einfacher verstehen und die Probleme sind andere.

|o| Bahai glauben, dass jede Offenbarung eine bestimme Aufgabe hatte, die der Menschheit bei ihrer Entwicklung helfen sollte und ihr etwas bestimmtes vermitteln, beibringen, lehren sollte. So lehrte Moses‘ Offenbarung Recht und Ordnung, durch Buddha lernte der Mensch, inneren Frieden & innere Balance zu finden, Jesus vermittelte uns die Gebote der Nächsten- und Feindesliebe und Mohammad lehrte die Anerkennung Gottes als Allmächtigen Herrscher.

Doch was ist der Auftrag, den die Bahai-Offenbarung mit sich bringt? Wir hatten doch schon alles…
Der Auftrag der Bahai-Lehren ist, der Menschheit dabei zu helfen, ‚erwachsen‘ zu werden und zu lernen, sich als Einheit in der Vielfalt zu begreifen.

Das Wort Gottes ist eine Lampe, deren Licht der Satz ist:
ihr seid die Früchte eines Baumes und die Blätter eines Zweiges. Verkehrt miteinander in inniger Liebe und Eintracht, in Freundschaft und Verbundenheit.
(Baha’u’llah, Ährenlese)

Der eine alliebende Gott schenkt seine göttliche Gnade und Gunst der ganzen Menschheit.
(Abdu’l Baha, Ansprachen in Paris)

Einheit in Vielfalt

Was aber heißt dies konkret? Es bedeutet, dass Bahai alle Menschen als gleichwertig anerkennen, jedem die gleiche Würde, den gleichen Respekt und die gleiche Brüder- und Schwesterlichkeit zu teil werden lassen – unabhängig der Religion, der Weltanschauung, des Geschlechtes, der Herkunft, Rasse, des Berufes, des Einkommens oder anderer Dinge. Und es heißt, dass die Bahai ihren konkreten Auftrag darin sehen, der Menschheit dabei zu helfen, dies zu verinnerlichen und dies umzusetzen. Dabei geht ein gläubiger Bahai einen Weg der Selbstentwicklung, während er aber auch versucht, auch einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft zu üben.